Jüchen: Flüssiges Gold aus dem Kloster

Jüchen: Flüssiges Gold aus dem Kloster

Missionare haben einen Honiglikör aufgesetzt. Der Fokus liegt aber weiter auf Familienarbeit.

Nur drei Tage hat es gedauert, dann waren die 120 Flaschen weg. Die erste Charge des neuen Honiglikörs aus dem Nikolausklosters hat sich so schnell verkauft, dass nun noch zwei Wochen gewartet werden muss, bis der neue Likör wieder angeboten werden kann. Zwischen 300 und 400 Flaschen sollen dann fertig werden, sagt Pater Felix Rehbock.

Der Honiglikör, den die Oblatenmissionare "Klostergold" nennen, wird erst seit Kurzem im Kloster hergestellt. Kurz vor Weihnachten sei die Idee bei einem Gespräch mit Ehrenamtlichen aufgekommen, sagt der Pater. In der klostereigenen Imkerei stellt Ulrich Reipen als Ehrenamtlicher Honig für den Klosterladen her. Mit diesem Honig wird nun auch der Likör nach einem alten, schlesischen Rezept angesetzt. "Das ist aber nicht so ein pappsüßes Zeug", sagt Pater Rehbock. Gewürze wie Kardamom, Chili und Ingwer verleihen dem Likör "einen gewissen Biss und eine zarte Süße", wie der Pater erklärt.

Bevor das endgültige Rezept des Likör festgelegt wurde, haben die Missionare verschiedene Rezeptvariationen ausprobiert. "Mal ein bisschen mehr von diesem, mal von jenem", sagt Pater Rehbock. Die verschiedenen Ergebnisse seien dann blind verkostet worden. Auch beim Alkoholgehalt wurden verschiedene Stufen ausprobiert, die Entscheidung fiel letztendlich für 31 Prozent und eine Reifezeit von drei Monaten.

"Klostergold" heißt der neue Honiglikör des Klosters. Foto: Nikolauskloster

Mit dem Honiglikör vergrößert das Kloster das hauseigene Angebot an Lebensmitteln. Bisher gibt es neben frischem Kuchen aus der klostereigenen Backstube auch Anis-, Wacholder-, Kräuter- und Kirschlikör. Wein und Oblaten werden ebenfalls im Klosterladen verkauft, die Oblaten stammen allerdings aus Tschechien. Zudem gibt es allerlei Produkte rund um das Thema Kirche, von Kerzen über Grußkarten bis zu Büchern.

Pater Rehbock betont allerdings, dass der Fokus der Oblatenmissionare nicht auf der Lebensmittelproduktion liege. "Wir bauen nicht in dem Sinne etwas an wie es andere Klöster tun", sagt er. Dazu sei auch der Park zu klein. Vielmehr lege man Wert auf die Kinder- und Familienarbeit. "Uns ist die Seelsorge der Menschen sehr wichtig, wir wollen in Zeiten von Freude und von Not nah bei den Menschen sein", sagt er. Er sehe das Kloster als eine Art "Oase im Rhein-Kreis Neuss".

Auch Honig aus dem Nikolauskloster ist im Angebot der Missionare. Foto: Nikolauskloster

Eine Sache wollte der Pater dann aber doch ausprobieren: Weil der Bürgermeister beim Schützenfest mit ihm gescherzt habe, bei seiner Statur müsse er doch ein Klosterbier anbieten, hat der Pater das Bierbrauen versucht. "Ich möchte aber nicht eine Brauerei fragen, ob sie für uns braut und wir ein Siegel draufkleben können. Entweder wir machen das selbst oder gar nicht", sagt der Pater. Also versuchten es die Oblatenmissionare. "Wir haben aber festgestellt: Eine solche Absatzmenge, damit es sich lohnt, haben wir gar nicht." Ein Klosterbier ist damit vom Tisch.

Dafür gibt es nun den Honiglikör. Noch reift er in großen Glasbottichen. In wenigen Wochen soll er dann in 0,1 Literflaschen für 5,50 Euro angeboten werden. "Am Ende", sagt der Pater, "gehören leibliche und geistliche Dinge zusammen."

(mre)