Jüchen: Flüchtlinge lernen jetzt das Bäckerhandwerk

Jüchen: Flüchtlinge lernen jetzt das Bäckerhandwerk

Zwei Flüchtlinge verstärken das Team in der Backstube von Johannes Lenders. Sie sind dort die ersten Auszubildenden seit zehn Jahren.

Das extrem frühe Aufstehen, die körperliche Arbeit - unter vielen jungen Menschen gilt der Beruf des Bäckers als unattraktiv. Die Folge: Es fehlt fast überall an Nachwuchskräften, weil sich kaum jemand zum Bäcker ausbilden lassen möchte. "Ich habe in meiner Laufbahn bestimmt schon 30 junge Menschen zum Bäcker ausgebildet. Aber in den vergangenen zehn Jahren habe ich keinen Azubi mehr für die Backstube gefunden", erzählt Johannes Lenders. Der 65-Jährige ist Chef in der gleichnamigen Bedburdycker Traditions-Bäckerei - und gibt zwei jungen Flüchtlingen aus Jüchen eine Chance: Seit kurzem verstärken sie das Team in der Backstube. Johannes Lenders hat sie jetzt als Azubis eingestellt.

Der Bäckermeister sieht darin eine große Chance auch für seinen Betrieb. "Ich brauche dringend mehr Leute", sagt er, "unser Geschäft läuft gut." Osman Safian aus Ghana und Sayed Abu aus Myanmar sind für den Bedburdycker eine wertvolle Unterstützung. "Wir sind jetzt zu siebt in der Backstube; die Arbeit verteilt sich dadurch auf mehrere Schultern und wir sind flexibler." Lenders möchte seinen Azubis aber auch Geborgenheit bieten: Sie sollen Spaß an ihrer Arbeit haben. "Die Zusammenarbeit in der Backstube klappt wunderbar. Die beiden machen sich sehr gut", berichtet der 65-Jährige, der jedoch auch von anfänglichen Sprachbarrieren erzählt. Inzwischen sind die Hürden größtenteils genommen, was wohl auch dem ehrenamtlichen Engagement der pensionierten Lehrerin Gertrud Peltzer aus Gierath zu verdanken ist. Sie unterrichtet unter anderem Sayed Abu in Deutsch und Mathe.

Dass die Flüchtlinge überhaupt in der Bäckerei arbeiten dürfen, ist dem Einsatz unterschiedlicher Stellen zu verdanken. Beratung hat vor allem die Agentur für Arbeit geleistet. "Das Ganze erfordert Geduld, Durchhaltevermögen und viel Engagement von allen Beteiligten", sagt Angela Schoofs, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Mönchengladbach ist. Sie möchte auch andere Arbeitgeber ermutigen, dem positiven Beispiel von Bäckermeister Lenders zu folgen. "Wir als Arbeitsagentur stehen gerne mit unserem Know-how zur Seite." Jeder Einzelfall müsse konkret geprüft werden.

Sowohl Safian als auch Abu erzählen, dass sie sich in der Backstube wohlfühlen und dass sie sich gut vorstellen können, das Handwerk auch über ihre Ausbildung hinaus noch viele Jahre weiter auszuüben. "Ich fange um 5 Uhr morgens an", erzählt Sayed Abu, der mit dem Bus oder dem Fahrrad kommt. Er kannte aus seinem Heimatland nur Reis, kein Gebäck. Jetzt dreht er Croissants und knetet den Teig für 30 verschiedene Brotsorten und etliche Brötchen-Varianten. "Der Chef ist wie ein Vater für mich", ergänzt der 22-Jährige, der die Ausbildung mit aller Ernsthaftigkeit verfolgt - obwohl sein Asylgesuch abgelehnt worden ist. Weil er in Deutschland eine Ausbildung begonnen hat, ist sein Verfahren auf Eis gelegt.

Sayed Abu darf die Lehre abschließen und darüber hinaus noch zwei weitere Jahre im Land bleiben. "Ich hoffe, dass ich beide Auszubildenden als Gesellen hierbehalten kann", sagt Johannes Lenders. Nach derzeitiger gesetzlicher Regelung würde Lenders Sayed Abu in fünf Jahren als Mitarbeiter verlieren, weil dieser dann trotz abgeschlossener Ausbildung ausreisen müsste. Wie der Bedburdycker Bäckermeister hoffen viele andere Arbeitgeber und Vermittler darauf, dass die Politik für das Problem eine Lösung findet und dass entsprechende Gesetze verabschiedet werden.

(cka)