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Fleischermesser-Prozess nach Tat in Jüchen-Hochneukirch: Plädoyers werden auf Freitag vertagt

Prozess wegen versuchten Mordes in Jüchen-Hochneukirch : Messerstecher-Prozess: Plädoyers werden auf Freitag vertagt

Oberstaatsanwältin berichtet über Gespräch zur abweichenden Schilderung des Tathergangs durch den Angeklagten. Das Urteil soll am 26. Juli ergehen.

Überraschende Wende im Prozess gegen einen 36-jährigen Afghanen, der im Oktober 2018 versucht haben soll, seine zu diesem Zeitpunkt bereits von ihm getrennt lebende Frau mit einem Fleischermesser zu töten. Die Anklage lautet auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung. Statt der für Dienstag angekündigten Plädoyers sagte Oberstaatsanwältin Carola Guddat als Zeugin aus.

Zuvor hatte der Verteidiger es abgelehnt, einen Vermerk über ein Gespräch zwischen ihm und der Oberstaatsanwältin von der Kammer vortragen zu lassen und so in die Beweisaufnahme einzuführen. Daher musste die Oberstaatsanwältin nun von diesem Gespräch aus Dezember 2018 berichten. Damals habe der Verteidiger Henning Hußmann um ein Gespräch bei ihr gebeten, dieses habe spontan in ihrem Büro stattgefunden. Der Anwalt berichtete von einem vorangegangenen Gespräch mit seinem Mandanten: Demnach gäbe es eine Schilderung des Tathergangs, die von der bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Beschreibung abweiche, so Guddat.  Laut Anklage soll der Mann am Tattag im Bahnhof in Hochneukirch seine Frau angesprochen haben, um ihr Schmuck für die beiden gemeinsamen Kinder zu übergeben. Als sie dies ablehnte, sei er gegangen. Laut ihrer Schilderung wurde sie kurze Zeit später auf ihrem Heimweg plötzlich von hinten erfasst, ihr wurde der Mund zugehalten und sie mit einem Messer angegriffen. Die 30-Jährige konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Laut der nun abweichenden Schilderung des Angeklagten habe er seine Frau auf dem Bahnhof getroffen, man sei gemeinsam nach Hause gegangen. Nach der Trennung wurde die Frau in einer Wohnung in der gleichen Straße untergebracht, in der ihr Mann wohnte. Kurz vor der Ankunft seien beide in Streit geraten, die Frau habe versucht, an sein Handy zu kommen, um Daten zu löschen. Die Staatsanwältin erinnert sich nicht genau, es könnte sich um Bildmaterial der gemeinsamen Kinder gehandelt haben. Bei dem Handgemenge sei eine Einkaufstasche der Frau zu Boden gefallen, dabei sei ein Messer herausgefallen. Der Angeklagte habe erklärt, ihr damit die Stichverletzungen zugefügt zu haben. Ein schriftliches Nachreichen des soeben Besprochenen durch den Verteidiger sei nicht mehr erfolgt, sie selber habe einen Vermerk erfasst. Der Anwalt habe darum gebeten, sowohl das Handy als auch das Messer auf etwaige Spuren der Frau untersuchen zu lassen. Diese seien laut Staatsanwaltschaft ergebnislos verlaufen.

Zudem informierte die Kammer die Prozessbeteiligten über ein eingegangenes Schreiben des Angeklagten: Darin beschwerte er sich über seinen Dolmetscher, bat um erneuten Austausch. Bereits am ersten Verhandlungstag hatte er eine Dolmetscherin abgelehnt. Auch jetzt erklärte er, einen Übersetzer für die Sprache Dari zu benötigen, der aktuelle beherrsche diese nicht. „Wie kommt es denn, dass Sie immer sinnvoll antworten?“, so der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Darauf blieb der Angeklagte die Antwort schuldig, versuchte, an einem Beispiel Fehler einer Übersetzung zu erläutern. Der Dolmetscher habe wieder gegeben, der Angeklagte wäre nach Einnahme einer Pille für drei Tage bewusstlos gewesen – dies habe aber nicht dem entsprochen, was er gesagt habe.   Die Kammer konnte den Einwand nicht nachvollziehen. „Dass Sie solche Feinheiten kritisieren, zeigt, dass Sie alles verstehen“, so die Kammer. Der Antrag, den Dolmetscher auszutauschen, wurde abgelehnt. Am 26. Juli sollen die Plädoyers gehört werden und das Urteil ergehen.