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Feuerwehr: Mit Millimeter-Arbeit zum Einsatz in Jüchen

Parkende Autos behindern die Feuerwehr : Mit Millimeter-Arbeit zum Einsatz

Immer wieder behindern Falschparker Einsatzfahrzeuge, das kostet wertvolle Sekunden. Die Feuerwehr testet deshalb, ob sie überall durchkommt. Mit Flyern macht sie zudem Fahrer auf problematische Situationen aufmerksam.

Linker Außenspiegel, rechter Spiegel, auch einen Blick in den Monitor des Totwinkel-Assistenten – eigentlich wären jetzt mehr als zwei Augen nötig. Thomas Uppenkamp, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Jüchen, versucht mit ganz viel Feingefühl am Lenkrad die neue Feuerwehrleiter durch die Engstelle auf der Weyerstraße zu bugsieren. Links und rechts parkende Autos, dazwischen bleibt gefühlt allemal Platz für einen Pkw. Feuerwehrchef  Heinz-Dieter Abels gibt von außen dem Fahrer Zeichen. Dann ist es geschafft, doch in die Lücke zwischen Feuerwehrfahrzeug und Pkw passten nur wenige Blatt Papier.

„Bei Einsatzfahrten erleben wir immer wieder, dass wir auf den Straßen wegen falsch parkender Fahrzeuge kaum durchkommen, aufwendig rangieren müssen“, schildert Heinz-Dieter Abels. „Das kostet dann wertvolle Zeit, bei Einsätzen zählt jede Sekunde“, vor allem wenn Menschenleben in Gefahr seien. Im Notfall sei auch schon mal ein blockierender Pkw von vier Feuerwehrleuten auf die Seite „gewippt“ worden, berichtet Abels.

 Volle Konzentration: Thomas Uppenkamp muss Millimeterarbeit leisten.
Volle Konzentration: Thomas Uppenkamp muss Millimeterarbeit leisten. Foto: Carsten Sommerfeld/Carsten Somerfeld
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In diesem Fall ist die Wehr nicht mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs. Es handelt sich um eine Testfahrt. „Alle Löschzüge und -gruppen testen bei Befahrungen, ob sie mit ihren Fahrzeugen auf den Straßen durchkommen“, sagt Abels. Mindestens drei Meter Durchfahrtsbreite müssten Autofahrer laut Straßenverkehrsverordnung beim Parken Platz lassen. „Allein hätte ich es nicht geschafft“, erklärt Thomas Uppenkamp, der 37-Jährige ist ein erfahrener Maschinist. Bei der Drehleiter handelt es sich mit zehn Metern Länge und 2,50 Metern Breite um das längste Fahrzeug im Fuhrpark. Beachten muss Uppenkamp in Kurven etwa, dass die Leiter mit dem Rettungskorb vorn mehr als einen Meter über das Fahrerhaus hinaus ragt.

 Hier passt es nur nach Umbiegen eines Positionslichtes.
Hier passt es nur nach Umbiegen eines Positionslichtes. Foto: Carsten Sommerfeld/Carsten Somerfeld

Dabei verfügt das Fahrzeug über viel Technik – Servolenkung, Rückfahrkamera und auch einen Totwinkel-Assistenten, der nicht nur beim Erkennen etwa von  Radlern, sondern auch bei Rangiermanövern hilft. „Auch unsere Löschfahrzeuge verfügen über Rückfahrkameras“, sagt Abels. Schließlich sind am Heck etwa des Hilfeleistungsfahrzeugs zwei recht sperrige Schlauchhaspeln aufgeprotzt. „Engstellen wie auf der Weyerstraße bereiten aber auch Fahrzeugen des Rettungsdienstes Probleme“, gibt Abels zu bedenken. Weiter geht es, auf der Straße Auf der Löh in Jüchen wartet die nächste Engstelle. Links ein Pkw, rechts die Mauer. Die Durchfahrt ist nur möglich, weil Abels mit der Hand ein flexibles Positionslicht an der Drehleiter umbiegt. Danach klemmt er einen Flyer hinter den Scheibenwischer am Pkw. „Wir kommen zu Ihnen, wenn Sie uns lassen!“ steht darauf, und „Sie behindern mit Ihrem ordnungswidrig abgestellten Fahrzeug den Rettungsverkehr.“ Von rigorosen Parkverboten an engen Stellen hält Abels wenig, „dadurch verlagert sich der Parkverkehr auf andere Stellen. Wir suchen lieber den Dialog mit den Bürgern, machen sie auf die Situation aufmerksam.“ Ist der Fahrer nicht vor Ort, erhält er den Flyer.

 Der Totwinkel-Assistent hilft auch beim Rangieren.
Der Totwinkel-Assistent hilft auch beim Rangieren. Foto: Carsten Sommerfeld/Carsten Somerfeld

Laut Abels werden Autos oft aus Gedankenlosigkeit falsch abgestellt, etwa wenn auf der anderen Straßenseite bereits ein Pkw steht und dann gegenüber ein freier Stellplatz zum Parken verführt, auch wenn zu wenig Raum auf der Fahrbahn bleibt.

Die Testaktion lockte auch Anwohner auf die Straße. „Hier wird manchmal ohne Sinn und Verstand geparkt“, berichtet Hans Reiner Jagdfeld, Schützenkönig in Jüchen, auf der Weyerstraße. „Manchmal hupt die Müllabfuhr, damit Platz gemacht wird. Auch Einsatzfahrzeuge kamen hier schon nicht durch.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Feuerwehr auf Testfahrt in Jüchen