Feuerwehr in Jüchen-Waat restauriert alte Spritze

Feuerwehr in Jüchen : Löschgruppe in Waat restauriert alte Spritze

Wieder wie neu sieht die historische Handdruckspritze der Löschgruppe Waat aus, die etwa an Tagen der offenen Tür gezeigt wird.

Ein modernes Hilfeleistungslöschfahrzeug steht im Gerätehaus der Löschgruppe Waat. In den vergangenen Monaten hat aber auch ein viel kleineres Gefährt die Aufmerksamkeit der Feuerwehrleute auf sich gezogen, sozusagen der „Urahn“ des HLF 10. In vielen Stunden restaurierten die Feuerwehrleute um Löschgruppenführer Torsten Gathmann (36) die alte Handdruckspitze, die vor etwa 100 Jahren zum Einsatz kam. Sie zeugt von der Zeit, als bei der Löschwasserförderung statt Motoren noch Muskelkraft gefragt war.

„Zum 120-jährigen Bestehen des Gesangvereins Eintracht Hoppers wurden wir gefragt, ob wir beim Umzug mitmachen. Da haben wir überlegt, ob wir die Handspritze so, wie sie war, zeigen wollten“, erzählt Gerd Pferdmenges von der Wehr. An dem Löschgerät hatte der Zahn der Zeit genagt, also packten Gathmann, Henric Gläser, Stefan Baehren und andere an, restaurierten die Spritze. Pferdmenges sorgte für einige Ersatzteile. Nun sieht das gute alte Stück wie neu aus.

Das genaue Alter der Druckspritze ist laut Torsten Gathmann nicht bekannt. Die am Wassertank angebrachte Jahreszahl 1921 weist auf das Gründungsjahr der Wehr in Waat hin. Ein Schild gibt die Aachener Fabrik Joseph Beduwe als Hersteller an. Wohl noch bis in die Nachkriegszeit soll die Spritze im Einsatz gewesen sein.

Nun wurde das alte Stück wieder auf Vordermann gebracht. Messingteile wurden poliert, überlackierte Kupferteile freigelegt, die Achse gerichtet, die hölzernen Druckhebel erneuert – und vieles mehr. „Wir wollten die Spritze so weit wie möglich wieder in ihren Originalzustand versetzen“, erläutert Gathmann. Mehrere Handwerker unterstützten bei der Restaurierung, die etwa zwei Monate in Anspruch nahm. Am Feierabend und an Wochenenden wurde angepackt.

Die von Hand zum Brandort gezogene Spritze ist nach wie vor einsatzbereit. „Das Löschwasser musste zunächst aus einem Brunnen oder Gewässer in den 130 Liter fassenden Tank geschüttet werden“, erläutert Torsten Gathmann die Vorgehensweise in alter Zeit. „Alternativ konnte der Tank abmontiert und zum Befüllen in einen See getaucht werden.“ Für die Wasserförderung mussten zwei bis vier Feuerwehrleute die langen Hebel betätigen, um die beiden Kolben in Bewegung zu halten, damit das Wasser in die Flammen schoss.

Mit etwa 90 Litern in der Minute gab der Hersteller die Förderleistung der alten Spritze an. Das heutige HLF10 der Wehr mit 240 Pferdestärken schafft etwa die elffache Menge und führt zudem einen mit 1000 Litern Löschwasser gefüllten Tank sowie viele Geräte für Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung mit sich.

Der Wassertank mit Kolben und Druckbehälter. Foto: Carsten Sommerfeld

Die restaurierte Spritze soll künftig weiterhin bei Jubiläen vorgeführt werden – oder bei Tagen der offenen Tür. Unter Aufsicht dürfen dann Kinder die Hebelarme bedienen. Und sicher wird das historische Löschgerät auch beim 100-jährigen Bestehen dabei sein, das die Löschgruppe 2021 feiern wird.

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