Jüchen: Fehlinvestitionen im Sport vermeiden

Jüchen: Fehlinvestitionen im Sport vermeiden

In einem Positionspapier fordert der Gemeindesportverband einen Sportentwicklungsplan, um künftig die Sportstätten bedarfsgerecht zu bauen und Fehlinvestitionen zu vermeiden. Das Papier kritisiert Politik und Gemeindeverwaltung.

Die Aufstellung eines Sportentwicklungsplanes für Jüchen fordert jetzt Gemeindesportverbandsvorsitzender Heinz Kiefer für die Jahre 2018 bis 2030. Dazu hat er ein Positionspapier formuliert, das er auch bei der Mitgliederversammlung des Gemeindesportverbandes (GSV) am 23. April beraten lassen will. Er hat es dem Vorsitzenden des Sportausschusses vorgelegt, weil er ursprünglich bereits für März eine Sondersitzung des Sportausschusses zum diesem Thema gewünscht hatte. Dazu sagt Gemeindesprecher Norbert Wolf auf Redaktionsnachfrage: Das Thema solle in der für den 4. Juni terminierten Sitzung des Sportausschusses politisch diskutiert werden. Dieser Diskussion wolle die Verwaltung nicht vorgreifen, da ansonsten eine Beratung unter Umständen obsolet wäre.

Kiefer begründet seine Forderung nach einem Sportentwicklungsplan so: "Sport ist ein großes Thema in unserer Gemeinde Jüchen. Es wäre doch sehr spannend, durch empirische, wissenschaftliche Untersuchungen zu erfahren, wie Jüchen aufgestellt ist; hier insbesondere mit dem Blick auf den demographischen Wandel und der nachhaltigen Erhaltung beziehungsweise Weiterentwicklung der aktuellen Sportstätteninfrastruktur." Schließlich treiben laut Kiefer alleine rund 6500 Jüchener Sport in Vereinen.

Für Diskussionsstoff wird das Positionspapier bei Politik und Verwaltung sorgen. Denn es lässt sich auch eine mehr oder weniger kaschierte Kritik an der bisherigen Sportpolitik der Gemeinde Jüchen herauslesen. Kiefer fordert beispielsweise, die Unterstützung des Sports müsse als Daueraufgabe im politischen Alltag verankert und aus politischer Überzeugung heraus gefördert werden. Fehlinvestitionen sollten künftig mit Hilfe des Sportentwicklungsplanes vermieden werden. Er fordert außerdem die aktive Einbindung des Gemeindesportverbandes in die kommunalpolitische Entscheidungsfindung. Kiefer meint dazu: "Hier besteht noch enormer Nachholbedarf. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es von Fall zu Fall nur zu einer temporären Beteiligung kommt. Dieses trifft gleichermaßen für Politik und Verwaltung zu."

  • Vorwürfe nicht nachvollziehbar

Als "kommunale Pflichtaufgabe" möchte der GSV-Vorsitzende künftig die Sportentwicklung genauso wie die Qualitätsentwicklung von Schulen und Kindertagesstätten fortgeschrieben wissen. Dazu müssten zunächst die tatsächlich benötigten Sportanlagen nach Schulbaurichtlinie ermittelt werden. Der Bestand solle dann dem Bedarf gegenübergestellt werden, um daraus die passenden Investitionen abzuleiten. Dabei sollten laut Kiefer auch Kooperationen etwa mit Schulen und Vereinen erfolgen, "um Investitionen für Neubauten zu vermeiden oder zu verschieben".

Kiefer beklagt aber aktuell, die Sporttreibenden hätten keine Lobby in Jüchen. Die Bedürfnisse dieser Gruppe, die er mit mehr als 50 Prozent der Bevölkerung beziffert, müssten ermittelt werden. Durch ein am Bedarf der Bevölkerung ausgerichtete sport- und freizeitorientierte Wohnumfeldentwicklung gewinne die Kommune auch Attraktivität, sagt Kiefer und fordert künftig "den Nachweis erforderlicher Investitionen durch ein anerkanntes Berechnungssystem und durch ein objektives Gutachterteam, mit dem die Verwaltung den bisher aus einem Gefühl heraus geforderten Notwendigkeiten zum Bau von Sportanlagen begegnen kann".

(gt)