Jüchen: Erstes Buch über Jüchen-Flüchtlinge nach 1945

Jüchen: Erstes Buch über Jüchen-Flüchtlinge nach 1945

Der Historiker Martin Rüther stellte jetzt sein Werk über Flüchtlinge und Vertriebene, die nach Jüchen kamen, vor.

Ein neuer Band setzt die Buch-Reihe über die Geschichte der Gemeinde Jüchen fort: Der Historiker Martin Rüther stellte jetzt vor rund 50 Besuchern sein neues Werk "Wir sind ja rundherum von Einheimischen eingezingelt - Flüchtlinge und Vertriebene in Jüchen nach 1945" vor. Auf 360 Seiten erzählt der erfahrene Autor die Lebensgeschichten von sieben Zeitzeugen, von Heimatvertriebenen ebenso wie von Alteingessenen, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Jüchen lebten.

"Die Quellenlage ist sehr dürftig", sagt Rüther, der in Köln Geschichte studiert und dort auch promoviert hat. Der 60-Jährige hatte bei seiner zweieinhalb Jahre dauernden Recherche in vielen Archiven geforscht. Als besonders ergiebig erwiesen sich jedoch vor allem die Gespräche mit Zeitzeugen. Das Besondere: Um auch jüngere Menschen erreichen zu können, hat er einige Gespräche gefilmt. Die Videos sollen im Laufe des nächsten Jahres veröffentlicht werden und nach Möglichkeit auch Bestandteil des Geschichtsunterrichts an Jüchener Schulen werden.

Martin Rüther, der als Historiker im Kölner NS-Dokumentationszentrum arbeitet und in den vergangenen Jahren mehr als 20 Bücher geschrieben hat, geht in seinem neuen Werk auf die Aspekte von Flucht und Vertreibung zum und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein. "Tatsächlich kamen auch viele Menschen aus Furcht vor den Westalliierten von Westen her über den Rhein. Viele hatten Angst vor der nahenden Front, die ja auch durch NS-Propaganda geschürt worden war", berichtet Rüther bei der Vorstellung seines Buches, in dem es auch um Evakuierte aus den Großstädten, um in Jüchen lebende Zwangsarbeiter und zu einem großen Teil um die ab 1946 in Jüchen Schutz suchenden Geflohenen und Heimatvertriebenen geht.

Besonders viele Menschen kamen zum Ende des Krieges aus den Ostgebieten Deutschlands nach Jüchen, bis heute haben viele Jüchener Wurzeln etwa in Ostpreußen, Pommern, Schlesien oder anderen Gebieten. Eine der Zeitzeuginnen, die in dem Buch zu Wort kommen, ist Gertrud Zillikens, die Mutter des Bürgermeisters. "Damals trafen zwar keine Menschen unterschiedlicher Nationalitäten aufeinander. Aber es hat doch große kulturelle Unterschiede gegeben", sagt Rüther. Er betont: "Mein Ziel ist es, einen Beitrag für das Verstehen zu leisten und zu zeigen, dass in Krisensituationen oft auch Chancen stecken." Das Buch ist zum Preis von 20 Euro im Gemeindearchiv Jüchen (02165 9154005) sowie im Rathaus (02165 9150) erhältlich.

(cka)