Bessere Entwässerung Jüchen stellt Konzept gegen Überflutungen vor

Jüchen · Die Entwässerung in Stessen und Rath soll deutlich verbessert werden. Mit einem Baubeginn ist in diesem Jahr aber wohl nicht zu rechnen.

 Der laufende Kanalbau in Stessen gehört nicht zum Starkregenkonzept, die Känäle sollen aber das Entwässerungssystem verbessern.

Der laufende Kanalbau in Stessen gehört nicht zum Starkregenkonzept, die Känäle sollen aber das Entwässerungssystem verbessern.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Der 15. August 2020 hatte fatale Folgen für die Orte Stessen und Rath und wird den Menschen dort in unangenehmer Erinnerung bleiben: Massive Regenfälle ergossen sich damals in die Dörfer und machten auf krasse Weise deutlich, dass die vorhandene Entwässerung den Niederschlägen nicht mehr Herr werden kann.

Um erneute Überflutungen in Stessen und Rath zu verhindern und die Entwässerungseinrichtungen zu modernisieren, machte sich die Stadtverwaltung Jüchen auf den Weg einer Neu- und Überplanung der Kanalisation. Die Pläne dazu stellte sie bei der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses in Haus Katz vor. Grundsätzlich bleibt ein Problem, wie der Technische Beigeordnete Oswald Duda erläuterte: Zum einen müssen Grundstücke erworben werden, und bauliche Maßnahmen vornehmen zu können, zum anderen müssen die Aufsichtsbehörden von Kreis und Bezirksregierung den Veränderungen zustimmen. Auch müsse die Finanzierung durch den städtischen Haushalt sichergestellt werden. Mithin wird es in diesem Jahr wohl nicht zu baulichen Aktivitäten kommen, um die Entwässerung in Stessen und Rath zu verbessern. Die Pläne dazu liegen jetzt aber vor und wurden von der Verwaltung den Ausschussmitgliedern vorgestellt, die sie wohlwollend zur Kenntnis nahmen.

Zu Stessen erläuterte die Verwaltung, die Feldlage östlich der L116 und nördlich der Kreuzstraße entwässere aufgrund der Höhenlage teilweise in Richtung der Wohnbebauung an der Kreuzstraße. Aus diesem Grund komme es bei starken Niederschlägen zu Überflutungen durch oberflächig abfließendes Wasser. Problematisch sei die „Feldlage mit starkem Gefälle in Richtung der benachbarten Grundstücke“. Der Tiefpunkt befinde sich direkt an der Grenze zu diesen Grundstücken. Es bestehe „keine Möglichkeit für eingestautes Regenwasser abzufließen.“ Ausgehend von der Aufnahme der Bestandssituation wurde ein Sanierungskonzept entwickelt, welches dazu beitragen soll, dass das Niederschlagswasser der Feldlage von der Wohnbebauung ferngehalten wird.

Das Konzept sieht zunächst die Herstellung einer Mulde und eines Walls entlang des Grundstückes Kreuzstraße 62 vor. Über diese Mulde soll das Niederschlagswasser in Richtung der Kreuzstraße abgeleitet werden und durch eine Modellierung des Geländes über den jetzigen Tiefpunkt weitergeleitet werden. Schließlich soll das Wasser durch einen neuen Durchlass bis zum bestehenden Bachlauf auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelenkt werden. Die Kosten für die bauliche Veränderung werden mit rund 120.000 Euro angegeben.

Für Rath ist nach Ansicht der Verwaltung festzustellen, dass die Ortslage in einer topografischen Mulde liege und es insbesondere aus südlicher Richtung Zufluss von Oberflächenwasser gebe. „Die Aufnahmekapazität des Kanals ist nicht ausreichend für wildabfließenden Niederschlagswasser.“ Zur Verbesserung der Situation schlägt die Verwaltung die Herstellung einer Mulde und eine Walls entlang der südlichen Ortsgrenze und beidseitig des Wirtschaftswegs – zwischen den Häusern 25 und 26 – eine Mauer aus Einfassung vor. Die Einleitung des „wildabfließenden Regenwassers“ in den Kelzenberger Bach soll über einen separaten Regenwasserkanal und über eine straßenbegleitende Mulde erfolgen. Die Kosten für den Kanal belaufen sich auf rund 550.000 Euro, die für die Mulde auf 300.000 Euro. Ob die beiden Bauprojekte zeitgleich oder hintereinander erfolgen, sei noch zu klären, wie auch hinsichtlich des Grundstückserwerbs noch Klärungsbedarf bestehe, wie Duda sagte.

Einige Schritte weiter als in Stessen und Rath ist die Verwaltung bei anderen Kanalbaumaßnahmen. So heißt es zur Riekestraße, die ursprüngliche Ausführung der Maßnahme „Erneuerung an der schadhaften Kanalisation und den öffentlichen Verkehrsflächen im Planungsbereich Riekestraße, Heinrich-Lersch-Straße, Königsberger Straße und Am Ringofen“ sei in den letzten Jahren unter anderem wegen der Sanierung der Ortsdurchfahrt B 59 und der Verlagerung und des Abbruchs eines Busbetriebes mit anschließender Errichtung von Wohngebäuden mehrfach verschoben worden, duldet jedoch wegen fortschreitender Schadensbildung nunmehr keinen Aufschub mehr. Die Kosten werden mit rund 600.000 Euro angegeben.

Zudem beabsichtigt die Verwaltung die grundhafte Erneuerung der Oderstraße in Hochneukirch. Das derzeitige Straßenbild sei von zahlreichen Schäden im Fahr- und Gehwegbereich geprägt, die Kanalisation weise deutliche Schäden auf. Die rund 525 Meter langen Entwässerungsleitungen seien einschließlich der Anschlussleitungen zu erneuern. Hier sind Kosten von rund einer Million Euro veranschlagt. Für die Vorstellung der beiden Kanalbaumaßnahmen, die für 2023 vorgesehen sind, plant die Verwaltung eine Anliegerversammlung im Mai.

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