Jüchen: Ein Wörterbuch fürs "Utzerother Platt"

Jüchen: Ein Wörterbuch fürs "Utzerother Platt"

Noch dieses Jahr möchte der Geschichtskreis Otzenrath sein Mundart-Buch veröffentlichen. Fünf Sponsoren machen den Druck des 160 Seiten starken Werkes möglich. Eine Fachfrau des Zonser Mundart-Archivs hat es Korrektur gelesen.

Gute Nachrichten für Freunde der lokalen Mundart: Der Otzenrather Geschichtskreis hat für sein Buchprojekt fünf Sponsoren gewinnen können, die zur Finanzierung des Drucks beitragen. Das 160 Seiten starke Buch mit dem Titel "Utzerother Platt" soll noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden. "Das Buch wird derzeit ins richtige Format gebracht, und die Bilder werden für den Druck von einer Grafikerin angepasst", erzählt Mit-Autor Konrad Eickels vom "Feinschliff fürs Buch", an dem die Mitglieder des Geschichtskreises vier Jahre lang intensiv gearbeitet haben.

Einen "Uusklöpper" (Teppichausklopfer) gab es früher in jedem Haushalt. Foto: Gert Behr

Die Geschichtsfreunde haben das Projekt in mühsamer Kleinarbeit durchgezogen und für ihr Werk etwa 1600 Wörter, Sprichwörter und Redensarten zusammengetragen, die "typisch Otzenrath" sind. "Wir machen das auch für unsere Enkelkinder", erzählt Gert Behr, der rund 70 Fotos beigesteuert hat, die Alltags-Situationen sowie Gegenstände zeigen, die früher in vielen Haushalten Alt-Otzenraths Verwendung fanden. Die Mundart aus dem Umsiedlungsdorf ist inzwischen von Eva Schmitt-Roth korrekturgelesen worden. Sie ist als Fachfrau des Internationalen Mundart-Archivs "Ludwig Soumagne" in Dormagen-Zons bestens mit der Mundart vertraut. Konrad Eickels, bei dem zuletzt alle Fäden für die Fertigstellung des Buches zusammenliefen, hofft, dass es im Mai oder Juni zunächst für eine Auflage von 200 Exemplaren in den Druck gehen kann.

"Wä Duuve hat, hat och et Daach bedresse." Hochdeutsch: "Wer Tauben hat, hat auch das ganze Dach voller Kot." Das Foto zeigt einen Otzenrather Taubenzüchter. Foto: Gert Behr

Die Mitglieder des Geschichtskreis sind sich dessen bewusst, dass die Zielgruppe für ihr Buch eine kleine ist. "Es gibt aber schon einige Leute, die fragen, wann das Buch erscheint", berichtet Gert Behr. Er habe sogar eine Bestellung aus Irland: "Dort lebt ein Otzenrather, der auf unser Projekt aufmerksam geworden ist und das Buch gerne hätte." Tatsächlich zielt das Werk speziell auf das Otzenrather Platt ab, das sich laut Eickels und Behr deutlich von dem Platt unterscheide, das etwa im benachbarten Mönchengladbach gesprochen werde. Ein Beispiel: der Begriff Zeit. "In Gladbach sagt man ,Tiet', in Otzenrath war es immer die ,Zick'", erzählt Konrad Eickels.

Haben am Buch mitgewirkt (v.l.): Konrad Eickel, Hubert Stessen, Josef Brockerhoff (), Hans Bert Cremer, Inge Broska, Gert Behr. Es fehlt Josef Stessen (). Foto: Gert Behr
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Einige weitere Begriffe, die in dem außergewöhnlichen Wörterbuch auftauchen: "Niehmaschin" (Nähmaschine), "Pann" (Pfanne), "Schöttelplack" (Spültuch) und "Kappesschaaf" (Weißkohlhobel). Doch das sind nur Beispiele. Vom Speisebehälter "Kimmel" abgeleitet, würde das Verb "essen" ins Otzenrather Platt mit "kimmelle" übersetzt. Im Buch selbst sind viele Wörter mit passenden Bildern verknüpft. "Wir können froh sein, dass Inge Broska so viele Dinge aus Alt-Otzenrath gesammelt hat. Sonst hätten wir sie in dem Buch gar nicht zeigen können", sagt Gert Behr.

Inge Broska, die in Hochneukirch ein Hausmuseum hat, wirkte ebenfalls an dem Buch mit. "Im Geschichtskreis ist es grundsätzlich so, dass alle etwas zu einem Projekt beitragen und sammeln", sagt Behr, aus dessen Archiv auch ein Foto des letzten Personenzuges stammt, der im Mai 1980 den Bahnhof Otzenrath ansteuerte. Im Buch steht über dem Bild folgende Redewendung: "Dä kütt möt de janze Bajaasch möhm Zoch." Darunter folgt auf Hochdeutsch: "Er kommt mit der ganzen Familie mit dem Zug."

Gerade die Bilder und Redewendungen zeigen Geschichten aus dem alten Ort Otzenrath, der dem Braunkohlentagebau zum Opfer gefallen ist. Mit dem Buch können die Mitglieder des Geschichtskreises wenigstens die lokale Mundart als Teil ihrer alten Heimat erhalten.

(cka)
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