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Jüchen: Ein Bekenntnis zum Leben auf dem Dorf

Jüchen : Ein Bekenntnis zum Leben auf dem Dorf

Bernd Mockel lässt Wallrather Königspaare aus 65 Jahren in einem Wandkalender für 2017 aufleben. Der bekennende Wallrather aus einer Traditionsfamilie bringt im nächsten Jahr auch eine umfangreiche Dorfchronik heraus.

Das Dörfchen Wallrath hat zwar nur etwa 200 Einwohner. Aber ginge es nach Bernd Mockel, dann könnte er wahrscheinlich über jeden Einzelnen eine Geschichte erzählen. "Man muss es mögen, auf dem Dorf zu leben", sagt der Kassierer des Geselligkeitsvereins Wallrath, Verfasser der Wallrather Schulchronik, Herausgeber von Wallrather Wandkalendern und "Überzeugungstäter". Bernd Mockel liebt es, wie seine Vor- und Nachfahren, auf dem Dorf zu leben. Und ihr Dorf ist und war erklärtermaßen Wallrath.

Dieser Mikrokosmos bietet für den 62-Jährigen nach der Schulchronik, die er 2014 als dickes, bebildertes Buch zusammengestellt hat, nun Stoff für eine umfangereiche Dorfchronik, die voraussichtlich Ende 2017 herauskommen soll. Vorbote ist sein bereits zehnter Wandkalender, diesmal mit Wallrather Schützenkonigspaaren aus 65 Jahren. Aus dem Verkaufserlös sollen die Beleuchtung im Ortskern erneuert und das Dorf weiter verschönert werden. Auch neue Spielgeräte sollen laut Mockel angeschafft werden, wobei dies aber wohl erst möglich wird, wenn im nächsten Jahr auch seine Dorfchronik verkaufsfertig wird.

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In der Folge der Königspaare der vergangenen 65 Jahre kommt die Familie Mockel mehrfach vor, sich selbst hat er als Schützenkönig der Saison 1998/99 aber herausgelassen: "Das wäre sonst ja so etwas wie ein Familienkalender geworden", sagt Mockel. Als kleiner Junge ist er jedoch mit Eltern und Brüdern in der Königskutsche zu sehen. Seine Eltern Katharina und Johann Mockel hatten ihre drei Jungs, den achtjährigen Adam (genannt Adi), den siebenjährigen Heinz und den fünfjährigen Bernhard, offensichtlich vor dem Schützenfest im Jahre 1958 noch mal ausgiebig zum Dorffriseur geschickt, wie es auf dem Kalenderfoto zu erkennen ist. Welches Malheur den fünfjährigen Bernd anschließend bei seinem ersten Klompenaufmarsch durch Wallrath ereilte, ist allerdings nur im Familienalbum dokumentiert. Da ging ein Klompenschuh "fliegen" - zur Pein des kleinen Bernd, zur Freude des Publikums.

Gab es in früheren Jahren und Jahrzehnten bei jeder Saison ein Königspaar zum Heimatfest, so fällt es Wallrath, wie auch anderen Orten, in der Neuzeit immer schwerer, diesen Brauch aufrecht zu erhalten. Mockel weiß, woran das liegt: "Es ist die zeitliche Belastung," sagt er. Schließlich müssten die Königspaare nicht nur in Wallrath auf der Kirmes präsent sein, sondern auch noch weitere sechs Schützenfeste besuchen: "Da müssen wir hin, damit die Nachbarn auch zu uns kommen, die Zelte voll bekommen und die Wirte zufrieden sind", erläutert Heimatfreund Mockel, der im Zivilberuf übrigens Sparkassenbetriebswirt war.

In seiner Dorfchronik wird Mockel von Zeiten zu berichten haben, als Wallrath noch völlig autark als Selbstversorger war. "Wir haben erst in den 1960er Jahren das erste Auto im Dorf gehabt. In den 70er Jahren, als der Allkauf in Noithausen eröffnete, begannen die Wallrather, auswärts zum Einkaufen zu fahren", erinnert Mockel auch in seiner Chronik an das Sterben der vielen kleinen Geschäfte und Hofläden.

Bis heute gehalten hat sich aber erstaunlicherweise ein gegenläufiger Trend: Wie Mockel auch in der eigenen Familie feststellt, ziehen Partner aus anderen Dörfern oder Städten doch gerne zu ihre Frauen auf die ehemaligen Familienhöfe in Wallrath. So änderten sich durch Heirat zwar die Nachnamen, die alteingesessen Wallrather Familien bleiben dennoch dem Dörfchen treu, freut sich Mockel, der selbst nur während seiner Bundeswehrzeit (zwangsläufig) nicht in Wallrath gewohnt hat.

(NGZ)