Livestream aus dem Atelier von Meral Alma Meral Alma lässt sich live beim Malen filmen

Düsseldorf/Hochneukirch · Nur wenige Maler lassen sich beim Arbeiten beobachten. Meral Alma aus Hochneukirch malte erstmals in einem Livestream und erzählte dabei viel über den Schaffensprozess.

Jüchen: Meral Alma malt live vor der Kamera
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Meral Alma malt live vor der Kamera

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Foto: Screenfoto gt

Eine Malerin wie Meral Alma muss sich körperlich fit halten. Bei ihrem ersten Livestream aus dem Atelier geht es bei der Arbeit an ihrem neuen Riesengemälde immer wieder die Leiter hoch und runter. „Normalerweise steht hier ein Gerüst, aber wegen der Kamera habe ich heute nur die Leiter genommen“, erläutert Alma.

Die aus Hochneukirch stammende Malerin ist bekannt für ihre besonderen Formate. Deutschlands größtes Bild mit acht mal zehn Metern hat sie, wie berichtet, für einen sechsstelligen Betrag verkaufen können. Es hängt in der Karlsruher Bahnhofshalle.

Ihr neues Großformat ist nur etwas kleiner, nämlich drei mal acht Meter, aber sie setzt damit ihre Reihe „Zirkus des Lebens“ fort. Teil fünf ist in Arbeit... und das wird dauern: „Es gibt in meinem Atelier keine Uhr und beim Malen auch kein Zeitgefühl“, sagt sie nach dem 45-minütigen Livestream, der ihr wie fünf Minuten vorgekommen sei. An der Arbeit für Karlsruhe hat sie ein ganzes Jahr gemalt.

„Wie lange brauchst du für ein Bild?“, wird sie im Livestream gefragt. „Ewig“, antwortet sie kurz, erläutert dann aber: „Ein Bild entwickelt sich im Schaffensprozess. Am Anfang steht eine Idee, der Rest passiert. Und Bilder sind wie Diven, das Bild braucht eben so lange wie es braucht.“ „Aber wann ist für dich ein Bild fertig?“, wird sie gefragt: „Sehr, sehr schwierig“, entgegnet sie und erläutert: „Man muss mutig sein, ein Bild auch zu zerstören oder zu übermalen“, sagt sie. Sogar Bilder aus ihren Katalogen, manchmal sogar schon verkauft, übermale sie bisweilen, wenn sie nicht mehr zufrieden mit ihrer Arbeit sei. Manchmal verlasse sie das Atelier und sei mit dem Werk „mal zufrieden“. „Am nächsten Tag kann es dann aber passieren, dass ich es überhaupt nicht mehr gut finde. Am Ende wird dann zerstört oder durch Übermalen das Bild regelrecht in Farbe ertränkt“, erzählt die Künstlerin.

Wenn sie nicht genügend Farben im Atelier habe, bekomme sie eine Panikattacke, verrät Meral Alma und sagt: „Man muss auch im Materialverbrauch mutig sein.“ Die Bilder haben deshalb enorm viele Schichten und damit bisweilen auch ein entsprechendes Gewicht. So wog die Arbeit für Karlsruhe 2000 Kilogramm. In Farbe „ertrinkt“ denn auch beinahe der Atelierboden, auf dem sich nicht nur Farbkleckse, sondern ganze Farbschichten aufbauen. Sehr viel Material an Öl und Acrylfarben, an reinen Pigmenten verbraucht die Malerin, die auch gerne mal einen Pinsel auf der eigenen Kleidung abstreift und die Malhandschuhe als Palette benutzt. Ihr langes, schwarzes Haar zu einem Dutt hoch auf dem Kopf geschlungen, nutzt Alma übrigens auch als „Nest“ für ihre Ersatzpinsel.

Ihr Malprozess, wenn auch nur in 45 Minuten mitzuverfolgen, mutet wie eine eingespielte Choreographie an, wie ein Tanz mit Farben. Immer wieder stellt Meral Alma auch Ballett-Tänzerinnen auf ihren Werken dar. Sie bezeichnet die  komplexen Darstellungen in der Reihe „Zirkus des Lebens“ als ein Universum. Sie malt das Leben facettenreich, aber bewusst nicht figurativ. Bunt, kraftvoll und geheimnisvoll ziehen ihre Bilder den Betrachter nicht nur an, sondern in sich hinein. Nur ein Teil davon ist Maltechnik, der andere ist der Ausdruck, die sprechende und fesselnde Farbwelt ihrer Werke. Alma sagt: „Ich lade den Betrachter meiner Bilder dazu ein, ein Teil meiner Welten zu werden.“

Auch ihre neueste Arbeit im Zyklus „Zirkus des Lebens“ zeigt neben Großfiguren wie die eines Punkers, den sie in allen ihren Bildern verewigt, viele kleine Fenster, die sich öffnen. Schon durch die fluoreszierenden Farben, die die Bilder je nach Licht und Dunkelheit ganz anders wirken lassen, wird der Blick „hinter die Fenster“ und damit die Fantasie des Betrachters angeregt.

 Im Dunkeln leuchten die Bilder von Meral Alma in fluoreszierenden Farben.

Im Dunkeln leuchten die Bilder von Meral Alma in fluoreszierenden Farben.

Foto: Screenfoto gt
Meral Alma auf der Leiter vor ihrer neuen, acht mal drei Meter großen, Arbeit in der Serie „Zirkus des Lebens“. Eine Uhr gibt es im Atelier in Düsseldorf nicht, an einer Arbeit für Karlsruhe hat sie ein Jahr gemalt.

Meral Alma auf der Leiter vor ihrer neuen, acht mal drei Meter großen, Arbeit in der Serie „Zirkus des Lebens“. Eine Uhr gibt es im Atelier in Düsseldorf nicht, an einer Arbeit für Karlsruhe hat sie ein Jahr gemalt.

Foto: Screenfoto gt
 Ein Bildauschnitt des noch unfertigen "Zirkus des Lebens, Teil 5", den Meral Alma jetzt im Format acht mal drei Meter malt.

Ein Bildauschnitt des noch unfertigen "Zirkus des Lebens, Teil 5", den Meral Alma jetzt im Format acht mal drei Meter malt.

Foto: Screenfoto gt
 Meral Alma sucht Farben für ihr neues Riesengemälde aus.

Meral Alma sucht Farben für ihr neues Riesengemälde aus.

Foto: Screenfoto gt

Doch woher bezieht die Malerin ihre Inspirationen? „Ich beobachte Situationen des Lebens, in Städten, auf Reisen. Die packe ich dann in meinen geistigen Rucksack und bringe sie mit in mein Atelier, das ich auch als Farblabor betrachte“, formuliert die studierte Künstlerin und Germanistin in ihrer bildhaft-anschaulichen Sprache.

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