Die Tiertherapie Panuka kommt jeden Monat ins Jüchener Altenheim Haus Maria Frieden

Pony, Ziege, Schaf : Tierflüsterer im Jüchener Altenheim

Wenn Tiertherapeut Gregor Kryk mit Pony, Ziege, Schaf, Federvieh und Kaninchen einmal im Monat ins Haus Maria Frieden kommt, dann blühen die Senioren auf. Der Förderverein finanziert die Therapie vor allem für Demenzkranke.

Als „Willkommensgeschenk“ machen die Ziege „Meck-Meck“ und das Schaf „Lemmie“ zuerst mal ordentlich Köttel unter sich. Damit hat Tiertherapeut Gregor Kryk aber gerechnet: „Meck-Meck ist erst fünf Monate alt und Lemmie sechs. Die Beiden sind noch in der Ausbildung“, erklärt er und schaufelt die Köttel kurzerhand fort aus dem Gruppenraum. Dort sitzen zehn Bewohner, darunter ein Herr, und warten schon ungeduldig auf den „Zoo“, mit dem der Tiertherapeut einmal im Monat in das Jüchener Altenheim kommt. Mit dabei sind neben Schaf und Ziege das weiße Pony „Wölkchen“, das mit seinem erst dritten Einsatz auch noch in der Ausbildung ist, wie immer die Hündin „Bella“, außer Kaninchen noch so einiges an Federvieh.

Eine Bewohnerin, die für ihre besondere Tierliebe bekannt ist, nimmt sich sofort drei putzmuntere Küken auf den Schoß. Die ältere Dame, die von den Mitarbeitern im Altenheim auch längst „Die Tierflüsterin“ genannt wird, verschmilzt regelrecht mit den lebhaften Jungtierchen, die auf einmal ganz ruhig werden. Sie liebkost sie, spricht mit den Küken, hält sie warm: wie eine Mutter. Die Tiertherapie, die vom Förderverein finanziert und vor allem für demenzkranke Bewohner gedacht ist, verschafft den Senioren sichtlich Freude und Abwechslung in ihrem Alltag. Sie vermittelt ihnen aber auch auf der Gefühlsebene Kommunikationsmöglichkeiten, wie Gregor Kryk und die Mitarbeiter des Altenheimes immer wieder feststellen. Für manche Bewohner werden durch den Kontakt mit den Tieren auch Erinnerungen wieder wach. So ergeht es dem einzigen Herren in der Runde, als er die Küken, die Ziege und das Schaf sieht: „Die Tiere sind früher bei uns auf dem Flur herumgelaufen. Wir haben mit ihnen gelebt“, erinnert er sich an die heimische Landwirtschaft und streichelt nun auch zunächst vorsichtig das Pony „Wölkchen“. Doch das macht seine Sache als Therapie.-Azubi schon gut und geht zutraulich auf die Senioren zu. Darüber wundert sich der ältere Herr: „Das muss doch unheimlich schwer sein und lange dauern, die unterschiedlichen Tiere so zusammen zu den Menschen zu bringen?“, fragt er den Therapeuten. Kryk bestätigt: „Ja, das dauert sehr lange, und nicht alle Tiere sind dafür geeignet.“

Aber auch nicht alle Menschen finden einen Zugang, oder gar den gleichen Bezug zur Tiertherapie. So ist eine Dame zwar jedes Mal dabei, wenn Gregor Kryk mit seinem „Zoo“ ins Altenheim kommt. Sie möchte die Tiere aber nicht anfassen: „Ich weiß das, und es ist völlig in Ordnung“, sagt der Therapeut, der übrigens auch ausgebildeter Altenpfleger ist. Wieder eine andere Bewohnerin streichelt die ganze Zeit unermüdlich immer dasselbe Kaninchen, andere sehen den Tieren zu und kommentieren munter, was sie sehen oder empfinden. Und Gabriele Poppe vom hauseigenen Sozialdienst stellt fest, dass sich die Tiertherapie nachhaltig positiv auf das Befinden der Senioren auswirkt.

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