Die Stadt Jüchen hat das Granulat ihrer Kunstrasenplätze prüfen lassen

Jüchen : Granulat auf Kunstrasenplätzen kann bleiben

Die Stadt Jüchen hat das Kunststoffgranulat ihrer Kunstrasenplätze testen lassen. Ein direkter Handlungsbedarf ergab sich dadurch vorerst nicht. Das Granulat ist verhältnismäßig umweltfreundlich.

Witterungsunabhängig, ganzjährig bespielbar und pflegeleicht – Kunstrasenplätze weisen gegenüber klassischen Rasenplätzen viele Vorteile für den Spielbetrieb auf. In öffentlicher Diskussion steht hingegen immer öfter das als Einstreumaterial verwendete Kunststoffgranulat. Zwar plant die Europäische Kommission aktuell kein Verbot von Kunstrasenplätzen. Dennoch führt die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) momentan eine öffentliche Konsultation dazu durch, welche Auswirkungen eine Beschränkung von Mikroplastik-Granulat hätte. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Jüchen das Granulat auf ihren Kunstrasenplätzen überprüfen lassen.

Vor etwa einem Jahrzehnt hat die Stadt Jüchen zwei Rasenplätze zu Kunstrasenplätzen umgebaut – von Juli bis Oktober 2006 in Bedburdyck-Gierath und von August bis Dezember 2009 in Hochneukirch. Ein Austausch des Einstreumaterials würde enorme Kosten bedeuten. Stattdessen erfolgte Ende August die Probenentnahme auf allen drei Plätzen in Jüchen. Die Prüfung erfolgte bis Mitte September. Die Kosten beliefen sich auf etwa 2000 Euro.

Wie die Untersuchung der beauftragen Firma ergeben hat, wird in Jüchen ein sogenanntes EPDM-Granulat (Ethylene-Propylene-Dien-Monomer) verwendet. Dabei handelt es sich um einen synthethisch hergestellten Kautschuk. Dieser eignet sich besonders für die Verwendung als Kunstrasen-Granulat: Das Material ist wetter- und feuchtigkeitsbeständig, ozonresistent und hat eine hohe thermische Beständigkeit. Zudem ist das Granulat sehr elastisch und kann beliebig farbig eingestellt werden – in Jüchen ist das Granulat grün.

Ein besonderes Augenmerk wird beim Granulat auf den PAK-Wert (Anteil der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe) gelegt. Zur Gruppe der PAK gehören Stoffe, die krebserregend sind. PAK sind Bestandteil von Weichermacherölen, die unter anderem in Autoreifen Verwendung finden. Alte Autoreifen werden wiederum oftmals als Bodenbelag verarbeitet. So kann es sein, dass Granulat auf Kunstrasenflächen hohe PAK-Werte aufweisen.

Nicht aber in Jüchen: Das verwendete EPDM-Granulat enthält fünfzig Mal weniger PAK als das großteils aus reycelten Autoreifen bestehende SBR-Granulat (Styrol-Butadien-Rubber). Gemeinsam mit der Robustheit des Materials gilt es daher als relativ umweltfreundlich.

In Jüchen wird das Granulat im zweijährigen Rhytmus nachgestreut. Die Kosten sind abhängig von der benötigten Menge, welche durch Wetter und Spielbetrieb variiert, und der jeweils beauftragten Firma. Welches Füllmaterial künftig in Jüchen genutzt wird, steht aktuell noch in der verwaltungsinternen Klärung. Klar ist der Stadt jedoch, dass weiterhin keine Ausschreibungen unter Verwendung von SBR-Granulat erfolgen.

Relevanz bekommt die Frage nach dem Füllmaterial bald erneut: Für den Haushaltsplan 2020 ist der Bau eines Kunstrasenplatzes als Kleinspielfeld in Hochneukirch/Otzenrath vorgesehen. Die Beauftragung eines Ingenieurbüros war Thema des nichtöffentlichen Teils des vergangenen Sportausschusses.

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