1. NRW
  2. Städte
  3. Jüchen

Die Geschichte des Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Jüchen-Garzweiler

Jüdischer Friedhof in Jüchen-Garzweiler : Besonderes Mahnmal erinnert an den Holocaust

Der ehemalige Gemeindearchivar Axel Bayer hat einen Aufsatz pber ein besonderes Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Garzweiler geschrieben. Er hält den 27. Januar aus Sicht der jüdischen Geschichte, für noch bedeutender als den 9. November.

Den ehemaligen Gemeindearchivar Axel Bayer zieht es zu besonderen Anlässen zurück nach Jüchen in seinen vormaligen Wirkungskreis. Der KZ-Gedenktag am morgigen Sonntag ist für den Historiker ein solcher Anlass. Denn Bayer hat einen Aufsatz für den Jahreskalender 2019 des Rhein-Kreises Neuss über ein besonderes Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Garzweiler geschrieben. Bayer hält aber den 27. Januar, den Gedenktag an die KZ-Opfer, auch aus der Sicht der Jüchener Geschichte, für noch bedeutender und eigentlich auch für geeigneter, um lokal der Opfer zu gedenken als den 9. November. Denn anders als in der Nachbarstadt Grevenbroich, wo es Veranstaltungen zum Gedenktag gibt, wird in Jüchen am Sonntag zumindest nicht öffentlich der KZ-Opfer gedacht. Bei einem Besuch mit der NGZ-Redaktion auf dem Friedhof in Garzweiler, wo ein Teil für die jüdischen Gräber und das Mahnmal abgetrennt ist, erinnerte Bayer deshalb an die Jüchener Familien, die der Verfolgung durch die Nationalsoziallisten zum Opfer gefallen sind.

  • Jüchen : Erinnerung an jüdische Soldaten aus Jüchen
  • Das Foto von Paul und Ida
    Ehrengast der Stadt Neuss : Simonsweg erinnert an jüdische Familie
  • Vor dem Amtsgericht an der Hauptstraße
    Langenfeld : Historiker berichtet über Holocaust-Opfer

In mühsamer Recherche hatte der ehemalige Jüchener Archivar, der jetzt beim Oberbergischen Kreisarchiv in Gummersbach angestellt ist, Licht in die spannende Entstehungsgeschichte des Mahnmales auf dem jüdischen Friedhof gebracht. Den Durchbruch bei seinen Nachforschungen brachte ihm eine jüdische Zeitzeugin, die er vor ihrem Tode noch treffen und befragen konnte. Der Obelisk, das Mahnmal auf dem Friedhof in Garzweiler sei eines der ältesten Denkmäler in Nordrhein-Westfalen, das an den Holocaust erinnere und das von jüdischen Überlebenden errichtet worden sei, betont der Historiker.

In seinen Gesprächen mit der KZ-Überlebenden, der im August 2014 verstorbenen, jüdischen Mitbürgerin Alice Boonstra (geb. Marx), die aus Jackerath stammte, erfuhr Bayer, wie das Denkmal an die Judenverfolgung fertig gestellt wurde. Zwischen 1941 und 1945 war Alice Boonstra in verschiedenen Konzentrationslagern, zuletzt im KZ Theresienstadt. Sie überlebte die nationalsozialistische Schreckensherrschaft und kehrte im September 1946 von Polen aus nach Garzweiler zurück. Dort erlebte sie, dass ihre Mutter Helene und ihrer Tante Emma als Mitglieder der Familie Levy gemeinsam mit dem Initiator des Mahnmales, Walter Levy aus Garzweiler, Geld für den Obelisken aus Marmor in der Bürgerschaft sammelten. Auch der Name von Alice sollte bereits zu denen der übrigen Opfer in den Stein gemeisselt werden. Denn niemand hatte mehr damit gerechnet, dass sie den Holocaust überlebt hatte.

Es verdiene bis heute besondere Aufmerksamkeit, dass einer der Initiatoren für das Denkmal, Walter Levy (1909-1962) dem Gemeinderat von Garzweiler für die CDU bis von 1946 bis 1948 angehört habe, führt Bayer aus. Dies war der erste demokratisch gewählte Gemeinderat nach dem Zweiten Weltkrieg. Walter Levy war von den Nationalsozialisten verfolgt und mehrfach ins Konzentrationslager gebracht worden, im Sommer 1945 kehrte er aus dem KZ Buchenwald nach Garzweiler zurück. „Levy war mit Elisabeth Stern verheiratet, auf dem Obelisken in Garzweiler befinden sich bekanntlich zahlreiche Namen der Familie Stern“, weiß der Historiker. Walter Levy liegt übrigens auf dem jüdischen Friedhof in Garzweiler begraben.