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Die FWG bedrängt die Jüchener Grünen

Analyse : Die FWG bedrängt die Jüchener Grünen

Die FWG besetzt in Jüchen immer stärker die ökologischen Themen, während sich die Grünen zurückhalten und teilweise isolieren. Auch wird die FWG mit breiteren Themen und ihrem Schulterschluss mit der CDU immer mehrheitsfähiger.

Beste Chancen, die örtlichen Grünen zu toppen, rechnet sich schon jetzt die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Jüchen für die Kommunalwahl 2020 aus, wie Fraktionschef Gerolf Hommel bestätigt. Dem Tempo der FWG vermögen die Jüchener Grünen nur mühsam zu folgen, denn die Umwelt-, Natur- und Klimaschutzthemen werden seit langem in den Fachausschüssen und im Rat von der FWG besetzt.

 Bei der Nabu-Demonstration gegen die Abholzung des Wäldchens an der Peter-Busch-Straße waren auch FWG-Mitglieder aktiv.
Bei der Nabu-Demonstration gegen die Abholzung des Wäldchens an der Peter-Busch-Straße waren auch FWG-Mitglieder aktiv. Foto: Gundhild Tillmanns

Bei der Kommunalwahl 2014 lag die FWG mit 7,41 Prozent auf dem fünften Platz hinter den Grünen mit 7,46 Prozent. Da spielte allerdings die AfD noch keine Rolle, die jüngst bei der Europawahl ausgerechnet im „FWG-Land“ Hochneukirch zweistellige Ergebnisse erzielen konnte. Allerdings trat die FWG bei der Europawahl gar nicht an. Ob sich der bundesweite Grünen-Trend bis zur Kommunalwahl hält und auch den örtlichen Grünen Zugewinne bringt, wird sich weisen.

Zwar schießt Hommel oft übers Ziel hinaus, wenn er sein „Feindbild“ RWE angreift. Aber die FWG beherrscht wenigstensdie Abteilung Attacke, ist aktiv und bleibt an Themen hart dran, während Jüchens Grüne zu schlummern scheinen.

Vormals „profilierten“ sich die Jüchener Grünen in den Ausschuss- und Ratssitzungen fast nur dadurch, dass sie mit eigenen Worten die zuvor vom Bürgermeister geäußerten Positionen wiederholten. Inzwischen geht’s andersherum: Die Grünen sind dagegen, beinahe egal, um welches Thema es geht. Ihre Gegenargumentation bezieht sich aber nicht auf ökologische Gründe, sondern in jüngster Zeit stets auf finanzielle. Ihr Tenor: Dies und jenes kann oder soll sich die Stadt Jüchen nicht leisten. Im Verbund mit den übrigen Ratsfraktionen isolieren sich Jüchens Grüne immer mehr. Ganz anders die FWG, die vor allem in der CDU „neue beste Freunde“ gefunden zu haben scheint.

Auffällig sind inzwischen die „gefürchteten“ gemeinsamen Raucherpausen der Fraktionsvorsitzenden Norbert Esser (CDU) und Gerolf Hommel (FWG), die man insbesondere vor den politischen Sitzungen immer im regen Austausch beieinander stehen sieht. Und tatsächlich ziehen CDU und FWG Jüchen in jüngster Zeit immer öfter an einem Strang und setzten damit auch zunächst von der Mehrheit noch ungewollte Themen durch: Ein herausragendes Beispiel ist das Umlenken der Ratsmehrheit in der Frage der L354n. Nachdem zunächst nur die FWG die Bürgerinitiative unterstützte, die sich gegen den geplanten Trassenverlauf über die Holzer Straße wehrt, zogen mittlerweile auch fast alle anderen Fraktionen mit – bis auf die Grünen. Ein noch aktuelleres Beispiel ist die gemeinsame Forderung von FWG und CDU nach einer Machbarkeitssstudie, die die Stadt Jüchen jetzt auch zur Behebung des akuten Raumnotstandes im Grundschulbereich in Auftrag geben wird.

Deshalb trifft das Abschiedszitat des scheidenden FWG-Vorsitzenden Stefan Thomassen auch nur bedingt zu und ist zu kurz gegriffen: „Die FWG hat sich zu den wahren Grünen weiterentwickelt“, hatte er bei der jüngsten Mitgliederversammlung gesagt. Tatsächlich sind die Freien Wähler thematisch aber wesentlich breiter aufgestellt, als dass sie sich nur der „Ökothemen“ annähmen. Eine gewisse Präferenz und durchaus auch Expertise ist in der Wählergemeinschaft zwar festzustellen, da einige Mitglieder auch ihr Wissen und Engagement als Nabu-Mitglieder mit in die FWG einbringen. Ganz eindeutig die fleißigste Fraktion ist die FWG allerdings im Stellen von Anträgen und im „Dranbleiben“ an Themen, wie zum Beispiel der Staub- und Lärmbelastungen der Bürger durch den Tagebau. Die 2003 gegründete FWG versteht es immer noch, beharrlich und voller Absicht zu „nerven“ – und mehr und mehr trägt diese Taktik auch ihre politischen Früchte.