Jüchen: Das Schloss wird verschlämmt

Jüchen: Das Schloss wird verschlämmt

Nächstes Jahr soll Schloss Dyck wieder in ein ockerfarbenes Kleid gehüllt sein. Für 400 000 Euro bekommt es derzeit eine Schlämmfassade verpasst. Mauerwerk und Dachstühle werden saniert, der Stall wird Tagungshaus.

Es war der erste Abend der Illumina, da wurde der Minister zum Schlämmer. Wie soll die Fassade des renovierten Wasserschlosses Dyck aussehen, lautete die Frage, mit der Landesbauminister Lutz Lienenkämper (CDU) bei der Eröffnung des Licht-Spektakels Illumina zum ersten Mal konfrontiert wurde.

Und noch am gleichen Abend ward befunden: Am besten wäre eine Schlämmschicht. Denn mit einer solchen zähflüssigen, in drei Lagen aufgetragenen Hülle aus Kalk und Farbe, war das Barockschloss früher auch umgeben.

Wenn schon, denn schon

"Wenn wir schon für mehr als 27 Millionen Euro sanieren, dann auch richtig", begründet Lienenkämper die Entscheidung. Eine ockerfarbene Schlämmschicht, wie sie das gesamte Schloss seit seinem Umbau im 19. Jahrhundert hatte, sei aus ästhetischen wie auch aus denkmalpflegerischen Gründen angemessen. Damit das auch klappt, gibt Lienenkämpers Ministerium 320 000 Euro fürs Schlämmen, weitere 80 000 steuert der Rhein-Kreis Neuss bei.

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Die 400 000 Schlämm-Euro werden auf die 27,4 Millionen aufgesattelt, mit der Dyck und seine Anlagen seit Jahren aufpoliert werden. Seit Herbst 2009 wird am Stallgebäude sowie am Nord- und Osttrakt des Hochschlosses, des Haupthauses, gearbeitet. Besucher sehen weite Gebäudeteile daher eingerüstet. Marode, von Salz und Frost beschädigte Steine werden bei diesen Arbeiten ersetzt, Fugen erneuert, die Dachstühle von Stall und Haupthaus saniert, und an einigen Stellen wird das Mauerwerk verklammert.

Bodenabsenkungen haben dazu geführt, dass in den Mauern des Stallgebäudes Risse klaffen. Auch dieses Problem soll behoben werden, sagt Michael Baumeister, leitender Architekt des Projekts und Chef des Amtes für Gebäudewirtschaft des Rhein-Kreises Neuss. Einige historische Pferdeboxen im Stall sollen zwar erhalten bleiben.

Aber vor allem solle der sanierte Stall neue Veranstaltungs- und Tagungsräume bieten, sagt Jens Spanjer, Vorstand der Stiftung Schloss Dyck. Unternehmen, die auf dem Schloss Veranstaltungen durchführen, suchten gerade solche Räume. Der "neue" Stall soll dazu beitragen, die Einnahmen aus solchen Angeboten zu heben.

Eine Betondecke, die im Krieg zum Schutz gegen Brandbomben ins Hochschloss eingezogen wurde, ist entfernt worden. Es gilt aber noch, Schäden am Mauerwerk zu beheben und den an einigen Stellen wuchernden Hausschwamm zu vertreiben. 2011 sollen all diese Arbeiten erledigt und auch die ockerfarbene Schlämmfassade rundum fertig sein. Danach müssen noch Brüstungen restauriert sowie Wege und Höfe neu gestaltet werden.

(RP)