1. NRW
  2. Städte
  3. Jüchen

Das fünfte Internationale Gitarrenfestival findet im November in Jüchen statt

Internationales Gitarrenfestival in Jüchen : Gitarrist schöpft nach Todesfall neue Kraft

Daniel März kämpft sich nach dem tragischen Tod seines Vaters mit Musik durch den Alltag. Zwar muss er noch den Nachlass des selbstständigen Stunt-Unternehmers regeln, aber das Internationale Gitarrenfestival soll stattfinden.

Nichts ist so, wie es vor dem plötzlichen und tragischen Tod des Vaters war. Doch Daniel März macht da weiter, wo er stand, als sein Vater vor wenigen Wochen bei einem Einsatz als Stuntman im Alter von nur 45 Jahren tödlich verunglückte. Daniel März hatte kurz zuvor sein Musikstudium abgeschlossen und war seine erste feste Anstellung als Gitarrenlehrer an der Musikschule Neuss angetreten. Dort startet er trotz des Schicksalsschlags für die in Jüchen lebende Familie März jetzt beruflich weiter durch. Und noch mehr: Der 24-Jährige organisiert das fünfte Internationale Gitarrenfestival, das im November in Jüchen, fast so wie vor der Corona-Krise, stattfinden soll.

„Ich mache so weiter, wie es mein Vater gewollt hätte, ich gebe nicht auf, lasse mich nicht hängen“, sagt Daniel März und fügt hinzu: „Mein Vater ist immer dabei.“ So weiter zu machen, wie vor dem Schicksalsschlag, dazu gehört für Daniel März auch die Fortsetzung seines Studiums. Nachdem er den Bachelor mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen hat, möchte er in den nächsten zwei Jahren an der Kölner Musikhochschule nun noch den Master-Studiengang absolvieren. Eng getaktet sind deshalb die Wochenpläne für den jungen Musiklehrer, Studenten und Konzertgitarristen: Zwei Tage in der Woche unterrichtet er an der Jüchener Pro Musica-Schule, die übrigen Tage in Neuss. Und einmal in der Woche geht es nach Köln in die Universität. „Nebenbei“ gibt März selbst nach der Corona-Pause auch wieder Konzerte und organisiert das Internationale Gitarrenfestival.

  • Stuntman Walter März aus Jüchen simuliert
    Tragischer Tod von Walter März : Jüchener Stuntman stirbt nach Berufsunfall
  • Der „World Club Dome“ kommt wieder
    Mega Club-Party in Düsseldorfs Arena : Big City Beats startet Festival in Düsseldorf
  • Evitat Beach Grevenbroich Konzerte hier gruppe
    Livemusik in Grevenbroich : Festival „Rock this town“ geht wieder an den Start

Bis auf wenige Einschränkungen soll dies vom 18. bis 21. November mit Konzerten, Vorspielen vor Jury und Publikum und mit Begleitkursen zur Vorbereitung von „Jugend musiziert“ stattfinden können. Coronabedingte Einschränkungen gibt es laut März beim Catering: Für die Verpflegung an den beiden Wettbewerbstagen in der Gesamtschule müssen die Teilnehmer selbst sorgen. In den Jahren zuvor hatten Mitglieder des Seniorennetzwerks „55plus“ Jüchen für die Musiker gekocht. Auch in Gastfamilien wird es keine Unterbringungsmöglichkeiten für auswärtige Teilnehmer geben können. Sie müssen sich in Gasthöfen, Pensionen oder im Nikolauskloster einmieten. Mit 3-G-Regelung sollen aber alle Konzerte im Rahmen des Festivals besucht werden können. Und auch bei den Wettbewerbs-Auftritten vor der Jury können Besucher anwesend sein.

Die Jury haben Daniel März und Mitorganisator Arne Harder neu zusammengesetzt. Neue Dozenten und Professoren der Musikhochschulen Köln und Düsseldorf sowie aus benachbarten Musikschulen sind mit dabei, aber auch ein fester Stamm, der von Anfang an die Veranstaltung in Jüchen begleitet hat.

Eine schöne Reminiszens an seine musikalischen Anfänge ergibt sich für Daniel März in der Jury und bei gemeinsamen Konzerten nun auch mit Thomas Oldenbürger: „Er war mein erster Gitarrenlehrer, seitdem er nach Jüchen gezogen ist, spielen wir zusammen“, freut sich der 24-Jährige. Bis zum 11. November können sich jetzt die Wettbewerbsteilnehmer aus Deutschland und aus dem Ausland für das Festival in Jüchen anmelden.

Etwas Zeit bleibt Daniel März deshalb noch, um den Nachlass seines Vaters zu veräußern. Walter März hatte in Hochneukirch in mehreren Hallen eine große Ausrüstung für Stunts, mit einem ganzen Fahrzeug- und Motorrad-Park und Spezialgeräten aufgebaut. Der Abverkauf sei mühsam, gibt der Sohn zu. Eine der Hallen habe er gekündigt, eine weitere werde aber behalten, sagt er und blickt damit auch auf ein Familienandenken: „Wir werden dort ein privates Sportstudio und einen Treffpunkt einrichten für die Familie und für die Freunde meines Vaters“, kündigt März an, der übrigens auch die Muttersprache seines in Kasachstan geborenen Vaters spricht.

So wird die Familie in der schweren Zeit auch von der Anteilnahme vieler Jüchener, der Freunde und Verwandten mit russischen Wurzeln und der ehemaligen Kollegen von Walter März eng begleitet.