Das Blühwiesenprogramm der Stadt Jüchen

Ökologie in Jüchen : Die Stadt sät immer mehr Blühwiesen aus

In den nächsten Wochen sollen zunächst rund 8000 Quadratmeter artenarme Rasenflächen mit regionalem Saatgut, das mehr als 30 verschiedene Kräuterarten enthält, eingesät werden. Weitere Flächen folgen im Spätsommer.

Wenn in Jüchen Anträge aus der Politik zu Umwelt- und Naturschutzthemen gestellt werden, dann kommen die in der Regel nicht von den Grünen, sondern von der FWG. Der Grund: Mehrere FWG-Rats- und Ausschussmitglieder sind auch aktiv im Naturschutzbund (NABU) Jüchen. So hatte etwa der unermüdliche Umweltaktivist Paul Quack, der für die FWG auch Mitglied im Umweltausschuss ist, den Antrag gestellt, die Stadt Jüchen möge statt des traditionellen Rasens künftig überall Blühwiesen einsäen, um dem Insektensterben entgegen zu wirken.

Die Stadtverwaltung meldet jetzt den Vollzug: „In den nächsten Wochen sollen zunächst rund 8000 Quadratmeter artenarme Rasenflächen mit regionalem Saatgut, das mehr als 30 verschiedene Kräuterarten enthält, eingesät werden. Weitere kommunale Flächen von rund 5000 Qudratmetern werden im Spätsommer folgen“, gibt Stadtsprecher Norbert Wolf bekannt.

Allerdings sei das Thema nicht neu, wie Wolf betont und verdeutlicht: „Seit 2005 verfolgt die Stadt Jüchen eine nachhaltige Strategie bei ihren Grünflächen.“ So seien auf einer Vielzahl von ökologischen Ausgleichsflächen an den Ortsrändern und in der freien Landschaft extensiv gepflegte Wildkräuterwiesen in einer Größenordnung von 16 Hektar angelegt worden. Kontinuierlicher Neuerwerb von landwirtschaftlichen Grundstücken ermögliche in naher Zukunft die Schaffung weiterer Blühwiesen, die punktuell mit insektenfreundlichen Baum- und Strauchgehölzen, insbesondere Wildobstarten, angereichert werden sollen. „Hierdurch werden auch Habitatstrukturen geschaffen, die für sonst im Offenland lebende Tierarten, darunter viele Feldvögel und Kleinsäuger wichtig sind“, berichtet Wolf.

Um die Artenvielfalt langfristig zu steigern, kooperiere die Stadt Jüchen mit Pferdehaltern, die das Mähgut größerer zusammenhängender Wiesen verwerteten. „Dadurch können die Böden ausgemagert und somit die Wuchsbedingungen für die Kräuter verbessert werden, was wiederum das Nahrungsangebot für die Insekten steigert“, erläutert der Stadtsprecher. Auf sehr nährstoffreichen Standorten könne auch eine sehr frühe Mahd dazu beitragen, die oftmals dominanten Gräser zu unterdrücken. So spare die Stadt Pflege- und Entsorgungskosten und führe den Aufwuchs einer sinnvollen Verwendung zu.

Wolf berichtet weiter: „Ein gelungenes Beispiel für die naturnahe Gestaltung und Entwicklung einer ökologischen Ausgleichsfläche stellt das zwischen Otzenrath und Spenrath gelegene Areal dar, wo im Rahmen der Umsiedlung ein vielfältig strukturierter Grünzug mit Wiesen, Gebüschen und Feuchtzonen entstanden ist, der die Lebensraumansprüche vieler Tier- und Pflanzenarten inmitten einer durch Landwirtschaft geprägten Kulturlandschaft erfüllt.“

Auch die fast einen Hektar große Blumenwiese am NABU-Naturlehrpfad zwischen Jüchen und Herberath zeige bereits zwei Jahre nach der Einsaat eine bemerkenswerte pflanzliche Vielfalt. Und das jüngst eröffnete „Grüne Band“ biete am Rande des Tages Garzweiler an der Grubenrandstraße ein Refugium für Insekten, Amphibien, Eidechsen und Vögel.

Nicht nur im öffentlichen Grün, sondern auch auf privaten landwirtschaftlichen Nutzflächen sei in den vergangenen Jahren eine Tendenz zur Anlage von dauerhaften Blühwiesen oder einjährigen Blühstreifen erkennbar. „Hierfür gibt es im Stadtgebiet zahlreiche Beispiele, die zum Teil in Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden und der Kommune zustande gekommen sind“, hebt der Stadtsprecher Norbert Wolf außerdem hervor.

Mehr von RP ONLINE