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Coronavirus: Jüchens Partnerstadt Leers noch ohne Erkrankten

Leers in Nordfrankreich : Jüchens Partnerstadt ist bislang vom Coronavirus verschont

In Leers wird weiter die 40-Jahr-Feier der Partnerschaft mit Jüchen geplant. Bisher ist nichts annulliert worden.

Bislang hat es in der nordfranzösischen Partnerstadt Leers keine am Coronavirus Erkrankten oder gar Tote gegeben: Das berichtet Jean-Marc Deleval auf Nachfrage unserer Redaktion: „Wir hoffen natürlich, dass es so bleibt“, betont der Vorsitzende des Leerser Partnerschaftskomitees. Denn die Nachbarstädte seien durchaus betroffen, zudem gelten laut Deleval natürlich auch für Leers die konsequenten Präventionsmaßnahmen wie überall in Frankreich.

 Jean-Marc Deleval (l.), Präsident des Partnerschaftskomitees, und Bürgermeister Jean-Philippe Andriès aus Leers vor dem Schloss Dyck bei ihrem jüngsten Besuch in Jüchen.
Jean-Marc Deleval (l.), Präsident des Partnerschaftskomitees, und Bürgermeister Jean-Philippe Andriès aus Leers vor dem Schloss Dyck bei ihrem jüngsten Besuch in Jüchen. Foto: Gundhild Tillmanns

„In unseren Altenheimen dürfen die Bewohner noch nicht einmal ihre Zimmer verlassen“, sagt Deleval. Und für jeden einzelnen Gang auf die Straße müsse per Internet eine Erlaubnis eingeholt werden, auf der eine nachvollziehbare Begründung für den Ausgang formuliert werden müsse. „Das ist für unsere älteren Mitbürger enorm kompliziert, so dass sie jetzt auf Hilfe angewiesen sind“, betont Deleval, der aber auch von etlichen Nachbarschaftsinitiativen, wie etwa Einkaufshilfen, berichten kann. Der Norden und die Region rund um Leers seien medizinisch gut ausgestattet: „Wir haben hier auch Krankenhäuser, die auf Covit-19 spezialisiert sind.“ Deshalb hätten, anders als aus Ost-Frankreich, auch keine Corona-Kranken nach Deutschland ausgeflogen werden müssen.

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Auch auf die Kommunalpolitik in der Partnerstadt von Jüchen hat das Coronavirus bislang nur begrenzt Auswirkungen gehabt. Der bisherige Bürgermeister Jean-Philippe Andriès sei bereits im ersten Wahlgang mit 51 Prozent im Amt bestätigt worden, so dass er nicht mehr in die Stichwahl gehen musste. Die wäre nämlich am vergangenen Sonntag ohnehin wegen der Corona-Ausbreitung abgesagt worden. Allerdings sei der „alte“ Stadtrat noch im Amt. „Corona kam dazwischen, deshalb konnte die Einführung des neuen Rates noch nicht stattfinden“, sagt Deleval.

Wegen der zumindest in Leers noch halbwegs entspannten Lage seien auch, bis auf das Konzert mit dem Gitarrenquartett „Rheinsaiten“, noch keine der Veranstaltungen zur 40-Jahr-Feier der Städtepartnerschaft abgesagt worden, betont der Komitee-Chef. „Wir haben noch nichts annulliert“, formuliert er ein Signal, über das sich sein Kollege aus Jüchen freuen wird.

Denn Wilfried Unrein, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Jüchen, hatte vor unserer Redaktionsnachfrage in Frankreich längere Zeit nichts mehr aus Leers gehört. So können jetzt zumindest vorerst auch in Jüchen die Planungen fortschreiten. Ob allerdings die angemeldeten 16 Läufer aus Leers zum Schloss-Dyck-Lauf im Mai kommen können, ist mehr als fraglich. Beide Partnerschaftskomitees können aber zunächst ihre Vorbereitungen für die jeweiligen 40-Jahr-Feiern fortsetzen.

Am 13. und 14. Juni soll eine Delegation aus Ratsmitgliedern und weiteren Bürgern aus Jüchen nach Leers fahren. Schon vorher sollen sich die Radfreunde Jüchen auf den Weg machen, die für die Rückfahrt dann im Bus mitgenommen werden sollen. Der Gegenbesuch der Freunde aus Leers ist für den 5. Juli geplant. Sie sollen dann mit Ständen auf dem Marktplatz zu der Jüchener „Sommersause“ mit französischen Spezialitäten und Wein beitragen. Weiterhin auf dem Programm steht die gemeinsame Fahrt nach Verdun. Termin soll der 26. und 27. September sein. Zu dieser Reise an den Schauplatz und die Gedenkstätte des Zweiten Weltkrieges haben sich laut Wilfried Unrein bereits 15 Jugendliche aus dem Jüchener Gymnasium angemeldet.

Doch ein Problem der Städtepartnerschaft ist durch die Corona-Krise nicht geringer geworden: Nur wenige in der Partnerschaft engagierte Jüchener sprechen auch Französisch. Deshalb hatte sich erfolgreich ein Anfängerkursus in Französisch über das Seniorennetzwerk 55plus Jüchen und die Volkshochschule Grevenbroich gegründet. Im Februar war sogar ein Anschluss-Kursus zustande gekommen. „Der kann leider im Moment nicht fortgeführt werden, weil die Volkshochschulen wegen der Corona-Krise schließen mussten“, sagt Unrein. Allerdings versorgen die Dozenten der VHS Grevenbroich ihre (Sprach)-Schüler zur Zeit via Internet oder in WhatsApp-Gruppen mit Unterrichtsstoff.