Jüchen: Carpe diem: Alle Zimmer zu verkaufen

Jüchen: Carpe diem: Alle Zimmer zu verkaufen

Die Bewohner des Seniorenparks in Garzweiler sind beunruhigt, weil der Gebäudeeigentümer alle Zimmer zum Verkauf angeboten hat. Carpe diem sagt als Pächter, es ändere sich für die Bewohner nichts, weder Kosten, noch die Pflege.

Der Seniorenpark Carpe diem in Garzweiler hat seine 86 Pflegezimmer über Immobilienfirmen im Internet zum Verkauf angeboten. Aus Pflegezimmern werden Apartments und aus Heimbewohnern Mieter, die dann zwar in der Einrichtung bleiben, aber ambulant versorgt werden: Dieses bereits andernorts praktizierte Modell wird aber kritisiert, weil es der Pflegekassen erhebliche Mehrkosten verursacht. Wird dieses Modell jetzt auch in Garzweiler übernommen? Carpe-diem-Leiter Christian Schimmelpfennig sagt: "Nein, es ändert sich nichts. Die Kosten bleiben gleich und auch das gesamte Pflegepaket", sichert er zu.

Die für Pflegeimmobilien spezialisierte DASinvest annonciert jetzt im Internet: "Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass der Verkauf des Senioren-Parks carpe diem in Jüchen begonnen hat." Und unter dem Schlagwort "Pflegeimmobilien als Kapitalanlage" bewirbt auch die Wuppertaler Firma "Pflegeobjekt Service GmbH" den Verkauf von 86 Einzelpflegeapartments sowie acht betreute Wohnungen in Garzweiler zu einer Mietrendite von 4,2 Prozent ab 1. Dezember 2018 zu Kaufpreisen von 148.291 bis zu 247.631 Euro.

Geworben wird weiterhin für die Pflegeimmobilie: "Investoren finden beim Senioren - Park carpe diem Jüchen eine äußerst solide Geldanlage bei einer attraktiven und durch zuverlässige Mietausschüttung gewährleisteten Rendite", schreibt die Immobiliengesellschaft.

  • Jüchen : Carpe-diem-Verkauf als Geldanlage

Christian Schimmelpfennig gibt allerdings zu: "Als der geplante Verkauf bekannt wurde, hat es große Verwirrung unter unseren Bewohner gegeben. Manche haben sogar gefragt, ob sie jetzt ausziehen und sich einen neuen Heimplatz suchen müssen." Tatsächlich sei aber nicht carpe diem der Verkäufer und Besitzer des Seniorenparks in Garzweiler, sondern nur der Pächter der Gebäude, informiert Schimmelpfennig. "Der Besitzer der Anlage hat gewechselt. Der alte Besitzer hat uns die Einrichtung als Ganzes verpachtet, der neue Besitzer möchte aber alle 86 Pflege-Einzelzimmer und die acht betreuten Wohnanlagen nun einzeln verkaufen", erläutert er weiter.

"Unser carpe-diem-Konzept bleibt aber für die Bewohner bestehen, sie werden auch dieselben handelnden Personen in der Pflege wie zuvor haben", versichert der Leiter des Seniorenparks. Und laut Schimmelpfennig behält die Anlage in Garzweiler auch ihren Heimstatus: "Die Bewohner werden zwar Mieter, aber sie bleiben in einer stationären Einrichtung und müssen auch keine ambulanten häuslichen Pflegeleistungen einkaufen", sagt Schimmelpfennig. Dieser Punkt ist die Krux: Kritiker des Modells sprechen von einer "Ambulantisierung" in Pflegeheimen, wie etwa die ZDF-Sendung Report Mainz es unter dem Titel "Wie Pflegekonzerne mit "Ambulantisierung" Kasse machen" thematisiert hatte. In sieben Bundesländern wird das Modell des Verkaufs von Heimapartments schon praktiziert. Kritiker sprechen von einer "Abzocke" oder sogar von einem "Ausplündern" der Pflegekassen, da für die vollstationäre Pflege weitaus niedrigere Kosten angerechnet werden, als wenn die Pflege als ambulante häusliche Leistungen für jeden Mieter, der faktisch zwar immer noch ein Heimbewohner bleibt, hinzu gekauft werden muss.

(NGZ)