Bürger aus JHüchen-Hochneukirch leiden unter dem Schmutz aus dem Tagebau Garzweiler

Staubbelastung aus dem Tagebau : Bürger leiden unter dem Tagebau-Dreck

RWE argumentiert, es werde technisch alles Mögliche zum Staubschutz getan. Die FWG zweifelt das weiterhin an und fordert Nebelkanonen statt der von RWE eingesetzten Regnergalerien.

Über eine erhebliche Staubbelastung aus dem angrenzenden Tagebau klagen vor allem die Bürger aus Hochneukirch immer wieder. Insbesondere bei Wind und Sturm weht der Kohlestaub in den Ort. Hochneukircher Bürger klagen sogar, der Staub knirsche zwischen den Zähnen und wirke sich negativ auf die Atmung aus. Die FWG hat sich in mehreren Eingaben und Anträgen dafür stark gemacht, den Tagebaubetreiber RWE zu einem verbesserten Staubschutz aufzufordern. Zuletzt hatte die FWG dazu sogar versucht, das Landesumweltamt mit auf den Plan zu rufen.

Nun kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung im Umweltausschuss am 7. November. In der vorherigen Sitzung lag bereits eine Stellungnahme von RWE vor. Die bezog sich in der Hauptsache auf den Sturm am 12. August, bei dem Hochneukirch von einer Staubwolkle aus dem Tagebau regelrecht überzogen wurde. RWE hat jedoch mitgeteilt, dass sämtliche Immissionsschutzmaßnahmen würden im Tagebau permanent nach dem Stand der Technik weiterentwickelt. Der Energiekonzern hatte auch darauf verwiesen, dass an allen Messstellen im Umfeld des Tagebaus Garzweiler die Jahresmittelwerte deutlich unter dem Immissionsgrenzwert lägen.

Da die FWG Zweifel an diesen Darstellungen angemeldet hatte, schrieb die Stadtverwaltung nun auch die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Bergverwaltung an. Die Frage lautete, obr RWE Power tatsächlich alle technischen Möglichkeiten des Immissionsschutzes ausschöpft. Das hat die Bezirksregierung Arnsberg der Stadt Jüchen mit Schreiben Anfang Oktober bestätigt. Es würden planerischen, technischen und organisatorischen Maßnahmen im Tagebau Garzweiler zur Einhaltung der gesetzlichen Grobstaubgrenzwerte eingehalten. Die Behörde sehe keinen Grund zur Beanstandung.

Das will FWG.-Fraktionsvorsitzender Gerolf Hommel so aber nicht unwidersprochen hinnehmen. Er hat die Bezirksregierung in einem Schreiben Anfang Oktober darauf hingewiesen, es könne zwar sein, dass die Messwerte in der Luft eingehalten würden: „Das heißt aber nicht, dass unser Stadtgebiet nicht täglich mit Dreck berieselt wird“, sagt Hommel und er beklagt: „RWE und Bezirksregierung sprechen verniedlichend von Grobstaub. Es ist aber Dreck!“ Und den finde man täglich im Haus, auf Terrasse oder Balkon - sogar im Briefkasten.

Jüngst habe ihm ein Mitglied von „Fridays for Future“ bei einer Demonstration in Hochneukirch berichtet, der Tagebaudreck wehe sogar bis nach Mönchengladbach-Geistenbeck und schlage sich dort nieder. Hommel fordert deshalb weiterhin, RWE zu zwingen, weitere Maßnahmen gegen den Dreck zu ergreifen und tatsächlich alle technische Möglichkeiten zu nutzen, um Staubaustritte zu verhindern... und das nicht nur bei starkem Wind.

Schmutzentwicklung aus dem Tagebau Garzweiler über Hochneukirch. Foto: Harro Berger

Die Bezirksregierung habe in einer Antwort an die FWG auf die Regnergalerien am Tagebaurand verwiesen. Hommel, der stattdessen den Einsatz von Nebelkanonen wie in Ostdeutschland im Kohletagebau angeregt hatte, sagt aber: „Die Regnergalerien sind völlig nutzlos, weil der Dreck darüber hinweg weht.“ Und das Umweltministerium NRW sei „sogar so dreist“ der FWG zu schreiben, die Regnergalerien stellten den Stand der Technik dar und seien eine effektive Maßnahme, beklagt Hommel.

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