Jüchen: Bodenfrost verzögert B59-Bauarbeiten

Jüchen: Bodenfrost verzögert B59-Bauarbeiten

Stillstand auf der Baustelle: Die kalten Temperaturen hindern die Bauarbeiter daran, die oberen Fahrbahnbeläge zu asphaltieren. Erst nächste Woche soll es weitergehen. Gewerbetreibende in Jüchen büßen teils kräftig an Umsatz ein.

Alle paar Minuten rollt ein Auto auf die SB-Tankstelle, fährt an den Zapfsäulen vorbei, dreht - und fährt wieder zurück in Richtung Autobahn. Trotz Umleitung und zahlreiche Schilder fahren offensichtlich immer noch viele in die Sackgasse und merken, dass es an der Baustelle nicht weitergeht. Wenn mal keiner kommt, der sich verfährt, ist es an der Tankstelle gespenstisch still.

"Zu uns kommen seit Ende November eigentlich nur noch Stammkunden", sagt Tankstellen-Chefin Maria Piccialli. "Im Kraftstoff-Geschäft haben wir Einbußen von 50 bis 60 Prozent." Dass sich die Baustelle jetzt wegen des Frostes verzögert, macht die Situation nicht besser. "Wir hoffen, dass es schnell weitergeht", sagt die Tankstellen-Chefin, die mit dieser Hoffnung nicht allein dasteht: Auch Straßen.NRW-Projektleiter Klaus Dahmen ist vom Stillstand gar nicht angetan. Gleichwohl sagt er: "Bei Bodenfrost macht es keinen Sinn zu asphaltieren."

Der Grund: Die beiden oberen Asphaltschichten werden im Gegensatz zur tragenden Schicht nur dünn aufgetragen. Sie würden bei den frostigen Temperaturen so schnell auskühlen, dass sie grobporig werden und Feuchtigkeit eindringen würde. "Diese Feuchtigkeit sprengt den Asphalt auf und lässt Risse entstehen, die in kurzer Zeit immer größer werden", erklärt Klaus Dahmen. Gestern fiel die Entscheidung der Baufirma, die Arbeiten auf dem rund 300 Meter langen Bauabschnitt zwischen Lidl und SB-Tankstelle bis Anfang nächster Woche ruhen zu lassen und dann weiterzuschauen. "Wenn wir trotz des Frostes asphaltieren, könnte es sein, dass die Straße in zwei oder drei Jahren wieder saniert werden muss", sagt der Baustellen-Projektleiter.

Der Abschnitt zieht sich - nicht nur in seiner Länge, sondern auch aus zeitlicher Sicht. Das ist wohl auch auf Betriebsferien der Firma zurückzuführen, die mit den Bauarbeiten beauftragt ist. Zwei Wochen sollen die Ferien in der Weihnachtszeit gedauert haben - die Gewerbetreibenden in Jüchen haben dafür wenig Verständnis. "Die Bauarbeiten werden auf dem Rücken der Gewerbetreibenden ausgetragen", sagt Roman Rayak. Er ist Betreiber des Tanzlokals Bolero an der Kölner Straße, das derzeit für Besucher nur über die Grubenrandstraße erreichbar ist. Er berichtet von Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent. "Der Winter ist für mich als Gastronom die wichtigste Zeit. Das geht vielen anderen Gewerbetreibenden ähnlich", sagt Rayak und verweist auch auf die großen Supermärkte an der Kölner Straße, die derzeit schwächer frequentiert sind als sonst. "Ich verstehe nicht, warum man die Baustelle im Winter weiterführt. Es ist doch klar, dass es kalt wird."

Laut Klaus Dahmen habe die Kritik an der Baustelle insgesamt allerdings abgenommen. Er ist zuversichtlich, dass die Arbeiten zum Ende der ersten Jahreshälfte 2018 abgeschlossen werden können. Der Stichtag, auf den alle hinarbeiten wollen: der 30. Juni. Als Nächstes soll der Abschnitt zwischen SB-Tankstelle und dem Kreisel an der Konrad-Duden-Allee in Angriff genommen werden, danach der bis zur Robert-Bosch-Straße.

(cka)