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Jüchen: Bahnhof in der Warteschleife

Jüchen : Bahnhof in der Warteschleife

Der behindertengerechte Umbau des Hochneukircher Bahnhofs ist für dieses Jahr gestrichen. Erst 2013 kann geplant werden, wenn die Bahn zustimmt. Die Gemeinde hat eine günstigere Variante mit nur einem Aufzug vorgelegt.

Die Senioren sitzen auf gepackten Umzugskartons. Alle Wohnungen des frisch errichteten Senioren-Parks am Hochneukircher Bahnhof sind mittlerweile vermietet. Im März sollen die ersten Mieter einziehen, bestätigte der Architekt Otmar Dovern. Doch wenn sie den Hochneukircher Bahnhof nutzen wollen, müssen sie sich noch einige Jahre auf große Mühen einstellen.

Denn der behindertengerechte Umbau des Bahnhofs wird heute Abend nun auch offiziell verschoben. Der Hauptausschuss soll eine Investitionsliste verabschieden, aus der der zweite Bauabschnitt des Bahnhof-Umbaus gestrichen wird. Begründung: "Die Bauausführung ist erst ab dem Jahr 2013 realistisch", heißt es dort. Die 230 000 Euro, die eingesetzt waren, werden auf 2013 verschoben.

"Wir verschieben die Maßnahme, weil die Bahn ihre Mittel bis 2013 verplant hat", sagte der Technische Dezernent Oswald Duda. Wenn alles optimal liefe, könne 2013 geplant und 2014 gebaut werden. Die Gemeinde muss den Bahnhof behindertengerecht sanieren, weil sie für den ersten Bauabschnitt — den Park & Ride-Parkplatz — Geld vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) bekommen hat.

Die 300 000 Euro Zuschuss waren an die Zusage gebunden, dass der Bahnhof barrierefrei umgebaut wird. Die Gemeinde kann aber mit ihrem Umbau bis zu den Bahnsteigen nicht allein dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderungen problemlos in Hochneukich ein- und aussteigen können. Denn die Bahn muss die Bahnsteige um 30 Zentimeter erhöhen, erst dann kommen auch Rollstuhlfahrer in die Züge. Damit Jüchen darauf nicht mehr allzu lange warten muss, stattete die Verwaltungsspitze der Regionaldirektion der Bahn in Aachen einen Besuch ab und machte Druck. Duda: "Wir waren mit dem Gespräch zufrieden.

Wir haben unsere Interessen platziert." Darin stellte die Gemeinde auch eine neue Variante für den behindertengerechten Umbau vor. Eine Rampe mit einer Steigung von sechs Prozent könnte den Parkplatz mit der bestehenden Unterführung verbinden. Dann bräuchte nur noch ein Aufzug zum Mittelbahnsteig gebaut zu werden. Im Modell mit der Brücke, die zum mittleren Bahnsteig führt, waren zwei Aufzüge vorgesehen. Durch die Variante mit der Rampe würde die Gemeinde allein 80 000 Euro im Jahr an Betriebskosten für den wegfallenden Aufzug sparen.

In der Senioren-Anlage nebenan stehen unterdessen nun die letzten Arbeiten an. Dort investiert eine priavte Gruppe 6,5 Millionen Euro, davon sind drei Millionen Landeszuschüsse. Was dann noch fehlt, ist das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude, das als Teil des Wohnparks ebenfalls umgebaut werden soll. Dort seien erste vorbereitende Arbeiten erledigt, teilte der Architekt Otmar Dovern mit. Wann dort weitergearbeitet wird, ist noch nicht sicher. "Das Bahnhofsgebäude wird in diesem Jahr fertig, das ist klar", sagte Dovern. Ein Interessent, der in dem Gebäude ein Café errichten wollte, ist abgesprungen. Wie das Gebäude stattdessen genutzt werden soll, ist noch offen.

(RP)