Ausnahmegitarristen spielen in Hofkirche in Jüchen

Konzert in Jüchen : Mexikanische Ausnahmegitarristen in der Hofkirche

Jüchen zieht Gitarristen nicht nur aus Deutschland an. Jetzt gastierten hier Winfried Kellner und Hugo Acosta Martín del Campo.

Zu einem europäischen Zentrum für klassische Gitarrenmusik hat sich Jüchen in den vergangenen zwei Jahren entwickelt. Diesen Eindruck musste gewinnen, wer jetzt das Konzert in der evangelischen Hofkirche am Markt besuchte. Zwei mexikanische Ausnahmegitarristen, die sich zur Zeit auf Europatournee befinden, wollten in Jüchen spielen. Dabei haben Winfried Kellner (44) und der jüngere Hugo Acosta Martín del Campo Deutschland-Erfahrung, denn beide haben bei der heute schon legendären kanadischen Gitarristin und Professorin an der Hochschule für Musik in Detmold, Dale Kavanagh (60), ihr Konzertexamen abgelegt: Winfried Kellner 2004, Hugo Acosta 2006. An Hochschulen für Musik in Mexiko sind beide heute als Lehrer gefragt.

Das Jüchener Publikum weiß, wann es sich lohnt – die Hofkirche war gut besucht –, es erlebte südamerikanische Gitarrenmusik in feinster Spielkultur. Zunächst spielte Hugo Acosta ein leicht gekürztes Programm: „Hier ist es heißer als in Mexiko!“ Zum Schwärmen die „Suite colombiana Nr. 3“ von Gentil Montagna mit populären kolumbianischen Tänzen und die „Suite Mexicana (II)“ von Winfried Kellner. Die viersätzige Suite fordert im letzten sehr temperamentvollen Satz „Chilena“ den Gitarristen hoch virtuos. Das meisterte Hugo Acosta bravourös. Und dennoch hatte das anschließende Spiel des Komponisten mehr Reife. Der in Australien geborene und in Mexiko aufgewachsene Winfried Kellner spielte neben aparten eigenen Werken wie „Labyrinth“ und „Elegia“ vor allem das begeisternde „La Catredal“ von Augustín Barrios. Der 1944 verstorbene paraguayische Komponist ließ sich von der Kathedrale in Montevideo zu diesem romantischen Werk inspirieren, er gilt bis heute als einer der bedeutendsten klassischen Gitarristen aller Zeiten. Besonders das „Andante religioso“ ist ein liturgischer Prozessionsgesang, den Winfried Kellner geradezu zelebrierte.

Dass Jüchen in relativ kurzer Zeit zu einem Zentrum der klassischen Gitarrenmusik werden konnte, liegt vor allem an Arne Harder, der seit vergangenem Jahr die Musikschule „Pro Musica“ leitet und als Dozent für Gitarre an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf unterrichtet – sowie an Daniel März, der zwar noch an der Kölner Musikhochschule studiert, in Jüchen aber schon viele Schüler hat.

Die beiden engagieren sich auch für das bereits dritte Internationale Gitarrenfestival, bei dem an drei Tagen im November dieses Jahres Gitarristen aus aller Welt in Jüchen spielen werden.

(Nima)
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