Jüchen: Archäologen auf Spurensuche in Otzenrath

Jüchen: Archäologen auf Spurensuche in Otzenrath

Über drei Ausgrabungskampagnen in Alt-Otzenrath hat der Archäologe Christian Röser seine Doktorarbeit geschrieben. Diese präsentiert er jetzt zum ersten Mal öffentlich in einem Vortrag für die Bürger in Jüchen.

Wenn die Bewohner von Neu-Otzenrath an ihr altes Dorf zurückdenken, das dem Kohletagebau zum Opfer gefallen ist, dann erinnern sie sich auch an die abgerissenen Häuser und an die aufgegebene Kirche. Doch unter der katholischen Kirche in Alt-Otzenrath hat sich eine mittelalterliche Anlage befunden, wie die Archäologen des Landschaftsverbandes nach drei Grabungskampagnen dokumentieren konnten. Über die Ausgrabungskampagnen in Alt-Otzenrath hat der Bonner Archäologe Christian Röser seine Doktorarbeit geschrieben, die er jetzt erstmalig in einem öffentlichen Vortrag auf Einladung des Jüchener Gemeindearchivs am 22. Januar, ab 18.15 Uhr, im Otzenrather Gemeindezentrum, Hofstraße 60, präsentiert. Sein Thema lautet: "Aus der Geschichte eines Dorfes - archäologische Spurensuche in Otzenrath." Der 35 Jahre alte Archäologe, der aus Heinsberg stammt, hat die Geschichte des Mittelalters sowie Mittelalterarchäologie studiert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, wo er die Funde aus Alt-Otzenrath, zu denen auch ein Münzschatz aus dem 30-jährigen Krieg gehörte, untersucht und dokumentiert hat. In seiner Doktorarbeit zeichnet Röser die Entstehung und Entwicklung vom hochmittelalterlichen bis zum neuzeitlichen Siedlungsplatz Alt-Otzenrath nach. Er war Stipendiat der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier und war auch in der LVR-Außenstelle in Titz beschäftigt. Für die Archäologen sei der Braunkohletagebau ein zweischneidiges Schwert, gibt er zu. Zum einen biete sich die Chance, in den verlassenen Siedlungen unter den abgerissenen Gebäuden zu graben, die es sonst nie gebe. "Zum anderen gehen die Fundstellen aber durch den Tagebau auch unwiederbringlich verloren", bedauert Röser.

Teil des Alt-Otzenrather Münzschatzes. Foto: M.Thuns /LVR

Die auch in der Doktorarbeit dokumentierten Ergebnisse der Grabungen in Alt-Otzenrath sind laut Röser so wichtig, "weil der Siedlungsplatz Otzenrath in vielen Aspekten als exemplarisch für ländliche Siedlungen in den rheinischen Lössbörden angesehen werden kann." Das Archäologenteam hatte unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Alfred Schuler auch den Grundriss der hochmittelalterlichen Kirche in Otzenrath mitsamt der späteren Bauphasen bis hin zur Moderne freigelegt. Südwestlich der Kirche stießen die Archäologen auch auf ein unterirdisches Gängesystem, das auch in den Erdkeller der ehemaligen Wohnung des Kirchrektors geführt haben soll.

Die Grabungen hatten sich auf die aus dem Mittelalter belegten Hofanlagen "Kapitelshof" und "Neuwerker Hof" konzentriert sowie auf die Kirche "St. Simon und Judas Thaddäus" mit ihrem unmittelbaren Umfeld. Aus der Karolingerzeit war bekannt, dass in Otzenrath Ackerbau betrieben wurde. Ins Hochmittelalter fielen dort die Gründung zahlreicher Höfe und der Bau der ersten Kirche.

(NGZ)