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Anwohner, NABU und FWG kämpfen für den Erhalt einer Wiese mit einer 100 Jahre alten Marone

Bebauungsplan in Jüchen : Anwohner, NABU und FWG kämpfen um 100-jährigen Baum

In Hochneukirch sollen auf dem Grünland zwischen Schmölderpark und Gartenstraße Wohnhäuser gebaut werden. Anwohner, FWG und NABU kämpfen jetzt um den Erhalt der Wiese mit einem 100 Jahre alten Maronenbaum.

Die Stadt Jüchen entwickelt sich immer mehr zu einem begehrten Zuzugsgebiet vor allem für junge Familien. In Hochneukirch soll nach dem Gebiet am Regiopark und an der Peter-Busch-Straße sozusagen um die Ecke an der Gartenstraße ein weiteres Wohngebiet entstehen. Gegen den bereits auf den Weg gebrachten Bebauungsplan wird nun aber Front gemacht von Anwohnern, die Unterstützung beim Naturschutzbund (NABU) Jüchen und bei der Freien Wählergemeinschaft (FWG) gefunden haben. Die Bürger wehren sich gegen das Vorhaben der Stadt, ein weiteres Stück Grünland in Hochneukirch für die Wohnbebauung zu opfern. FWG und NABU fordern den Erhalt eines 100 Jahre alten Maronenbaumes auf dem Grundstück. Während die Stadt davon ausgeht, dass dieser Baum nach einem Blitzschlag nicht mehr zu retten wäre, weist ein vom NABU beauftragtes Gutachten jetzt aber das Gegenteil nach.

Für die unmittelbaren Anwohner des Grundstückes Schmölderpark/Gartenstraße fordert Regina Helget: „Das Grundstück ist so etwas wie ein Teil unseres Gartens, den wir behalten wollen. Die Stadt baut überall die Grünflächen viel zu eng zu.“ Sie würde die Anlage einer Streuobstwiese auf dem Areal  bevorzugen und sagt: „Wir haben  hier in Hochneukirch durch die Kohlegrube schon so viel Dreck, da sollten wir wenigstens das bisschen Grünland erhalten.“

Nachbarin Christa Geiser pflichtet ihr bei. Das Haus ihrer pflegebedürftigen  Mutter, in dem auch sie lebt, grenzt unmittelbar an das Grundstück an: „Das ist unser einziges Erholungsgebiet“, sagt sie über das „Stückchen grüne Lunge“ und fügt hinzu: „Wir wollen es hier still und grün behalten.“

Während sich die Anwohnerinnen generell gegen das Baugebiet wehren, fordert die FWG eine modifizierte Planung mit dem Erhalt des alten Baumes. Das Gutachten, das der NABU Jüchen eingeholt hat, wurde auch Bürgermeister Harald Zillikens zugeschickt. NABU-Sprecher Paul Quack, der zugleich auch für die FWG im Umweltausschuss aktiv ist, liest aus dem Gutachten nicht nur ab, dass der 100 Jahre alte Baum noch mindestens 20 Jahre „voller Saft und Kraft“ vor sich haben kann. Die Esskastanie gehöre auch zu den Gehölzen, die neuerdings verstärkt angepflanzt würden, weil sie mediterranen Ursprungs seien und den mittlerweile heißen und trockenen Sommern auch bei uns gut standhielten. „Und die paar Äste, die durch den Blitzschlag abgestorben sind, lassen sich doch einfach herausschneiden“, argumentieren Quack und Hommel.

In seinem Sachverständigengutachten schreibt Dr. Jürgen Kutscheidt aus Krefeld unter anderem: Der 20 Meter hohe Esskastanien-Baum weise zwar Totholz durch Blitzschlag im Bereich der Krone auf, das aber keine Schädigung des Holzkörpers (16 Meter Stammumfang) gebracht habe. Das Gutachterbüro kommt zu dem Ergebnis: „Der Baum ist als standsicher einzustufen. Die Verkehrssicherheit kann durch das Entfernen des Totholzes und der Einkürzung des überlastigen Astes wiederhergestellt werden.“  Auch sei der alte Baum „eine Bereicherung für ein Wohngebiet“ und ein Habitatraum (für die Tierwelt).

Gerolf Hommel möchte aus Sicht der FWG nicht einen erneuten Rückschlag wie an der Peter-Busch-Straße erleben, wo gegen den Protest von NABU und FWG ein Wäldchen einem Wohngebiet weichen musste. Zu dem an der Peter-Busch-Straße aktuell entstehenden Baugebiet sagt Gerolf Hommel: „Wer sich heute den baulichen Fortschritt dort ansieht, hat das Gefühl, es entstehe ein Ghetto.“

Und Hommel beklagt: „Jetzt soll der nächste Naturbereich wenige Meter entfernt zubetoniert werden.“ Auf einer im Bebauungsplan festgesetzten Fläche von rund 1000 Quadratmetern sollten nur 13 Bäume als Ersatz für die 100 Jahre alte Ess-Kastanie gepflanzt werden. Doch Hommel moniert: „Nach der Peter-Busch-Straße wird erneut ein Brut-, Lebens- und Jagdraum für einheimische Tiere vernichtet.“ Dabei weise das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) auf dem Plangebiet aktuell ein Vorkommen von 31 besonders geschützten Tierarten aus.

Paul Quack fügt kopfschüttelnd hinzu: „In dem Baugebiet soll gerade mal ein einziger Nistkasten für Stare aufgehängt werden“, zitiert er aus den Plänen, die er als lächerlich bezeichnet.