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Jüchen: Ärger über Vandalismus am Fußfall in Schlich

Jüchen : Ärger über Vandalismus am Fußfall in Schlich

Wiederholte Zerstörung an einem Fußfall und dann noch ein freches Schreiben - die Heimatfreunde Glehn überlegen, Anzeige zu erstatten.

Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich Gerta Schmitz um den Fußfall schräg hinter der Gärtnerei Schönges. Nun muss die 78-Jährige immer wieder Vandalismus beklagen. Den möglichen Tätern schrieb sie einen Brief - die ließen daraufhin am Fußfall ein ziemlich unverschämtes Antwortschreiben zurück. Der Verein Heimatfreunde Glehn überlegt jetzt, ob er die Polizei einschalten und Anzeige gegen Unbekannt erstatten soll.

Bereits mehrere Male musste Gerta Schmitz feststellen, dass der Blumentopf am Fußfall zerschlagen worden war. Sie schritt zur Tat: In einem Schreiben an die unbekannten Täter informierte die 78-Jährige, dass der Ersatz des Blumentopfes jedes Mal rund zehn Euro kosten - eine Menge Geld angesichts ihrer kleinen Rente. Der Zettel am Fußfall blieb nicht unbeantwortet: Die freche Antwort auf dem Blatt, das sichdann am Fußfall fand, beginnt mit der Anrede "Hallo alte Frau": Zehn Euro seien doch wohl leicht übertrieben. Und der Hinweis auf die kleine Rente veranlasst die Verfasser zu einem dreisten Rat: "Da hättest du halt mehr arbeiten müssen."

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Joachim Schröder, Vorsitzender der Heimatfreunde Glehn, ist empört über den immer wiederkehrenden Vandalismus. Und er ist froh, dass es Menschen wie Gerta Schmitz gibt, die sich um die steinernen Kostbarkeiten und Relikte alter Volksfrömmigkeit so zuverlässig kümmern: "Die Mitglieder der Heimatfreunde Glehn betreuen die insgesamt sieben Fußfälle." Schröder hat keinerlei Verständnis für die Haltung, die in dem Brief an Gerta Schmitz zum Ausdruck gebracht wird. Die 78-Jährige vermutet, dass der Vandalismus durch Alkoholkonsum beflügelt wird - sie leert regelmäßig den Abfallbehälter neben der Bank am Fußfall und entnimmt ihm jedes Mal Bier- und Sektflaschen. Der Fußfall stammt aus dem Jahre 1709. Zwei Kerzen brennen, das "Flammende Käthchen" bekommt regelmäßig frisches Wasser. Wer auf der Bank Platz nimmt, genießt einen tollen Ausblick - zu sehen sind die Kuppel des Liedberger Schlosses, aber auch die "Wolkenfabriken" von RWE Power.

"Alle sieben Fußfälle sind aus dem frühen 18. Jahrhundert", weiß Schröder. Was ihn ärgert: "Immer wieder werden die Kreuze entfernt, und zwar an allen Fußfällen." Dann muss für Ersatz gesorgt werden. Die Fußfälle pflegen Willi und Martha Lipgens, Gerta Schmitz, Josef Schönges, die Familien Humpesch, Drillges, Rothausen sowie die Nachbarschaft Hagelkreuz.

Die Fußfälle stehen immer an Karfreitag im Mittelpunkt: Der Heimatverein bietet um sieben Uhr einen Gang zu allen sieben Fußfällen, er beginnt in der Kirche St. Pankratius und endet auf dem Friedhof. "In den vergangenenen Jahren gingen rund 200 Menschen mit - mit dieser Resonanz sind wir sehr zufrieden", erklärte Schröder.

Jetzt hofft er, dass die Vandalen möglichst schnell ermittelt werden. Was ihm Mut macht: "Die Vorfälle wurden über Facebook gepostet. Viele Menschen, auch junge Leute, brachten ihre Entrüstung zum Ausdruck."

(NGZ)