13. Ausgabe der Classic Days 2018 auf Schloss Dyck bei Jüchen

Oldtimer-Parade in Jüchen : Classic Days sind wie ein Kurzurlaub auf Schloss Dyck

Classic Days 2018 - So war das 13. Oldtimer-Treffen auf Schloss Dyck in Jüchen

Ob mit dem alten Cabrio, dem alten Camper oder in zeitgenössischer Kleidung: Die Classic Days auf Schloss Dyck bieten wieder eine kleine Reise heraus aus dem Alltag. Zur 13. Auflage werden viele Tausend Besucher erwartet.

Was sich für ein anständiges Schützenfest in Form von Böllerschüssen gehört, gehört nun auch – wenn auch unfreiwillig geschehen – zu den Classic Days: Die 13. Auflage des großen Oldtimertreffens auf Schloss Dyck wurde mit einer knalligen Fehlzündung eines alten Fahrzeuges sozusagen eröffnet.

Dem Fahrer des US-amerikanischen Ungetüms aus den 1910er Jahren war der pistolenartige Knall am Freitagmorgen sichtlich peinlich. Da er sich aber vor Scham nicht in seiner luftigen Karosse verstecken konnte, blieb ihm nur ein Achselzucken übrig. „So sind diese Wagen halt“, sagte er, um sich zu entschuldigen. Was gar nicht nötig gewesen wäre, denn die Menge freute sich sichtlich über den alten Wagen der Marke American LaFrance.

Der US-Hersteller, der in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte vor allem für große Feuerwehrfahrzeuge bekannt wurde, baute von 1903 bis 1914 auch Personenwagen. Diese hatten aber nur wenig Erfolg auf dem damaligen Markt. Beliebter war es damals, die großen Fahrgestelle der Feuerwehrwagen für den Rennsport umzubauen – was die gewaltigen Ausmaße der alten Renner erklärt. Die wenigen dieser Fahrzeuge, die noch existieren, treffen sich zur 13. Ausgabe der Classic Days. Damit gibt es auf Schloss Dyck eine Premiere, wie auch für die Präsentation von Rennern aus dem britischen Brooklands Museum. Mit einer Auswahl von Fahrzeugen aus diesem Museum wird der inzwischen verfallenen ersten Rennstrecke auf britischem Boden gedacht – inklusive Demo-Fahrten auf dem Rundkurs am Schloss.

Auch Veteranen aus Fleisch und Blut sind wieder bei den Classic Days zu Gast. Der prominenteste von ihnen ist Hans Herrmann, der im Februar seinen 90. Geburtstag feierte. „Hans im Glück“ gehörte zu seiner aktiven Zeit in den 1950er Jahren zu den Werksteams von Mercedes-Benz in der Formel 1 und fuhr für Porsche die berühmtesten Sportwagenrennen der Welt, sei es bei den 24 Stunden von Le Mans oder bei den Straßenrennen der Targa Florio oder Mille Miglia. Ebenfalls bei den Classic Days zu Gast sind ehemalige Weltklasse-Piloten wie Jochen Mass oder Walter Röhrl.

Natürlich sind die Gärten des Schlosses auch wieder gefüllt mit kleinen und großen Klassikern, die keine großen Erfolge auf der Rennstrecken aufweisen können, aber die Classic Days eben so bunt machen wie die Automobilgeschichte selbst. Zu den „Alltagshelden“ von einst gehört etwa das Wohnmobil von Klaus und Claudia Kammann. Für manche ist der Ford Transit der Kammanns im Themenbereich „Nostalgic Journeys“ kein echter Oldtimer, aber mit Baujahr 1978 geht der Camper durchaus als solcher durch – inklusive seiner zeitgenössischen Ausstattung mit Häkeldeckchen, orangefarbener Markise und dem Plastikgeschirr der 70er. „Wir haben so ziemlich alles zeitgenössische wieder auf Trödelmärkten nachgekauft“, sagt Claudia Kammann, die sich nun auf ein entspanntes Wochenende am Schloss freut. „Ein paar bekannte Gesichter habe ich hier auf dem ,Campingplatz’ schon wieder getroffen“, sagt sie lächelnd. Die „Platznachbarn“ mit dem alten Riley aus den Fünfzigern wird sie in wenigen Tagen bei einem „Very British“-Treffen in Bad Waldsee wiedertreffen. So geht der Kurzurlaub der Kammanns weiter – mit einer Zeitreise der anderen Art.

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