Hünxe/Emmerich: Grimm zeigt Kruzifix-Objekte

Hünxe/Emmerich: Grimm zeigt Kruzifix-Objekte

"Kreuz+Zeichen" heißt die Ausstellung, die der Hünxer Künstler vom 17. Februar bis zum 9. März in der in der katholischen Aldegundiskirche in Emmerich zeigt.

Es gibt besondere Anlässe, das Kreuz mit neuen Augen zu sehen. Der Künstler und Beuys-Schüler Alfred Grimm aus Hünxe macht die brutale Gewalt des Kreuzestodes mit seinen Kruzifix-Objekten in schockierender Weise bewusst. Wie sein Lehrer und andere namhafte zeitgenössische Künstler setzt er sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema der Kreuzigung auseinander.

Spaghetti-Christus Foto: Büttner Martin

Im Verlauf von über 40 Jahren schuf Grimm mehr als 80 Kreuz-Objekte. Es sind aus Material-Collagen entwickelte Skulpturen, die im mehrfachen Sinn des Wortes Anstoß erregen. Sie verknüpfen das zentrale Symbol des christlichen Glaubens auf eindringliche Weise mit dem Verhalten und mit den Leiden der Menschen unserer Zeit.

Künstler-Christus (Ausschnitt) Foto: MB

Eine Auswahl von 20 Objekten ist vom 17. Februar bis 9. März in der Sankt Aldegundis-Kirche in Emmerich zu sehen. Nach bisher 29 Präsentationen in Deutschland und der Schweiz ist dies die erste Ausstellung in einer katholischen Kirche in Emmerich. Titel: "Kreuz + Zeichen".

Wenn Grimms Arbeiten schockieren und scheinbar religiöse Tabus verletzen, dann letztlich nur, weil die auslösende Wirklichkeit schockierend ist. Was sieht man? Ein auf einem Holzklotz liegendes Kreuz wird von einer Axt zerschmettert: Hinweis auf die Zerstörung religiöser Symbole in unserer Zeit - oder Hinweis auf die Hinrichtung vieler Christen unter dem IS-Staat? Ein vom Kreuz herabstürzender Christus auf einem Berg Golgota aus Münzen: Metapher für eine Kirche, die sich vom Geld abhängig macht - oder für die Not der Armen in einer kapitalistischen Welt? Ein Kreuz unter dem Messer einer Brotschneidemaschine: Blasphemie - oder originelle Verdeutlichung des Christus-Wortes "Ich bin das Brot des Lebens"?

Grimm gibt keine Antworten, sondern Denkanstöße. Er fordert die Besucher heraus und ermutigt sie Stellung zu beziehen, alte wie junge Menschen, künstlerisch und theologisch Interessierte, fromme und distanziert zur Kirche stehende Betrachter.

  • St.-Aldegundis-Kirche : Kruzifix-Objekte

Erstmals tat er der Künstler das vor 28 Jahren. Als am Palmsonntag 1990 Ronny Schneider, Pfarrer der evangelischen Stadtkirche Dinslaken, gemeinsam mit dem Presbyterium den Mut hatten, 13 ausgewählte Kruzifix-Objekte von Grimm in einer Ausstellung zu zeigen, gab es aufgeregte Besucher und zum Teil aufregende Diskussionen. Die Darstellungen des Kreuzestodes Christi als spannendes Zeugnis zeitgenössischer religiöser Kunst ließ die Menschen schweigen, manche Betrachter äußerten spontan ihre Zustimmung ein einem Gespräch. Einige empörten sich heftig und reagierten mit krasser Ablehnung. Nach dieser Initialzündung, wie Grimm diese Ausstellung beschreibt, folgten bis heute insgesamt 29 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in ganz Deutschland und der Schweiz. Zuletzt zeigte Grimm seine Kruzifix-Objekte in zwei vielbeachteten Ausstellungen - 2015 im Kloster-Kamp in Kamp-Lintfort und 2016 in der Notkirche in Essen.

Alfred Grimm gehen die Ideen nicht aus. Ebenso wie ihm das Material zur Gestaltung der Kruzifixe nicht ausgeht. Von Trödelmärkten und Dachböden, als Geschenk und Mitbringsel gelangten historische Kreuze in die Hand des Hünxer Künstlers und bilden den formalen Ausgangspunkt für die zeitgenössische Gestaltung dieser Objekte. Im weiteren Verlauf der künstlerischen Realisation findet eine Vielzahl von Gebrauchsgegenständen, industriellen Geräten, Drogenspritzen, Fernseh- und Computerteilen, Spielzeug und präparierten Tieren, Küchengeräten, Plastikteilen und anderen Utensilien bei der dichten Gestaltung der Kruzifixobjekte Verwendung - als kleine und große Formate, als Hänge- oder Standobjekte konzipiert.

Die Vernissage findet am Samstag, 17. Februar, 11 Uhr, in der Sankt-Aldegundis-Kirche in Emmerich im Beisein des Künstlers statt. Dauer der Ausstellung: bis Freitag, 9. März. Geöffnet ist sie täglich von 12 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 02822 70543). Führungen können über dieselbe Nummer oder über Telefon 02822 45271 vereinbart werden. Ein Begleitkatalog mit Fotos von 76 Kruzifix-Objekten und Begleittext kostet 15 Euro.

Ausführlichere Informationen auf der Homepage des Künstlers www.alfred-grimm.info.

(ras)