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Hückeswagen: Zweigeteilte Trafostation verlässt Herweg

Hückeswagen : Zweigeteilte Trafostation verlässt Herweg

Das historische Trafohäuschen von Herweg steht jetzt im Freilichtmuseum Lindlar – das in zwei Teile zersägte Gebäude wurde gestern abtransportiert. Das Walmdach war vor drei Wochen demontiert und ins Museum gebracht worden.

Das historische Trafohäuschen von Herweg steht jetzt im Freilichtmuseum Lindlar — das in zwei Teile zersägte Gebäude wurde gestern abtransportiert. Das Walmdach war vor drei Wochen demontiert und ins Museum gebracht worden.

Der Ausblick für die Anwohner der zur Bever-Seite gelegenen Häuser in Herweg ist etwas gewöhnungsbedürftig, haben sie doch nun eine komplett freie Sicht auf die bergischen Wälder Richtung Egen. 100 Jahre stand das Trafohäuschen hinter den Wohnhäusern an der B 483, seit gestern ist es Geschichte — zumindest für diesen Standort. Seine eigene Geschichte und die der Elektrifizierung des Bergischen Landes wird das historische Gebäude mit dem auffälligen Walmdach jedoch an anderer Stelle "weitererzählen": Im LVR-Freilichtmuseum Lindlar wird es nun neu aufgebaut und restauriert und voraussichtlich ab April von den Museumsbesuchern zu besichtigen sein.

Mit dem Themenjahr "1914 — Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg" will der Landschaftsverband Rheinland (LVR) im nächsten Jahr an verschiedenen Standorten an die zahlreichen Entwicklungen der Moderne erinnern, die das Leben der Menschen im Rheinland damals grundlegend verändern sollte. Die 100 Jahre alte Herweger Trafostation ist das Kernstück der Lindlarer Ausstellung "Krieg und Licht — zur Dynamik der ländlichen Elektrifizierung um 1914", die die Situation im Bergischen beleuchten wird.

Als das Häuschen 1913 in der Hückeswagener Außenortschaft für den Anschluss der Haushalte an das Stromnetz gebaut werden sollte, sprachen sich die Menschen größtenteils dagegen aus. "Fürchteten sie doch um das einzigartige Landschaftsbild ihrer Heimat, das bald von überirdischen Stromleitungen durchzogen sein sollte", erläuterte Birgit Ströter vom LVR-Fachbereich Kommunikation. Letztlich setzte sich die technische Neuerung jedoch durch, wobei die Umspannstation in Herweg im Bergischen Landstil errichtet wurde, damit sie weniger auffiel. Noch bis vor drei Jahren war sie in Betrieb. Erst 2010 wurde wenige Meter entfernt, direkt an der Bundesstraße, eine Kompaktstation gebaut, über die die Häuser in Herweg seitdem mit Strom versorgt werden. Auch waren damals die Leitungen in die Erde verlegt worden.

Um 9 Uhr hob gestern Morgen ein Kran die obere Hälfte des Gebäudes ab und ließ sie eine halbe Stunde später auf einem Lkw nieder. Um 15 Uhr waren beide Gebäudeteile im Freilichtmuseum angekommen. Eine Firma hatte vor einigen Tagen mit einer Spezialsäge das Gebäude in der Mitte durchtrennt. "Unter der jeweiligen Hälfte haben wir Stahlkonstruktionen befestigt", berichtete Burkhard Zinn, Planungsleiter des Freilichtmuseums. Zudem wurde das Mauerwerk, von innen und außen, mit Holzplatten und Schaumstoff verkleidet, damit es für den Transport geschützt war und nicht auseinanderfiel.

So gingen die insgesamt 30 Tonnen gestern auf ihre letzte Reise zum neuen Standort in Lindlar.

(RP)