Hückeswagen: Zwei Verletzte bei Rekordversuch

Hückeswagen : Zwei Verletzte bei Rekordversuch

Mit einem Unfall endete gestern der Versuch von Bob-Weltmeisterin Sandra Kiriasis, den Geschwindigkeitsweltrekord im Bobfahren zu verbessern. Dabei erlitt die 33-Jährige Prellungen am linken Oberarm, auch ihr Bremser Sven Schreiber – Organisator des Bobrennens im Juli – verletzte sich.

Mit einem Unfall endete gestern der Versuch von Bob-Weltmeisterin Sandra Kiriasis, den Geschwindigkeitsweltrekord im Bobfahren zu verbessern. Dabei erlitt die 33-Jährige Prellungen am linken Oberarm, auch ihr Bremser Sven Schreiber — Organisator des Bobrennens im Juli — verletzte sich.

Pyrotechnik, Bühne, Sekt — alles stand gestern Mittag auf dem Flugplatz Meinerzhagen für die Feier der neuen Weltrekordlerin bereit. Doch die Hochgeschwindigkeitsfahrt von Sandra Kiriasis und ihrem Bremser Sven Schreiber, Organisator des Sommer-Bobrennens vom 11. bis 13. Juli in Hückeswagen, endete nicht in einer Feuerwerk-Fontäne, sondern im Gebüsch: Die 33-jährige Pilotin hatte den weißen Zweierbob nicht mehr rechtzeitig vor dem Ende des 1170 Meter langen Rollfelds wenden, ihr Bremser das rund 400 Kilogramm schwere Gefährt nicht ausreichend abbremsen können. Zwar gelang Sandra Kiriasis noch eine Kurve, dabei prallten die Rollen der linken Seite bei hoher Geschwindigkeit gegen die rund zehn Zentimeter hohe Grasnarbe. Dadurch wiederum wurde der Bob ausgehebelt und in ein nahes Gebüsch geschleudert, wo er auf der rechten Seite liegen blieb. Als die Sanitäter des DRK unmittelbar nach dem spektakulären Unfall am Ende des Rollfelds eintrafen, waren Pilotin und Bremser zwar schon aus dem Bob geklettert, standen aber zunächst unter Schock. Eine Viertelstunde später gab Sven Schreiber jedoch die ersten Interviews, Sandra Kiriasis lächelte nach einer halben Stunde wieder und stand Rede und Antwort.

Der Weltrekordversuch sollte überregional Werbung für das Sommer-Bobrennen im Juli machen. Dafür hatten die Veranstalter eigentlich den siebenfache Weltmeister Christoph Langen verpflichtet; der musste am Dienstagabend jedoch aus dienstlichen Gründen kurzfristig absagen. So klingelte Schreiber gegen 20.15 Uhr bei Sandra Kiriasis in Berlin an, wo sie derzeit trainiert. "Ich habe mir das Okay meines Trainers geholt und dann zugesagt", hatte die Olympiasiegerin von 2006 vor den ersten Testfahrten auf dem Flugplatz erzählt. Gegen sechs hatte sie Berit Wiacker, die bei Wettkämpfen als ihre Bremserin fungiert, zum Flughafen Berlin-Schönefeld gebracht, wo Kiriasis den Flieger nach Köln bestieg. "Ich hab' noch nicht einmal meinem Mann Bescheid sagen können", sagte sie. Der wohnt Winterberg.

Um 9.53 Uhr wurde der Zweierbob mit Sandra Kiriasis und Sven Schreiber von einem 300 PS starken VW Passat mit einer speziellen Seilvorrichtung an den Haken genommen und das erste Mal auf Geschwindigkeit gebracht. Eine Dreiviertelstunde später folgte der zweite Test, bei dem der Bob bereits mit 133 km/h durch die Lichtschranke raste.

Dabei stellten Pilotin und Bremser fest, dass der Bremsweg für eine höhere Geschwindigkeit zu kurz ist. Also wurde die Lichtschranke um gut 100 Meter nach vorne verlegt. Die etwa 700 Meter vom Start des Rollfelds reichten aus, um das Gefährt auf eine hohe Geschwindigkeit zu bringen — offenbar war der Bremsweg beim anschließenden ersten (und einzigen) Weltrekordversuch jedoch noch zu kurz.

"Der Passat hat uns auf 160 Stundenkilometer beschleunigt", berichtet Schreiber später. Als der Wagen dann vor der Lichtschranke nach rechts ausscherte, habe sie einen Moment zu spät das Seil ausgeklinkt, erzählte die Pilotin. Dadurch konnte sie den Bob nicht mehr durch die Lichtschranke steuern — mit geschätzten 155 km/h hätte sie wenigstens einen neuen Weltrekord aufgestellt —, außerdem fehlten dadurch einige Meter Bremsweg. Und die waren letztlich entscheidend: "Wäre das Rollfeld zehn Meter länger gewesen, hätte das gereicht", war sich Sven Schreiber sicher.

So aber krachte der Bob erst gegen die Grasnarbe und dann ins Gebüsch. Mit Prellungen am linken Arm konnte Sandra Kiriasis am Nachmittag den Flug nach Berlin antreten, ihr 39-jähriger Bremser jedoch musste nach BM-Informationen im Krankenhaus bleiben. Welcher Art die Verletzungen sind, ist unbekannt.

So blieb die Pyrotechnik unberührt, blieben der Sekt unangetastet und die Bühne unbesetzt. Und der alte Weltrekord bleibt bestehen.

(RP)
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