Hückeswagen: Zurück auf Zeit ins geliebte Ghana

Hückeswagen : Zurück auf Zeit ins geliebte Ghana

Im Februar hat Christina Krauß (25) ihr Sozialpädagogik-Studium abgeschlossen. Die Zeit bis zu ihrem Referendariat im nächsten Jahr nutzt die Hückeswagenerin dazu, sich um "ihr" Dorf in Ghana zu kümmern. Am Sonntag fliegt sie für neun bis zehn Monate in das westafrikanische Land.

Im Luxus schwelgen die Wenigsten, wenn sie nach der Schule die Welt erkunden. Doch selbst Rucksacktouristen legen in der Regel überall auf der Welt Wert auf eine Dusche und eine Toilette, die zumindest in etwa europäischem Standard entspricht. Als Christina Krauß als 19-Jährige zum ersten Mal Ghana besuchte, sah das jedoch völlig anders aus: Die Toilette war ein Plumpsklo, eine Dusche gab's erst gar nicht, das Wasser wurde vom Brunnen geholt, und gekocht wurde draußen auf einer Art Grill.

Dennoch (oder gerade deshalb) hat sich die junge Hückeswagenerin in das westafrikanische Land und seine Menschen verliebt. Mehrfach war sie als Volunteer (Freiwillige) dort, übermorgen fliegt sie als Mitglied der Organisation "loszuGhana" in die Provinz Kumasi. Von Düsseldorf aus geht es über London in die ghanaische Hauptstadt Accra am Golf von Guinea. Dann steht ihr noch eine rund fünfstündige Busfahrt ins nördlich gelegene Landesinnere bevor.

Betreuung per Skype

Zwei Tage in der Woche betreut sie vom Organisationsbüro in der Provinzhauptstadt Tanoso aus Volunteers. Die meisten stammen aus dem deutschsprachigen Raum, "mittlerweile kommen aber auch junge Leute aus den USA und England zu uns", erzählt Christina Krauß. Per Skype (Videotelefonat übers Internet) unterhält sie sich mit den Bewerbern. "Ich helfe ihnen dabei, ein Visum zu beantragen und bereite sie auf die kulturellen Unterschiede und mögliche Probleme in Ghana vor."

Leben wird die Hückeswagenerin jedoch in einem Dorf, das rund 90 Busminuten von der Provinzhauptstadt entfernt ist. Die restlichen fünf Tage in der Woche kümmert sie sich dort auch um die Projekte von "loszuGhana", die Christina Krauß zum Teil selbst angestoßen hat. So wird etwa eine Mauer um das Dorf errichtet, um wilde Tiere abzuwehren und Hab und Gut zu schützen.

Da die 25-Jährige Lehrerin werden will, wird sie in dem Dorf auch in der Schule arbeiten und die Kinder unterrichten; die Sprache beherrscht sie inzwischen ganz gut. Weil die Verhältnisse in den ghanaischen Schulen auf dem Land alles andere als westeuropäisch sind, hat Christina Krauß bereits reichlich Material eingekauft wie Bleistifte, Kreide, Tafelfarbe (die auf eine Wand gestrichen wird), Gummitwist oder Springseilchen. Bezahlt hat sie das aus den vielen Spenden, die sie in den zurückliegenden Monaten in Hückeswagen gesammelt hat. So spendeten etwa die Kinder der Katholischen Grundschule im Vorfeld des Martinstags Geld für Gleichaltrige in Ghana.

Genug Platz in zwei Koffern?

"Ich darf zwei Koffer mit jeweils maximal 23 Kilogramm mitnehmen", berichtet die junge Frau. In einem wird sie ihre persönlichen Dinge und Kleidung transportieren, der andere soll mit den Hilfsgütern gefüllt werden. "Ich hoffe, das passt alles da hinein", sagt Christina Krauß lächelnd.

(RP/rl)
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