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Zum Welttag des Buches: Post verschenkt Bücher in Hückeswagen

Zum Welttag des Buches : Post verschenkt Bücher in Hückeswagen

Postbote Ralph Vesper verteilt in seinem Zustellungsbezirk zwischen Großenscheidt und Posthäuschen Lesestoff an die Anwohner. Damit weitet die Deutsche Post ihre Aktion für Schüler zum Welttag des Buches aus.

Wenn Ralph Vesper mit seinem gelben Postauto vorfährt, öffnen sich die Türen der Anwohner beinahe automatisch. So auch am Dienstagmorgen in Großenscheidt zwischen Kölner Straße und der K 5. Dieses Mal hat der Zusteller der Deutschen Post nicht nur Briefe und Päckchen dabei, sondern auch noch eine Überraschung in Form von zwei gelben Postkisten voller Lesestoff: Zum Welttag des Buches verschenkt er in seinem Zustellbezirk Bücher unterschiedliche Genre an die erfreuten Kunden.

Sigrid Kotthaus schaut zunächst überrascht, als Vesper ihr die Kiste mit den Büchern hinhält. Die Anwohnerin von Großenscheidt entscheidet sich für einen Roman von Jan Weiler. Auch Nachbarin Sandra Kaufman freut sich über das Büchergeschenk. „Ich habe lange nicht mehr gelesen – man nimmt sich ja kaum Zeit dafür“, sagt sie. Sie greift nach einem Sachbuch von Harald Lesch, Professor für Astrophysik, über das Universum. Die Lektüre soll einen anstehenden Krankenhausaufenthalt verkürzen.

Dass nicht nur Schüler in den Genuss der Bücher-Aktion der Post kommen, freut die Beschenkten sehr. Zwei Kisten voller Lesestoff hat Postbote Ralph Vesper im Gepäck, mit denen er die Kunden zwischen Großenscheidt und Posthäuschen in den nächsten Tagen überraschen wird. Damit will die Deutsche Post Freude am Lesen in eine Vielzahl von Haushalten bringen und Menschen zum Lesen ermutigen. In der Kiste befinden sich viele Bestseller, wie etwa „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler, „Fuchsmädchen“ von Maria Grund oder „Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier.

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Verteilt werden die Bücher von einzelnen Postboten punktuell an den Haustüren. Vesper hat damit schon Erfahrung: Vor mehr als zehn Jahren gehörte er zu den Zustellern, die den fanatischen Anhängern von Harry Potter den neuen Band schon in der Nacht vor dem Erscheinen in den Buchläden ausgeliefert hatte. Ab Mitternacht waren die Postboten damals im Einsatz. „Ich gehörte auch zu den Nachteulen“, erinnert sich der Hückeswagener lachend. Die Harry-Potter-Bücher mussten für die nächtliche Lieferung rechtzeitig vorbestellt und natürlich auch bezahlt werden. Das müssen die Anwohner im Einzugsgebiet von Ralph Vesper diesmal nicht.

Innerhalb der kommenden zwei Wochen sollen alle 30 Bücher verteilt sein. Das passt zeitlich gut, da die Zusteller gerade mit der Auslieferung der Wahlbenachrichtigungen zur Landtagswahl fertig geworden sind. Den Mehraufwand nimmt der Hückeswagener Postbote gerne in Kauf. An den Haustüren stößt er auf ganz unterschiedliche, teilweise auch skeptische Reaktionen – immerhin kommt es nicht oft vor, dass etwas verschenkt wird. Auch Sigrid Kotthaus fragt nach: „Wollen Sie dafür eine Spende haben?“ Doch Vesper winkt ab.

„Soziale Verantwortung zu übernehmen, indem wir Lese- und Sprachkompetenz fördern, ist Teil unserer Unternehmenskultur“, sagt Konzernpersonalvorstand Thomas Ogilvie. Er ist zugleich Vorstandsmitglied der Stiftung Lesen. Durch das Lesepaten-Programm der Stiftung helfen Postmitarbeiter bereits seit 2007 ehrenamtlich vor allem beim Spracherwerb im Kinder- und Jugendbereich, aber auch gezielt in Flüchtlingseinrichtungen. „Lese- und Sprachkompetenz sind der Schlüssel zur Bildung, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe“, betont Ogilvie.

Aber nicht alle Hückeswagener nehmen das Geschenk der Post an. Ein Anwohner in Großenscheidt winkt dankend ab: „Wir haben ausreichend Bücher im Haus“, begründet er. Dafür wird sich mit Sicherheit ein anderer Kunde des Postboten über das Angebot freuen. Denn Bücher kann man doch eigentlich nie genug haben.