Zirkus Poroschenko kommt zur Grundschule Wiehagen

Hückeswagen: Zirkus machen ist ausdrücklich erlaubt

Die Kinder der Grundschule Wiehagen dürfen eine Woche lang Kunststücke proben - alles in einem echten Zirkus, direkt auf dem Schulhof. Zum Abschluss stehen große Höhepunkte an: vier öffentliche Vorstellung mit jeweils mehr als 200 Besuchern.

Eine knappe Woche haben die Kinder Zeit - dann heißt es "Vorhang auf, Manege frei". Doch bevor die 240 Erst- bis Viertklässler am Donnerstag und Freitag ihre große Show abliefern können - jedes Kind tritt einmal auf, pro Vorstellung sind 60 Kinder dabei -, wird fleißig geübt. Schon gestern am ersten Tag der "Projektwoche Zirkus" der Grundschule Wiehagen, balancieren die Kinder Kelche auf der Stirn, lassen Tauben über ihre Hände laufen oder schwingen kopfüber am Trapez. Die Mitglieder der Zirkusfamilie Maatz, die mit dem "Projektcirkus Proscho" von Schule zu Schule fahren, leiten die Kinder bei den artistischen Kunststücken an und helfen ihnen, ihre Ängste zu überwinden.

Seit gestern steht an der Grundschule ein straffes Programm an. Im Minutentakt wechseln sich die Kinder ab bei den Übungen. "Mir geht dabei das Herz auf", sagt Melanie Pesch, die seit fast 19 Jahren an der Grundschule unterrichtet. Es sei unglaublich, wie sehr und wie schnell manche Kinder über sich hinauswachsen. Eine Schülerin, die noch unter dem Trapez steht, zögert. Trainer Meikel Maatz macht ihr klar, dass sie es wenigstens versuchen müsse. "Du schaffst das", rufen ihre Mitschüler. Mit etwas Hilfe des Trainers steht sie kurz danach auf dem Trapez und blickt in gut zwei Metern Höhe über ihre Mitschüler hinweg. Geschafft, Angst überwunden.

Die insgesamt sieben Gruppen, in denen die Kinder trainieren, sind hinsichtlich Geschlecht und Klasse komplett gemischt. Zur Auswahl stehen Clownerie, Gläser balancieren, Tauben dressieren, Drahtseil, Trapez, Hula Hoop und Bodenakrobatik. "Einige der Kinder kannten sich heute Morgen noch gar nicht", sagt Melanie Maatz vom Zirkus Proscho. Angesichts der gemeinsamen Herausforderung hätten die unterschiedlich alten Kinder aber schnell zueinandergefunden. "Die Kinder lernen hier etwas über soziales Miteinander und verbessern ihre Hand-Augen-Koordination", erläutert Pesch. Der Effekt sei auch noch nach dem Ende der Zirkuswoche da. Kinder, die die Projektwoche mitgemacht haben, gingen auch danach und in höheren Klassen anders mit ihren Mitschülern um.

Naomi (9) und Phil (7) jedenfalls sind begeistert. Phil übt am Trapez, Naomi hat sich den Hula-Hoop-Reifen ausgesucht. "Mit zwei Reifen und in der Hocke ist es aber doch sehr schwer", sagt sie. Bei der Frage, ob nun Schule oder Zirkus besser sei, muss sie nicht lange nachdenken. "Zirkus!", ruft sie sofort.

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Die "Projektwoche Zirkus" findet an der Grundschule schon zum zweiten Mal statt, zuletzt vor vier Jahren. "Wir wollen das Projekt auch weiterhin alle vier Jahre durchführen, so dass jedes Kind einmal in seinem Grundschulleben daran teilnehmen kann", sagt Claudia Paradies, Leiterin der GGS Wiehagen.

Die Projektwoche kostet die Schule etwa 8500 Euro. Den größten Teil davon hat der Förderverein vorgestreckt, die Sparkasse Radevormwald beteiligt sich mit 750 Euro. "Es wäre aber gut, wenn wir viele Karten verkauft bekämen", sagt Pesch mit Blick auf die Vorstellungen.

Bis zur Generalprobe haben die Wiehagener Grundschüler noch Zeit, ihre Kunststücke einzustudieren. Die ersten trauen sich schon an den Seemannsgruß auf dem Trapez. Dabei lässt der Akrobat ein Seil los und drückt das Trapez mit ausgestreckten Beinen seitlich von sich weg. Und das alles in luftiger Höhe und nur mit einer dicken Turnmatte zur Absicherung.