Zeitzeugen erinnern sich an die Demo auf dem Martinszug

Rückblende: Zwei Zeitzeugen erinnern sich

Peter Jobke und Bernd Lindmeyer glauben, dass die damaligen Ereignisse im Kontext der 1968er-Bewegung sie ganz entscheidend geprägt haben.

(nob) Viele der jungen Menschen, die damals als Protestler dem Martinszug hinterhergelaufen waren, haben heute das 60. Lebensjahr überschritten. Zu ihnen gehören der heute in Kürten lebende Peter Jobke und der Hückeswagener Bernd Lindmeyer. Die damaligen Ereignisse im Kontext der 1968er-Bewegung, so die übereinstimmenden Aussagen, hatten beide ganz entscheidend geprägt.

„Ich behaupte, dass keine Generation nach uns politischer war“, zeigt sich Lindmeyer überzeugt. Dieses „Politisch-Sein“ äußerte sich unter anderem darin, dass Jobke gemeinsam mit Lindmeyer und anderen den „Politischen Arbeitskreis Hückeswagen“ gründete. In seiner Ausrichtung stand dieser ganz eindeutig links von der SPD: „Wir, das waren Schüler und Lehrlinge, ein paar gestandene Altkommunisten mit KZ-Erfahrung, ADFler (Anmerkung: Mitglieder der kurzlebigen, kommunistisch geprägten Partei „Aktion Demokratischer Fortschritt“) und DFUler (Anmerkung: Deutsche Friedens-Union, eine linke Sammlungsbewegung und Kleinpartei, die später durch die SED der DDR beeinflusst wurde), Lehrer und Gewerkschafter“, beschreibt Jobke die Zusammensetzung.

Getroffen hatte man sich in Hinterzimmern diverser Kneipen oder später im alten Arbeitsamt. Für Lindmeyer, der genauso wie Jobke die Realschule besuchte, war besonders sein Lehrer Heinrich Bode prägend. „Vormittags stand er vor der Klasse, abends dann war er im Arbeitskreis Diskussionspartner auf Augenhöhe. Das hat mir imponiert“, erinnert er sich.

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So standen sie sich also gegenüber: Einerseits die klassische Kleinstadt-Gesellschaft mit den Parteien CDU, SPD und FDP, den Kirchen und auch der fest im Gefüge befindlichen Presse, die – von einigen Ausnahmen abgesehen – allesamt damit beschäftigt waren, die NS-Zeit aus ihren Köpfen zu verdrängen. Andererseits eine Gruppe Versprengter, die entflammt durch die Studentenbewegung begann, ihre Elterngeneration in gut (Nicht-Nazi) und schlecht (Nazi) einzuteilen. Nebenbei postulierten sie ein neues politisch verklärtes Ideal.

Dieses Lebensgefühl beschreibt Jobke wie folgt: „Für mich war die zweite Hälfte der 60er-Jahre postpubertärer Protest und Identitätssuche zwischen Ideal und Wirklichkeit“. Und der Kürtener ergänzt: „Gehe ich heute mal durch die Islandstraße, hoffe ich – wahrscheinlich vergeblich – dass die Jugend dort heute mehr Rechte der Mitbestimmung hat, als wir, die wir gelangweilt vor Valenti (Anmerkung: Eiscafé am Wilhelmsplatz) saßen.“

Ein wenig optimistischer beurteilt Bernd Lindmeyer den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte: „Aus heutiger Sicht waren die Ereignisse um den 11. November für mich trotz allem mehr als nur ein ‚Sturm im Wasserglas’“, spiegelten sich doch auch im kleinen beschaulichen Hückeswagen gesellschaftliche und politische Umwälzungen ab, die letztlich die gesamte Bundesrepublik erfasste und Gott sei Dank veränderte.“

(nob)
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