Hückeswagen: Zeitreise durch Hückeswagen mit "Dö"

Hückeswagen : Zeitreise durch Hückeswagen mit "Dö"

Seine bislang größte Publikation hat die BZG am Wochenende der Öffentlichkeit präsentiert. Der Bildband "Mit der Zeiss durch Hückeswagen" zeigt Fotos des Lokalreporters Theo Dörpinghaus aus den Jahren zwischen 1950 und 1980.

Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg in Hückeswagen: Im Zuge des so genannten deutschen Wirtschaftswunders entwickelt sich auch die zuvor ländlich geprägte Gemeinde rasant zur Stadt mit ganz neuen Siedlungsstrukturen. Sie werden dringend benötigt, denn der Wohnraum ist knapp geworden in den Jahren nach dem Krieg. Viele Heimatvertriebene suchen in Hückeswagen ein neues Zuhause. In Wiehagen entsteht auf früherem Acker- und Weideland der von nun an größte Stadtteil. Auch der Fürstenberg und der Höchsten werden zu dicht besiedelten Wohngebieten, später folgen Kleineichen und der Dierl. Die Kleinstadt mit dem historischen Stadtkern expandiert in alle Richtungen.

Chronist dieser Zeit des großen Umbruchs in Hückeswagen war Theo Dörpinghaus. Der Lokalreporter der Bergischen Morgenpost, der unter dem Kürzel "Dö" berichtete, hielt die Entwicklung seiner Heimatstadt zwischen 1949 und dem Ende der 1970er Jahre in Tausenden von Fotos fest.

Gedacht waren die Bilder als tagesaktuelle Fotos für die Zeitungsleser. Im Nachhinein und als Sammlung sind sie ein wichtiges Dokument lokaler Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Verein Bergische Zeitgeschichte (BZG) erkannte das schon vor Jahren, als die Kinder von Theo und Liselotte Dörpinghaus 8000 Fotos und Negative aus dem Nachlass ihres Vaters an den Vereinsvorstand übergaben. Aus einem kleinen Teil davon ist nun ein Bildband entstanden, den die BZG am Wochenende bei gleich zwei Veranstaltungen im Kultur-Haus Zach der Öffentlichkeit präsentierte.

Zwei Veranstaltungen erwiesen sich auch als notwendig, denn schon am Samstag war das Kultur-Haus mit rund 100 Besuchern voll besetzt. Iris Kausemann begrüßte als Vorsitzende der BZG die unerwartet vielen Gäste.

Hans-Peter-Dörpinghaus, Sohn von "Dö", sprach bewegend über die Arbeit seines Vaters Theo und auch seiner Mutter Liselotte, die über Jahrzehnte hinweg gemeinsam mit ihrem Mann die Ausgaben der Bergischen Morgenpost in Hückeswagen prägte. Die von Theo Dörpinghaus aufgenommenen Fotos, die in dem anschließenden Vortrag gezeigt wurden, kommentierte Franz Mostert, selbst seit mehr als 50 Jahren Mitarbeiter der BM, der über Jahrzehnte hinweg mit Theo Dörpinghaus zusammengearbeitet hatte.

Es war ein sachkundiger und zugleich emotionaler Vortrag, der die Besucher berührte. Denn er weckte offensichtlich Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend in der Heimatstadt. Darüber wurde über zweieinhalb Stunden lang und auch in der kurzen Pause dazwischen lebhaft geplaudert. Danach herrschte Enttäuschung, dass dieser lange Abend der auch sehr persönlichen Erinnerungen "schon" zu Ende war.

Bernd Schulz hatte, stellvertretend für das Redaktionsteam des Buchs, zu Beginn der Veranstaltung mit Blick auf die Foto-Sammlung von Theo Dörpinghaus von einem "einmaligen Schatz" gesprochen und von einem "Rohdiamanten, der geschliffen werden musste". Diesen Versuch habe die BZG mit dem Buchprojekt unternommen. Er scheint gelungen, wie die begeisterten Reaktionen der Besucher bei den Präsentationsveranstaltungen am Wochenende belegten. Das Buch wird ab Mitte der Woche im örtlichen Buchhandel erhältlich sein.

(bn)