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Hückeswagen: Zeit drängt- Zukunft der Schulen bleibt unklar

Hückeswagen : Zeit drängt- Zukunft der Schulen bleibt unklar

Der Vorschlag der Verwaltung, die Hauptschulen aus Hückeswagen und Wipperfürth zusammenzulegen, sorgt für geteilte Meinungen.

Die Schullandschaft steht vor gewaltigen Umwälzungen. Die Politik wird sich intensiv mit den Weichenstellungen für die Zukunft beschäftigen müssen. Wegweisend könnte die Sitzung des Schulausschusses am 10. Oktober werden. Die Verwaltung schlägt eine Zusammenlegung der Hauptschulen Hückeswagen und Wipperfürth vor, außerdem einen Neubau für die Löwen-Grundschule. Das sorgt für viel Diskussionsstoff.

Die CDU gibt als Ziel heraus, das dreigliedrige Schulsystem in der Region zu erhalten. "Wir wollen ergebnisoffen an die Sache rangehen", sagt der Fraktionsvorsitzende Christian Schütte. Es gehe um die besten Argumente für die Hauptschule. Die CDU sieht aber keine Gefahr für den Weiterbestand der Hauptschule, da in Zukunft die Zahl der Kinder wieder steige. "Wir brauchen die Hauptschule und wollen Wege finden, diese Schulform zu erhalten", sagt Schütte. Auf keinen Fall dürfe die Hauptschule totgeredet werden. Er sehe die Diskussion um die Zukunft der Löwen-Grundschule davon abgekoppelt. "Denn für uns gibt es eine Lösung für Haupt- und Realschule in den Räumen der Montanusschule - und keinen Neubau für die Grundschule. Der Zeitdruck sei entstanden, weil nach dem Ratsbeschluss 2015 nichts passiert sei. "Wir müssen diesen Beschluss endlich umsetzen", fordert Schütte.

Die SPD strebt eine vernünftige Kooperation mit der Hauptschule Wipperfürth an, ist aber auch einer Fusion nicht abgeneigt. "Das würden wir nicht generell ablehnen", sagt Hans-Jürgen Grasemann. Der Fraktionsvorsitzende meint, dass die Hauptschule völlig zu Unrecht ein schlechtes Image habe. "Aber es hilft auch nicht, an einem nicht mehr zukunftsfähigen System festzuhalten", sagt er. Grasemann sieht das Problem, dass die Politik schnell handeln muss. Denn die Situation der Löwen-Grundschule müsse unbedingt damit verbunden werden. Die SPD würde zwar lieber in Richtung Sekundarschule gehen, aber dafür gebe es derzeit keine politische Mehrheit. "Wir wissen, dass die Hauptschule Probleme bekommen wird, sollten verbal aber sehr vorsichtig sein, denn was bedeutet die Diskussion um die Zukunft der Hauptschule für Lehrer und Schüler?", fragt Grasemann. Dennoch müsse die Politik unbedingt neue Wege finden. Bei der Standortfrage für eine gemeinsame Hauptschule sei ein Faktencheck wichtig, um auf Augenhöhe zu diskutieren. Am 10. Oktober eine Entscheidung zu fällen, hält Grasemann trotz Zeitdrucks für zu früh. Der Diskussion würde er schon gerne ein Vierteljahr geben. Ob Neubau oder Sanierung - auf keinen Fall dürfe man an der Zukunft für die Kinder sparen.

Foto: SPD

Die FDP ist sich einig, dass man einer Verlagerung der Hauptschule nach Wipperfürth nicht zustimmt. "Wir sind gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung und fest davon überzeugt, dass die Hauptschule in Hückeswagen eine Zukunft hat", sagt der Fraktionsvorsitzende Jörg von Polheim. Die Geburtenrate steige stetig. "Da liegt auch der Schulentwicklungsplan falsch", sagt er. Die Liberalen seien weiter von einem Modell in Meckenheim überzeugt, bei dem Hauptschulen mit Gewerbetreibenden Verträge abschließen und Hauptschüler mit bestimmten Leistungen eine Garantie auf einen Ausbildungsplatz bekommen. Eltern und Schüler wüssten dort um die Qualität dieser Schulform, die in Hückeswagen nicht totgeredet werden dürfe, was zurzeit aber passiere. Hauptschulen seien ein knallharter Standortfaktor, und die FDP wolle keinem Schüler zumuten, Fahrwege auf sich nehmen zu müssen. Der Kampf um Ausbildungsplätze sei heute schon hart genug.

Noch mitten im Findungsprozess befindet sich die UWG. "Wir fühlen uns an den Ratsbeschluss von 2015 gebunden, müssen uns aber sehr wohl auch auf die vorhandenen Gegebenheiten einstellen", sagt Michael Wolter. Der Vorschlag für eine Fusion der Hauptschulen müsse diskutiert werden. Er kritisiert den zu langen Stillstand. "Wir müssen uns jetzt endlich bewegen", fordert Wolter. Sonst mache sich die Politik unglaubwürdig. Die Hauptschule zu erhalten sei schon wichtig.

Bündnis 90/Die Grünen sehen die Fusion als unumgänglich, die Diskussion um den Standort sei ergebnisoffen. "Es gibt keine Alternative, nur so können wir die Hauptschule retten", sagt Sprecher Edgar Sabelek. Die Entscheidung der Eltern, die Hauptschule nicht zu wählen, könne man nicht ändern.

Die FaB will die Schulproblematik am Mittwoch im Vorstand diskutieren. Die Fraktionsvorsitzende Brigitte Thiel ist der Meinung, dass eine Zusammenlegung der Hauptschulen nicht schlecht sei. "Dann kann die Realschule in die Räume der Hauptschule ziehen, und die Stadt lässt eine neue Grundschule bauen, aber nur mit kleiner Sporthalle", sagt sie. Über den Standort müsse man mit Wipperfürth diskutieren und die Folgekosten für den Fahrverkehr berücksichtigen. Die Kosten für den Neubau will die FaB durch die Vermarktung der Standorte Realschule und Grundschule gegenrechnen lassen. "Die Verwaltung will das nicht, das wird noch ein harter Kampf", sagt sie.

(RP)