Hückeswagen: WJT: Spirituelles im Turnhallenmief

Hückeswagen : WJT: Spirituelles im Turnhallenmief

29 Jugendliche aus Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth sind erschöpft aber glücklich vom Weltjugendtag (WJT) in Madrid zurückgekehrt. Nach aufregenden Tagen in der spanischen Hauptstadt steht für die jungen Katholiken fest: "Katholisch und cool – das geht."

29 Jugendliche aus Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth sind erschöpft aber glücklich vom Weltjugendtag (WJT) in Madrid zurückgekehrt. Nach aufregenden Tagen in der spanischen Hauptstadt steht für die jungen Katholiken fest: "Katholisch und cool — das geht."

Wo 750 Menschen auf engstem Raum schwitzen, schlafen, duschen und ihr Heimweh bekämpfen, ist Nächstenliebe nicht die schlechteste Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander. Vielleicht war das spanische Organisationschaos also ein Geschenk der Gastgeber an die Besucher des WJT, die bis zum Wochenende zu Hunderttausenden die Hauptstadt belagerten. Darunter auch 29 Jugendliche aus Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth.

Die Pilger vergessen

Sie fanden sich gemeinsam mit Gläubigen aus aller Herren Länder in einer miefigen Turnhalle wieder, "weil die Spanier ihren Job einfach nicht erledigt haben", erzählt Florian Loh (19). Und Gruppenleiterin Sandra Loh kritisiert: "Der Weltjugendtag wurde für den Papst gemacht — die Pilger haben die Spanier vergessen."

Dennoch strahlen die Gesichter der Heimgekehrten, wenn sie von ihren Erlebnissen berichten. "Wir haben einfach jeden Zwischenfall gefeiert — haben ihn weggelacht und weggesungen", erzählt Sebastian (16). Und genau dies ist es wohl, was junge Gläubige eine 24-stündige Busfahrt, eine stickige Halle und Taschendiebstähle in einer hoffnungslos überfüllten Metropole vergessen lassen: die Freude an der großen Kirchen-Party.

"Es ist schön, wenn alle Menschen um dich herum so ticken wie du. Wenn sie gläubig sind und einfach Lust haben, ihren Glauben auszuleben", sagt Steffen. Der 16-Jährige war eigentlich nur deshalb mit nach Madrid gefahren, weil seine Eltern in diesem Sommer keinen Urlaub geplant hatten. "Ich denke, dass viele unserer Jugendlichen gemerkt haben, dass der katholische Glauben nicht automatisch für uncoole Menschen steht", sagt Sandra Loh.

In Barcelona, wo die Gruppe zu Beginn ihrer Reise einige sehr schöne Tage verbrachte, bekamen die Jugendlichen bereits einen Vorgeschmack auf diese neue Erkenntnis. Ausgerechnet der als spröde geltende Joachim Kardinal Meißner aus Köln zelebrierte mit den Pilgern aus seinem Erzbistum in der Kathedrale Sagrada Familia von Antoni Gaudí "eine beeindruckende Messe", erzählt Marcel (16). "Eigentlich haben alle Geistlichen — egal ob einfache Priester oder Kardinäle — eine große Lockerheit ausgestrahlt. Vielleicht haben sie sich von uns ja auch anstecken lassen", überlegt Florian.

Für den 19-Jährigen war der kulturelle Austausch mit Jugendlichen aus aller Welt auch ein Stück Selbsttherapie. "Andernorts hätte ich mich mit meinem Hauptschul-Englisch vielleicht geschämt, auf andere zuzugehen. Aber in Madrid war das kein Problem. Die Kommunikation lief von ganz alleine."

Kein Blick auf den Papst

Tanzend, singend und betend zogen die Jugendlichen durch die Stadt. "Selbst Regen und Sturm bei der Abschlussmesse waren eigentlich egal", sagt Sebastian lachend. Nur den Papst haben die Jungs und Mädels nicht wirklich zu Gesicht bekommen. "Als wir dachten, wir wären an der richtigen Stelle, ist er durch eine Hintertür verschwunden", berichtet der 16-Jährige.

(RP/rl)
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