Hückeswagen: Wirte haben Existenzangst

Hückeswagen : Wirte haben Existenzangst

In sechs Tagen steht der Gastronomie ein Erdbeben bevor, denn ab Dienstag gilt das landesweite Rauchverbot. Die Gastwirte in Hückeswagen reagieren ganz unterschiedlich. Und die Emotionen kochen immer noch hoch.

Der Countdown läuft: Ab dem 1. Juli gilt in Nordrhein-Westfalen und somit auch in Hückeswagen in allen gastronomischen Betrieben ein Rauchverbot. Diese Regelung wird nach bisherigen Planungen in Kraft treten, obwohl noch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes aussteht. Die Gastwirte in Hückeswagen, soweit sie Mitglied im Branchenverband Dehoga sind, konnten sich vor kurzem zu diesem Thema bei einer Veranstaltung in der Gaststätte "Hotel zur Post" informieren.

Dabei stellte der Gaststättenverband das Modell von so genannten Raucherclubs nach bayerischem Vorbild vor. Demnach überlässt der Wirt dem eigens zu gründenden Club und dessen Mitgliedern seine Räumlichkeiten, damit "Vereinstreffen" dort abgehalten werden können. Die bisherige Konzession bleibt dabei unberührt. Der Präsident des Verbandes, Olaf Offers, sieht in diesem Modell "die einzige Möglichkeit für kleine Getränke orientierte Betriebe". Dieses Modell sei vom Verband außerdem juristisch geprüft worden.

Viele wollen nicht mehr kommen

Aber nicht alle Hückeswagener Gastronomen schlagen anscheinend diesen Weg ein. Maik Wickesberg von der Gaststätte "Beverblick" etwa will für die Raucher einen Unterstand bauen. "Wir werden an der Gaststätte eine Glasüberdachung installieren. Der dabei entstehende Raum reicht für 15 bis 20 Personen", berichtet er auf Anfrage der BM. Der Plan hierzu bestehe schon länger, nun soll er entsprechend umgesetzt werden. Die Gäste des "Beverblicks" seien etwa zu 80 Prozent Raucher. "Viele haben angekündigt, nicht mehr zu kommen, sollte es ein Rauchverbot geben", berichtet er von den Reaktionen seiner Gäste.

Rainer Schönhaber weiß überhaupt noch nicht, was passieren wird. "Bei uns kann auch weiter geraucht werden", stellt der Gastwirt des Kolpinghauses klar. Nichtraucher könnten dann, wenn sie wollten, in den großen Saal oder ins Gesellenzimmer ausweichen.

Maggi Behmenburg ist die Wirtin des "City-Pubs" an der Bahnhofstraße, einer typischen Ein-Raum-Gaststätte. Im Vorfeld des Inkrafttretens des Gesetzes hat sie bereits mit ihrem Vermieter gesprochen. "Im Sommer können die Gäste noch draußen rauchen. Aber im Herbst werden wir einen kleinen Raum abtrennen", kündigt sie an. Und dann redet die 48-jährige Wirtin Tacheles: "Das ist eine Sauerei. Die machen unsere Existenzen kaputt", schimpft sie.

Das Ordnungsamt der Stadt Hückeswagen lässt den 1. Juli erst einmal auf sich zukommen. "Wir werden am Anfang noch keine flächendeckende Prüfung machen", versicherte Verwaltungsmitarbeiter Roland Kissau. "Wenn im Einzelfall Beschwerden kommen, dann werden wir aber reagieren."

(RP)
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