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Wipperfürth: Thomas Wicke, Inhaber der Diskothek „Kesselhaus“, zu Corona

Interview mit Thomas Wicke, Inhaber der Diskothek „Kesselhaus“ : „Natürlich gäbe es Alternativen!“

Während die Restaurants und Kneipen inzwischen wieder öffnen können – wenn auch unter Auflagen –, sind die Diskotheken seit Mitte März geschlossen. Wie das Wipperfürther „Kesselhaus“. Dessen Betreiber Thomas Wicke äußert sich.

Herr Wicke, können Sie sich noch an den 14. März erinnern?

Thomas Wicke Das kann ich. Einen Tag vorher, am 13. März, genau um 13 Uhr, bekam ich einen Anruf der Stadt Wipperfürth, dass ich die Veranstaltung „Ü 40 Party“ am nächsten Abend nicht ausrichten darf. Dies erhielt ich dann auch auf Verlangen schriftlich, in Form einer Anordnung der Kreisverwaltung. Dass dann bis auf Weiteres alle anderen Veranstaltungen ebenfalls abgesagt wurden, konnte ich am darauffolgenden Montag der Presse entnehmen.

Thomas Wicke betreibt seit 28 Jahren die Wipperfürther Diskothek. Foto: Wicke

Haben Sie seitdem das „Kesselhaus“ aufmachen können? Etwa für private Feiern?

Wicke Öffentlich nicht, nur einmal für eine private Feier. Die restlichen privaten Feiern wurden schließlich durch die Mieter abgesagt.

Haben Sie zwischenzeitlich auch Reaktionen von Besuchern bekommen?

Die Disko der Nachbarstadt ist auch Partylocation für viele Hückeswagener Jugendliche – coronabedingt in den vorigen Monaten aber nicht. Foto: Joachim Rüttgen

Wicke Eigentlich kam das nur selten vor. Denn nur gelegentlich haben mich einzelne Kunden gefragt, wann das „Kesselhaus“ wohl wieder geöffnet sein wird.

Wie ist die Situation der Angestellten und Mitarbeiter?

Wicke Letztlich kann ich das nicht genau sagen – die unmittelbare Konsequenz ist, dass sie keinen Nebenjob mehr haben.

Haben Sie Angst um Ihre Existenz?

Wicke Noch nicht, das kann aber durchaus noch kommen.

Wie lange können Sie noch durchhalten, wenn der Betrieb weiter nicht möglich ist?

Wicke Das ist nicht ganz einfach zu sagen. Bis zum Ende kommenden Frühjahrs wird es auf jeden Fall noch gehen. Es kommt aber auch auf die Anzahl der privaten Feiern an, die wir ausrichten können.

Konnten Sie Corona-Hilfen bekommen, reichen diese aus?

Wicke Ja, ich habe die Soforthilfe und nun die Überbrückungshilfe bekommen. Ausreichen wird die Überbrückungshilfe aber leider nicht. Ein Teil der Betriebsausgaben wird aus privaten Mitteln gedeckt, dazu kommt noch mein kompletter privater Lebensunterhalt, den ich aus eigener Tasche bestreiten muss.

Bekommen Sie mit, wie die Situation bei anderen Diskotheken-Betreibern derzeit ist?

Wicke Nein, nicht persönlich, sondern nur teilweise aus den Medien. Einige probieren ihren Betrieb wohl mit weniger Gästen, die in sogenannten Boxen, die durch Plexiglas oder Ähnliches zu anderen Gästen als Abgrenzung dienen, aufrecht zu erhalten. Ob sich das aber wirklich lohnt, ist fraglich.

Fehlt den Diskotheken in Deutschland eine starke Lobby?

Wicke Ja, das sehe ich auf jeden Fall so. Die Gastrolobby ist zwar groß, dazu gehören aber nicht unbedingt die Diskotheken.

Gäbe es Ihrer Ansicht nach Alternativen zur Komplettschließung?

Wicke Natürlich gäbe es Alternativen! Die werden nur nicht erlaubt. Alternativ könnten die Behörden doch Abende mit weniger Publikum zulassen. Wo ist der Unterschied zwischen privaten Feiern bis zu 150 Personen – und öffentlichen Feiern mit zu 150 Personen? Eine Kontaktnachverfolgung ist besser gewährleistet als in manchen Gaststätten. Unsere Branche arbeitet mit Security, die sich die Ausweise zeigen lässt. Zudem sollte individuell entschieden werden, ob ein Betrieb geöffnet werden kann. Beispielsweise haben wir, schon alleine durch die Vorschriften, einen viel höheren Luftwechsel durch professionelle Lüftungsanlagen, wie das in einer Gaststätte der Fall ist. Einige Betriebe haben zudem eine viel höhere Deckenhöhe als etwa andere. Bei uns im „Kesselhaus“ sind es zum Beispiel acht Meter. Daran kann man gut sehen, dass uns die Lobby fehlt. Momentan setze ich verstärkt auf private Feiern, allerdings haben wiederum viele Leute Angst, jetzt in größerem Rahmen zu feiern. Diese Angst wird leider täglich durch Botschaften aus der Politik geschürt. Man sollte besser vermehrt darauf hinweisen, dass man vernünftig mit der Pandemie umgehen sollte – also etwa auf Umarmungen, Küsschen hier und da und einiges mehr verzichten. Aber das ist halt nur meine persönliche Meinung.

Wo sehen Sie sich im kommenden Jahr im Oktober?

Wicke Ich gehe davon aus, dass bis dahin ein Impfstoff gegen Covid-19 gefunden sein wird, bis dahin viele Menschen geimpft wurden und somit wieder einigermaßen Normalität eingekehrt ist. Ich denke, dass öffentliche Veranstaltungen – zwar immer noch mit verringerter Besucherzahl – ab Sommer 2021 auch indoor wieder stattfinden können.