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Wipperfürth: Kinderporno nur für Trick genutzt?

Amtsgericht Wipperfürth : Kinderpornografie – Trick vermeidet keine Strafe

Vor dem Amtsgericht Wipperfürth musste sich jetzt Ladeninhaber aus Hückeswagen verantworten, der auf kursiose, vor allem aber unappetitliche Weise versucht hatte, seinen gehackten Facebook-Account zu löschen: mit einem kinderpornografischen Foto.

Wenn‘s um Kinderpornografie geht, ist die Gesetzeslage eindeutig: Schon der Erwerb einschlägiger Schriften oder Fotos ist strafbar. Immer. Also auch dann, wenn es dem Käufer nicht um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse geht, sondern um etwas ganz anderes. Ein solcher Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verhandelt. Das Strafverfahren endete mit einem klaren Schuldspruch. Angeklagt war ein 39-jähriger Mann aus Wipperfürth, der in Hückeswagen einen kleinen Laden betreibt, außerdem aber Geld vom Job-Center bezieht, weil er seine Familie allein aus den Einnahmen seines Geschäfts nicht unterhalten kann.

Im August 2016, also vor nun schon vier Jahren, soll der Vater von vier Kindern im Internet ein Bild von einem etwa zehnjährigen nackten Jungen in eindeutiger Pose erworben und in seinem Facebook-Account hochgeladen haben. Die Geschichte dahinter erläuterte der Verteidiger des Mannes: Sein Mandant habe damals festgestellt, dass sein Facebook-Account mehrfach gehackt und missbräuchlich genutzt worden sei. Deshalb habe er ihn löschen lassen wollen. Ein Freund erklärte ihm, das gehe am einfachsten, wenn er kinderpornografisches Material hochlade, Facebook veranlasse dann automatisch die sofortige Löschung des Accounts und er müsse nichts weiter in dieser Sache tun. Vor Jahren sei das noch eine „gängige Masche“ gewesen. Der Freund habe dann auch das Foto für den nun Angeklagten erworben und es für ihn hochgeladen, der Plan ging auf.

Gleichzeitig geriet der Familienvater aber ins Visier der Ermittler, weil auch der einmalige Erwerb von Kinderpornografie eben auch vor vier Jahren schon kein Kavaliersdelikt war. Dabei war und ist es unerheblich, welchem Zweck das dienen soll. Es kam in der Folge zu einer Hausdurchsuchung bei dem Wipperfürther, bei der aber nichts gefunden wurde, was den Verdacht gegen den Mann erhärtet hätte. Dennoch lief das Ermittlungsverfahren gegen ihn über Jahre weiter, bis es jetzt zur Hauptverhandlung vor dem Strafrichter kam.

Gemessen am gesetzlichen Strafrahmen bei diesem Delikt fiel das Urteil milde aus: Da das Gericht davon ausging, dass der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte nicht aus pädophilen Motiven heraus und auch nur einmalig gehandelt hatte, verurteilte es den 39-Jährigen zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je zehn Euro, insgesamt also zu 400 Euro. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens und seinen Anwalt bezahlen.

In seiner Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende Richter klar: „Sie haben das getan, um Ihren Facebook-Account auf einfachem und schnellem Weg gelöscht zu bekommen. Aber der einfachste Weg kann nicht der richtige sein, wenn er zum Nachteil von Kindern genutzt wird. Die können sich nicht gegen diese Art der Darstellung wehren. Und dass sie so zu Opfern gemacht werden, wird in Deutschland zu Recht bestraft.“