Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth Corona beeinflusst die Familienberatung noch immer

Wipperfürth · Im vergangenen Jahr gab es viele Veränderungen bei der Psychologischen Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth. Im aktuellen Jahresbericht zieht sie Bilanz.

Die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle hilft Familien, Kindern und Jugendlichen auch aus Hückeswagen und Radevormwald.

Die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle hilft Familien, Kindern und Jugendlichen auch aus Hückeswagen und Radevormwald.

Foto: dpa/Peter Kneffel

2022 war ein ereignisreiches Jahr für die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle, was an den Zahlen zu erkennen ist: 1290 beratene Familien, davon 847 Neuanmeldungen, 443 weitergeführte und 810 abgeschlossene Fälle. Darunter waren auch viele aus Hückeswagen und Radevormwald. Die Einrichtung aus der Hansestadt Wipperfürth bietet Beratungen, Therapien und Gruppenangebote für Eltern, Kinder, Jugendliche an. Auch muttersprachliche Beratungen auf Türkisch und Kurdisch sind dank Dolmetschern möglich. Auch jugendliche Geflüchtete finden in der Herbstmühle immer ein offenes Ohr. Präventiv veranstaltet die Beratungsstelle Elterncafés, Sprechstunden in Familienzentren und an Schulen, Elternabende, sowie Beratungen für Familienhebammen, für Fachleute gibt es Fachtage, Vorträge und Fortbildungen.

2021 hatte das Kreisjugendamt mit den Beratungsstellen vereinbart, ihnen die Beratung bei schwierigen Familiensituationen wie Trennung und Scheidung zu übertragen. Zudem konnte die zusätzliche vom Land und den oberbergischen Jugendämtern finanzierte halbe Stelle zur Prävention und spezialisierten Beratung bei sexualisierter Gewalt an den Start gehen. Als erstes Bundesland hatte NRW im Herbst 2020 eine Landesfachstelle „Prävention sexualisierte Gewalt“ in Köln eingerichtet. Um eine möglichst flächendeckende Versorgung mit Informations-, Beratungs-, Fortbildungs- und Konzeptangeboten in NRW zu erreichen, wird sie durch die Einrichtung regionaler Kooperationsstellen in den fünf Regierungsbezirken erweitert und die Beratungsstruktur in Nordrhein-Westfalen mit etwa 150 neuen Fachkraftstellen für die spezialisierte Beratung gestärkt.

Im Oberbergischen Kreis haben die fünf Jugendämter und die vier zuständigen Beratungsstellen eine „Gesamtkooperationsvereinbarung zum Ausbau der Beratungsange-bots- und Koordinationsstrukturen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ unterzeichnet. Hierfür wurden für viereinhalb neue Stellen Fördermittel vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes NRW akquiriert, davon ist eine halbe Stelle besonders zu präventiven Aspekten bei der Herbstmühle verortet.

Neben der Steuerungsgruppe haben sich die Fachberater der vier Beratungsstellen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und kooperieren eng miteinander. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum besseren Schutz von Kindern vor Gewalt ist die gesetzliche Verankerung im Landeskinderschutzgesetz seit dem 1. Mai 2022. Somit bietet die Psychologische Beratungsstelle Herbstmühle seit vorigem Jahr auch neue präventive Angebote zum Thema „Prävention und spezialisierte Beratung gegen sexualisierte Gewalt“ an. Dazu gehört die Klientenberatung zur Akutversorgung und Stabilisierung für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern, die ihre Kinder nicht missbraucht haben. Außerdem werden Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Minderjährigen angeboten, auch Elternabende in Kitas und Familienzentren oder Themenveranstaltungen wie zum Beispiel Theaterprojekte stehen auf dem Programm.

Die Rahmenbedingungen der Arbeitsstruktur bei der Herbstmühle wurden aktualisiert, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht: So gibt es seit Jahresbeginn für fast alle Mitarbeiter die Option, an einem Tag der Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Das Coronavirus hat auch sonst nach wie vor einen Einfluss auf die Einrichtung. So konnte erst gegen Jahresende wieder eine Praktikantin ihr Praktikum antreten, Fachtage fanden nicht statt. Netzwerktreffen wurden in größere Gebäude ausgelagert oder per Videoschalte angeboten. Auch zur Beratung wurden digitale Medien genutzt: Sechs Prozent der Beratungen fanden per Video statt, knapp einem Drittel der anfragenden Familien oder Einzelpersonen wurde per Telefon geholfen. Überwiegend wurde aber in persönlichen Gesprächen beraten.

Die Gründe für eine Beratung bei den Neuanmeldungen 2022 waren dabei verschieden: Am häufigsten meldeten sich Familien wegen Entwicklungsauffälligkeiten und seelischen Problemen ihrer Kinder, auch Belastungen durch familiäre Konflikte und schulische Probleme waren von zentraler Bedeutung. Weniger Neuanmeldungen gab es wegen sexualisierter Gewalt oder Gefährdung des Kindeswohls.

Die meisten Klienten wurden dabei nicht länger als drei Monate beraten, einzelne Familien nahmen die Beratung für mehr als zwei Jahre in Anspruch. Das Alter der angemeldeten Kinder und Jugendlichen reichte dabei von unter drei bis 27 Jahren, die meisten von ihnen waren jünger als zwölf Jahre alt. Die meisten Mädchen befanden sich in der Gruppe der Neun- bis 17-Jährigen, während bei den Jungen eher jüngere Kinder im Alter von unter zwölf Jahren beraten wurden. Im Schnitt reichten für die Beratung in 41 Prozent der Fälle zwei bis fünf Gespräche, in 29 Prozent war sogar nur ein Gespräch ausreichend.

Außerdem mussten Hilfesuchende nicht lange auf eine Beratung warten: Die Herbstmühle meldet, dass gut die Hälfte eine Wartezeit von unter zwei Wochen hatte, 25 Prozent der Familien wurde sogar umgehend geholfen.

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