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Wipperfürth: Haus gesucht für historische Treppe

Eingelagert in Hückeswagen : Haus gesucht für historische Treppe

Die Hansestadt Wipperfürth hat in Hückeswagen eine mehr als 200 Jahre alte Treppe eingelagert, die wieder in ein Gebäude eingebaut werden soll. Schon einmal war sie in ein anderes Haus „umgezogen“.

Bauer sucht Frau, Er sucht Sie, Fußballer sucht neuen Verein – kennt man alles. Aber Treppe sucht Haus? Was sich kurios anhört, hat einen durchaus realen Hintergrund. Denn die Stadt Wipperfürth hat nach dem Abriss der Villa Hochgürtel an der Ellers Ecke im Zentrum der Hansestadt die historische Treppe bewahrt, in zwei Teile geteilt und in einer Transportbox gelagert. Die Kiste steht nun in einer Halle in Hückeswagen. Diese soll sie möglichst bald wieder verlassen, denn Stadt sowie Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Wipperfürth hoffen darauf, dass sich Architekten oder Bauherren für das besondere Stück Stadtgeschichte interessieren und in ein Bauprojekt integrieren.

Über die Historie der Treppe hatte HGV-Vorsitzender Erich Kahl in den „Wipperfürther Vierteljahresblätter“ Nr. 154 berichtet. Darin schreibt er: „In den ersten Jahren nach dem großen Stadtbrand von 1795 entstanden in der Wipperfürther Altstadt einige bemerkenswerte Bürgerhäuser. Von besonderer Qualität war ein Haus, das an der Hochstraße unmittelbar beim ehemaligen Kölner Tor errichtet und später nach einem seiner Besitzer als ,Haus Eller’ bzw. ,Haus Ellersecke’ bezeichnet wurde.“ In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren dort zeitweise das Postamt bzw. das Bürgermeisteramt und auch das Landratsamt des Kreises Wipperfürth untergebracht. Zudem wohnte dort Dr. Aloys Pollender, der Entdecker des Milzbrandbazillus, eine Zeit lang zur Miete.

Der Anspruch des Bauherrn war hoch und galt in besonderem Maß der Gestaltung des Eingangsbereichs: „Haustür und Innentreppe waren prächtige Beispiele des Louis-seize-Stils“, schreibt Kahl. Etwa 160 Jahre lang markierte das Haus den westlichen Eingang zur Wipperfürther Altstadt, dann wurde es 1957 den Anforderungen des modernen Straßenverkehrs geopfert: Hier entstand eine Rechtsabbiegerspur von der Unteren auf die Hochstraße.

Vorher war die sogenannte Villa Hochgürtel in dem alten Park errichtet worden. Kahl: „Der Eigentümer war sich des künstlerischen Werts von Haustür und Treppe durchaus bewusst und übernahm beides für den Neubau.“ Die Translozierung bedeutete für die historische Treppe aber auch eine Umgestaltung. Weil der untere Teil Im neuen Haus frei in der Halle stand, gab es jetzt auch an der linken Seite ein Geländer als „symmetrischen Zwilling“ des Originals.

Doch nach 45 Jahren wurde auch die „Villa Hochgürtel“ Anfang der 2000er Jahre ein Fall für den Bagger: An ihrer Stelle entstand ein Neubau mit mehreren Eigentumswohnungen. Die Treppe aber blieb einmal mehr erhalten. Auf Betreiben des Heimat- und Geschichtsvereins und mit Hilfe des Architekten Norbert Stannek wurde sie ausgebaut, in zwei zusammenhängende Stücke zerlegt und von der Stadt Wipperfürth eingelagert.

„Die Treppe mit dem Geländer aus Eichenholz und den in Buche gearbeiteten Stufen befindet sich in gutem Zustand“, versichert der HGV-Vorsitzende. Sie sei nicht akut gefährdet, brauche aber dringend eine Zukunftsperspektive. „Und die kann für eine Treppe nur darin bestehen, in ein bestehendes oder neu zu errichtendes Gebäude eingebaut zu werden, wobei es hier architektonisch sicher verschiedene Möglichkeiten gäbe“, betont Kahl.

Kontakt Interessenten können sich an Leslie Kamphuis von der Stadt Wipperfürth wenden unter ☏ 02267 64214 oder per Mail an leslie.kamphuis@wipperfuerth.de