Hückeswagen: Windrad in Röttgen steht auf der Kippe

Hückeswagen: Windrad in Röttgen steht auf der Kippe

Im Jahr 2022 läuft die finanzielle Förderung der Anlage durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. Der Betrieb des Windrads wäre dann nicht mehr wirtschaftlich. Sein Besitzer hofft nun auf eine Grundsatz-Entscheidung aus der Politik.

Beharrlich dreht es sich bereits seit 16 Jahren, Tag für Tag, und versorgt mit seiner Schwester-Anlage in Vormwald rund 1800 Drei-Personen-Haushalte pro Jahr: das Windrad in Röttgen. Damit könnte jedoch bald Schluss sein. Denn in 2020 läuft die 20-jährige finanzielle Förderung im Zuge des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus. Nur sie macht den Betrieb der Windkraftanlage jedoch in Zeiten niedriger Strompreise an der Börse überhaupt wirtschaftlich. Der Betreiber macht sich dennoch wenig Sorgen um die Zukunft der Anlage.

"Wenn man an der Energiewende festhalten möchte, ist eine weitere Förderung von Anlagen wie der Unseren in Röttgen unerlässlich", sagt Aline Wenderoth, Sprecherin von SL Naturenergie. Das Unternehmen mit Sitz in Gladbeck betreibt die beiden Hückeswagener Windräder in Röttgen und Vormwald. Gemeinsam produzieren sie pro Jahr etwa 6,3 Megawattstunden Energie. Die Anlage in Röttgen vom Typ Enercon E-66 hat eine Leistung von 1800 Kilowatt, die Anlage in Vormwald vom Typ Enercon E-82 leistet 2300 Kilowatt.

Um sie muss sich SL Naturenergie keine Sorgen machen, denn vor vier Jahren wurde das Windrad nahe Herweg aufgerüstet: Die Altanlage wurde abgebaut und ein neues Windrad am selben Standort aufgestellt. Seit 2013 ist die neue Anlage in Betrieb - und durch die 20 Jahre andauernde EEG-Förderung abgesichert. Das Windrad in Röttgen ist jedoch seit 2001 in Betrieb und gilt damit als Altanlage.

"Für dieses läuft die Förderung 2022 in der Tat aus", bestätigt Aline Wenderoth. "Aber auf politischer Ebene wird derzeit an einer Lösung gearbeitet. Und wenn wir davon ausgehen, dass es auch politisch gewollt ist, die Energiewende voranzutreiben, sind wir zuversichtlich, dass eine neue Möglichkeit der finanziellen Förderung gefunden wird." Bedeutet: Der Windradbetreiber will nun erst einmal abwarten, ob die Bundespolitik ein neues Fördermodell entwickelt oder die aktuelle Förderung doch verlängert.

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Das Unternehmen ist mit seinem Anliegen derweil nicht alleine: Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW, dem fast alle Vertreter aus der Branche angehören, kämpft in Berlin um "eine Anschlussregelung, um diesen volkswirtschaftlichen Schaden zu verhindern", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Damit sie nicht zu sehr von den Strompreisschwankungen an der Börse abhängig sind, erhalten Unternehmen, die erneuerbare Energie produzieren, nämlich die Förderung. Damit wird dieser Strom im Wettbewerb mit günstigeren Alternativen wie Kohle und Gas überhaupt erst konkurrenzfähig. Fällt die Förderung weg und bleibt der Börsenpreis niedrig, rechnet sich die Herstellung "sauberer" Energie aus Sonne, Wind und Co. nicht mehr im Vergleich mit den günstigeren Quellen.

Sollte die Förderung auch für das Windrad Röttgen nicht verlängert werden, bleiben SL Windenergie wenig Möglichkeiten, um den Standort zu erhalten. Auch ein Aufrüsten wie in Vormwald, was die alte Anlage zu einer neuen machen würde, ist dort nicht möglich. "Dafür sind die Auflagen zu hoch", betont Aline Wenderoth. Eine neue Anlage wäre zum Beispiel größer, womit die Abstandsregelungen zu den Häusern in der Nähe nicht mehr eingehalten werden könnten. "Das ganze Ausschreibeverfahren ist außerdem ziemlich langwierig und kompliziert", betont die Sprecherin. Das Aufrüsten ist also nicht mit einer simplen Renovierung gleichzusetzen.

Die Stadtverwaltung plant derzeit keine weiteren Windanlagen auf Hückeswagener Gebiet. "Das sieht der Flächennutzungsplan nicht vor", macht Bauamtsleiter Andreas Schröder deutlich. Eine Änderung würde derweil ebenfalls einen großen bürokratischen Aufwand bedeuten.

(lai)