Hückeswagen: Wiehagen – Stiefkind der Stadt

Hückeswagen: Wiehagen – Stiefkind der Stadt

Dem Stadtteil im Westen von Hückeswagen haftet ein schlechtes Image an. Viele Wohnungen stehen leer. Die GBS als größter Vermieter appelliert an die Stadt, Wiehagen in den Blick zu nehmen und weiter zu entwickeln.

Es gibt zu viele Wohnungen in Hückeswagen. In Wiehagen, vor allem im Bereich zwischen dem Edeka-Markt und dem Tulpenweg, gibt es viel zu viele. Knapp 280 Wohnungen hat allein die Genossenschaft für Bau- und Siedlungswesen (GBS) als größter Vermieter in der Stadt dort im Angebot. Jede vierte steht leer. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Nebgen führt das auf das schlechte Image von Wiehagen zurück: "Das steckt tief in den Köpfen. Selbst in Wikipedia gibt es dazu einen negativen Eintrag – und niemand fühlt sich bemüßigt, das mal zu korrigieren." Das sagte Nebgen am Dienstagabend in einer Sitzung des Sozialausschusses.

Ungeliebtes Wiehagen?

Der Vorstand der Genossenschaft ließ gleichzeitig durchblicken, dass ein Korrekturbedürfnis nicht zuvorderst bei der allgemeinen Einschätzung von Wiehagen als Wohnstandort besteht. Vielmehr ist aus seiner Sicht die Einstellung von Politik und Verwaltung zum offenbar ungeliebten Stadtteil im Westen von Hückeswagen korrekturbedürftig: "Die Stadt ist zu wenig bereit, Wiehagen weiter zu entwickeln." Politik und Verwaltung konzentrierten sich auf die Innenstadt, darüber dürften aber die Stadtteile nicht aus den Augen verloren werden.

"Wir wünschen uns mehr Unterstützung durch die Stadt", unterstrich Nebgen. Und wurde dabei auch konkreter: "Gebraucht wird ein ganzheitliches Stadtteil-Entwicklungskonzept." Das war auch Ergebnis einer Untersuchung, die vor Jahren das Planungsbüro Dr. Paul Jansen im Auftrag der GBS vorgenommen hatte. Am Ende stand ein Entwicklungsplan des auch für die Stadt tätigen Planungsbüros, das laut Nebgen einen Investitionsbedarf von 15 Millionen Euro aufzeigte.

  • Hückeswagen : Kommentar: Ein Stadtteil ohne Lobby

Diese Summe kann die Genossenschaft allein nicht aufbringen. Sie wandte sich ans Land, um Möglichkeiten der öffentlichen Förderung auszuloten. Die Ansprechpartner dort winkten ab. Auch sie forderten ein ganzheitliches Konzept zur Weiterentwicklung des Stadtteils und seiner Infrastruktur, berichtete Nebgen.

Deutlich wurde aus seinem Vortrag, dass ganze Teile von Wiehagen weiter an Wohn- und Lebensqualität verlieren könnten, wenn die Stadt sich nicht verstärkt um die Belange der Menschen dort kümmert, wenn sie also die Infrastruktur weiter vernachlässigt. In diesem Fall sinke auch der Investitions-Anreiz für Dritte, glaubt Nebgen: "Wir tun uns schwer, viel Geld dort zu investieren, weil wir nicht wissen, ob wir durch die Modernisierung unserer Wohngebäude den Makel, der an Wiehagen haftet, wegbekommen."

Die Zweifel beruhen bei der Genossenschaft auf Erfahrung: Am Tulpenweg wurden große GBS-Häuser aufwändig renoviert und modernisiert. Dennoch stehen viele der Wohnungen leer – mehr als irgendwo sonst in den "GBS-Quartieren" von Hückeswagen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE