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Wie in Hückeswagen Energie gespart wird

Geplante Maßnahmen für den Winter : Wie in Hückeswagen Energie gespart wird

Seit Monaten steigen die Preise für Gas, Strom und Treibstoffe. Und es ist unsicher, wie die Energieversorgung über die Wintermonate sichergestellt ist. Schulen, Sporthallen, Rathaus, Bürgerbad und Straßenbeleuchtung – Bürgermeister Dietmar Persian berichtet, wo es im Winter kälter und dunkler wird.

Strom kommt aus der Steckdose, Gas und Heizöl sind immer verfügbar – daran gab es bis Weiberfastnacht keinen Zweifel. Doch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar ist die ausreichende Versorgung mit Energie genauso wenig sicher, wie es die Rente ist. Seit Monaten steigen die Preise für Gas, Strom und Treibstoffe. Und es ist unsicher, wie die Energieversorgung über die Wintermonate sichergestellt ist. Daher ruft die Politik zum Energiesparen auf. „Dies gilt für Privatleute und Unternehmen, aber natürlich auch und in erster Linie für öffentliche Einrichtungen“, betont Bürgermeister Dietmar Persian. Die Stadt Hückeswagen werde daher in den kommenden Monaten in vielen Bereichen Energie einsparen.

„Natürlich wird zum Beispiel das Absenken von Heiztemperaturen oder das Abschalten von Warmwasser in Duschen zu deutlichen Komforteinschränkungen führen“, sagt er. Aber allen dürfte klar sein, dass die Situation schwierig ist und Einschränkungen hingenommen werden müssten, um im kommenden Winter eine ausreichende Versorgung mit allen Energieträgern zu sichern. „Das kann nur gemeinsam funktionieren“, appelliert der Bürgermeister. Deswegen hat er die jeweiligen Maßnahmen sowohl mit den Verantwortlichen des Stadtsportverbandes und der Sportvereine als auch mit denen der Schulen abgesprochen. Persian: „Es ist mir wichtig, dass wir hier gemeinsam ein Zeichen setzen, dass Energiesparen das Gebot der Stunde ist.“

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Folgende Maßnahmen plant die Stadt in den kommenden Wochen umzusetzen.

Verwaltungsgebäude In den Büros im Rathaus und am Etapler Platz und Bahnhofsplatz wird die Temperatur auf 19 Grad abgesenkt. Weitere Absenkungen sind – soweit es möglich ist – für die Flure vorgesehen. Des Weiteren sollen die Mitarbeiter verstärkt ins Homeoffice, um einzelne Büros vorübergehend aus der Nutzung zu nehmen.

Schulgebäude „Die Schulen sind bereits in den vergangenen Jahren durch die Corona-Pandemie stark belastet gewesen“, betont der Bürgermeister. „Aus diesem Grund müssen hier abgestimmte Maßnahmen erfolgen, die ihren Betrieb nicht einschränken.“ Die beiden alten Grundschulgebäude an der Kölner Straße werden komplett vom Netz genommen und nicht mehr beheizt. Damit ist auch die weitere Nutzung der Gymnastikhalle am alten Gebäude der Katholischen Grundschule ab 1. Oktober nicht mehr möglich, da diese an die gleiche Heizung wie das Hauptgebäude angeschlossen ist.

In den Klassen aller genutzten Schulgebäude wird die Temperatur auf 20 Grad abgesenkt, was so größtenteils bereits seit dem Frühjahr praktiziert wird. „Alle Klassenräume werden mit CO2-Ampeln versehen, um die Lüftungsintervalle zu optimieren“, berichtet Persian. Vorgezogen werden soll die Planung für eine neue Heizungsanlage für die Grundschule Wiehagen unter der Berücksichtigung eines Erweiterungsbaus für die OGS.

Mehrzweckhalle / Sporthallen „Die Sportvereine haben eine hohe soziale Funktion für das Miteinander und den Zusammenhalt in unserer Stadt“, betont er. Deshalb müsse hier sorgfältig abgewogen werden zwischen den notwendigen Energieeinsparungen und der Aufrechterhaltung des Sportbetriebs. Auf jeden Fall muss demnächst – soweit technisch und unter hygienischen Aspekten möglich – kalt geduscht werden, denn das Warmwasser in den städtischen Hallen und im Sportplatzgebäude wird abgeschaltet. In der Mehrzweckhalle wird die Temperatur auf 15 Grad abgesenkt, da dort überwiegend Bewegungssportarten wie Handball oder Trampolinturnen ausgeübt werden. In den übrigen Hallen der Stadt und der Vereine werden die Temperaturen ebenfalls abgesenkt, wobei sich das an den jeweiligen dort betriebenen Sportarten orientiert, wie etwa Seniorengymnastik. „Die Zieltemperatur liegt bei etwa 17 bis 18 Grad“, berichtet Persian.

Bürgerbad Das Hallenbad ist aufgrund der bevorstehenden Sanierungsmaßnahmen geschlossen, zum 1. September werden außerdem das Dampfbad und das Sanarium abgeschaltet. Stattdessen wird eine Fass-Sauna in Betrieb genommen, die mit Strom betrieben wird. Die Sauna ist bereits seit etlichen Wochen an den Wochenenden geschlossen, wodurch sie nur noch an vier Wochentagen geöffnet ist.

Aufgrund der bevorstehenden Sanierungsmaßnahme des Bürgerbads wurde das Beckenwasser abgelassen und die Raumtemperatur auf 15 Grad abgesenkt. „Die Schloss-Stadt Hückeswagen rechnet durch diese Maßnahmen mit einer Energieeinsparung von bis zu 60 Prozent“, betont der Bürgermeister. Die Bürgerbad gGmbH wurde über die Pläne informiert.

Straßenbeleuchtung Die Rundsteueranlage (Dämmerungsschalter) der Straßenlaternen sollen so angepasst werden, dass die Straßenbeleuchtung etwa eine halbe Stunde später angeschaltet und eine halbe Stunde früher abgeschaltet wird. Das wurde auch mit mit den übrigen an der BEW beteiligten Kommunen Wipperfürth, Wermelskirchen und Kürten abgestimmt, so dass es einheitliche Regelungen gibt.

An allen Straßen in Hückeswagen – außer an den Bundesstraßen und der Alten Ladestraße – wird laut Persian bereits seit langer Zeit zwischen Mitternacht und 5 Uhr jede zweite Straßenleuchte abgeschaltet. „Eine weitere Reduzierung ist unter Sicherheitsaspekten aber nicht möglich.“ Weitere Straßenleuchten sollen mittelfristig auf LED umgerüstet werden. Und auch in der Altstadt wird es dunkler: Nach dem Altstadtfest werden ab 12. September das Schloss und die Pauluskirche nicht mehr angestrahlt.