1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Wette verloren - Hückeswagener Standesbeamtin traut Brautpaar mit Hasenohren

Komplette Stadtverwaltung trägt Kopfschmuck : Warum in Hückeswagen mit Hasenohren geheiratet wurde

Sämtliche Verwaltungsmitarbeiter der Stadt Hückeswagen arbeiteten am Donnerstag mit Hasenohren. Sogar Standesbeamtin Ursula Thiel. Die hatte sogar Ohren für ein Brautpaar dabei.

Es war die erste und wahrscheinlich auch einzige standesamtliche Trauung, bei dem das Brautpaar wie auch die Standesbeamtin Haarreifen plüschige Hasenohren trug. Eva und Michael Konsen, die sich am Donnerstagmorgen im Trauzimmer des Schlosses das Ja-Wort gaben, schrieben somit Geschichte. Bei ihrem Eintreffen auf dem Schlossplatz überraschte Standesbeamtin Ursula Thiel das Paar mit einem blauen und einem rosa Paar Hasenohren. „Eva hatte schon gewitzelt, dass die Stadt an diesem Tag ihren Wetteinsatz einlösen muss. Dass sie selbst auch Ohren kriegt, damit hat sie nicht gerechnet“, freute sich die Verwaltungsmitarbeiterin über die gelungene Überraschung. Das Brautpaar trug es mit Humor. „Mitgefangen, mitgehangen“, sagte Eva Konsen, geborene Selbach, bevor sie sich den Haarreif auf die kunstvolle Hochsteckfrisur setzen ließ.

Die Idee zu dieser Wette war entstanden, um möglichst viele Bürger zu motivieren, sich an der Aktion „Saubere Stadt“ am vergangenen Samstag zu beteiligen. Mit Erfolg, wie Organisatorin Anja Kölsch vom Bauamt der Stadt berichtete: „Es haben sich etwa doppelt so viele Menschen beteiligt wie sonst.“ Allein am Samstag waren mehr als 200 Menschen unterwegs, um Müll an den Straßen und Plätzen aufzusammeln. Insgesamt wurden dabei mehr als 20 Kubikmeter Müll aus der Natur entfernt. Zusammen mit den über 20 privaten Sammeln, die schon am Freitag unterwegs waren, wurde die geforderte Zahl von 200 deutlich überschritten. Hinzu kamen etwa 120 Schüler und mehr als 70 Mitglieder des Hegerings, die 5000 Hektar Wald gesäubert hatten. Insgesamt waren somit mehr als 400 freiwillige Abfallsammler im Einsatz für eine saubere Stadt.

Die Stadtverwaltung löste daher am Donnerstag ihre Wettschuld ein, weswegen ihre Mitarbeiter den ganzen Tag mit Hasenohren arbeiten mussten. „Wir sind für jeden Spaß zu haben, und 90 Prozent machen auch freiwillig mit. Ich musste das gar nicht kontrollieren“, versicherte Anja Köln schmunzelnd. Lediglich die Außendienstmitarbeiter seien von der Tragepflicht befreit, um die Seriosität zu wahren.

„Knöllchen verteilen mit Hasenohren kommt nicht so gut. Die Mitarbeiter müssen sich schon so genug Sprüche anhören“, zeigte Stadtmitarbeiter Torsten Kemper Verständnis. Seine Schwester, die TV-Moderatorin und Komikerin Hella von Sinnen, hatte 130 Euro für 70 Hasenohren-Paare „springen lassen“. Der TV-Star zählt zum prominenten Rateteam der Comedy-Sendung „Genial daneben“, bei der zu Ostern immer das gesamte Publikum mit Hasenohren ausgestattet wird. „Ich habe Hella gefragt, ob vielleicht noch Ohren für uns übrig sind“, berichtete Kemper. „Aber sie hat direkt zugesagt, diese selbst zu bezahlen.“ Und das, obwohl sie bisher erst einmal mit ihrem Soloprogramm Anfang der 2000er-Jahre in der Schloss-Stadt zu Gast war.

Die Stadtmitarbeiter hatten auf jeden Fall viel Spaß an der Aktion. „Wir haben uns gegenseitig schon am Morgen mit ‚Hallo Hasi!‘ begrüßt“, verrät Ursula Thiel. Auch die Reaktionen der Bürger seien durchweg positiv. „Wir wirken damit auch dem Klischee des langweiligen, verstaubten Beamten entgegen“, beleuchtete Kemper einen weiteren Vorteil der Stadtwette. Auf jeden Fall wird es im nächsten Jahr schwer, diese Idee zur Müllsammelaktion zu toppen.

Neben dem lustigen Anblick gab es für die Besucher im Schloss und im Bürgerbüro Ostereier, die Bürgermeister Dietmar Persian gesponserte hatte. An das frisch getraute Brautpaar und seine rund 20 Gäste verteilte er die Eier eigenhändig – ein ganz besonderer Service der Stadtverwaltung an diesem besonderen und vor allem plüschigen Tag.