Bürgermeisterwahl: Weitere Industrie ansiedeln – aber wo?

Bürgermeisterwahl : Weitere Industrie ansiedeln – aber wo?

Bis zur Wahl des neuen Bürgermeisters am 23. März stellt die Bergische Morgenpost beiden Bewerbern jede Woche eine Frage zu Hückeswagener Themen. Heute: Braucht Hückeswagen ein neues Gewerbegebiet – und wo könnte das entstehen?

Bis zur Wahl des neuen Bürgermeisters am 23. März stellt die Bergische Morgenpost beiden Bewerbern jede Woche eine Frage zu Hückeswagener Themen. Heute: Braucht Hückeswagen ein neues Gewerbegebiet — und wo könnte das entstehen?

Das Gewerbegebiet West 2 (Winterhagen-Scheideweg) ist ein Erfolgsmodell. Anfang der 2000er Jahre erschlossen, hat es sich seitdem rasant entwickelt. Im vorigen September kündigte das Remscheider Traditionsunternehmen Picard GmbH & Co. KG an, ihre Produktion und Verwaltung voraussichtlich im August dieses Jahres an die Heinrich-Schicht-Straße verlegen zu wollen. Dafür hat sie ein 2200 Quadratmeter großes Grundstück im oberen Bereich gegenüber der arcus-Schreinerei erworben — und sich zudem die Option gesichert auch die restlichen 2800 Quadratmeter zu kaufen.

Es gibt zwar Flächen in West 2, die noch zu haben sind (s. Kasten). Das Picard-Grundstück ist aber das letzte größere, nachdem die Stadt Hückeswagen vor genau einem Jahr mit der Firma Klingelnberg den Notarvertrag für ein neun Hektar großes Gelände unterschrieben hatte (das sind etwa 13 Fußballfelder). Die Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte: Die etwa 40 Hektar des Gewerbegebiets Winterhagen-Scheideweg sind so gut wie "ausverkauft".

Die Stadt muss sich nun auf die Suche nach neuen Gewerbeflächen machen. Doch das ist alles andere als einfach. Denn so manche Idee scheitert an den restriktiven Landesvorgaben. Kämmerer und Übergangs-Verwaltungschef Bernd Müller hält es beispielsweise für sinnvoll, die Gewerbegebiete Bergisch Born und Winterhagen-Scheideweg zusammenzuführen. "Aber dem steht die Landesentwicklungsplanung entgegen", sagt er. Denn die Regierung in Düsseldorf sei der Meinung, dass es landesweit bereits ausreichend Gewerbeflächen gibt. Werden dennoch neue geplant, müssen sie nahe von Siedlungen erschlossen werden. Ein weiteres Hindernis für ein Zusammenwachsen der beiden Gewerbegebiete ist laut Müller, "dass dazwischen ein Naturschutzgebiet liegt".

Der Kämmerer sieht dennoch drei Möglichkeiten, im Stadtgebiet Gewerbegebiete zu erschließen bzw. zu erweitern. So ist West 3 im Rathaus immer noch ein Thema — der Bereich Junkernbusch/Kammerforsterhöhe könnte als Gewerbefläche ausgewiesen werden. Auch gibt es seit 2007 Überlegungen, in Großen- und Kleinenscheidt an der K 5 ein Gewerbegebiet anzulegen. "Das wäre superattraktiv, wenn die Umgehungsstraße fertig ist", meint Müller. Zudem könnte das Gewerbegebiet Süd (Kobeshofen/Stahlschmidtsbrücke) um Flächen in Knefelsberg und Sohl erweitert werden; auch das ist im Gespräch.

Doch die Stadt müsste zunächst Verhandlungen mit den Eigentümern der Weiden und Wiesen führen. Da stellt sich die Frage, ob sich beide Seiten auf einen für die Stadt erschwinglichen Quadratmeterpreis einigen können. "Wir wollen bei der Erschließung schließlich nicht mit einem Minus herausgehen", betont der Kämmerer.

Ohnehin könne man bei der Erschließung eines Gewerbegebiets keinen Gewinn machen. "Das rechnet sich erst später", sagt Müller und verweist auf die Gewerbesteuer-Einnahmen, eine verbesserte Infrastruktur sowie eventuell mehr Einwohner und dadurch eine höhere Einkommenssteuer.

(RP)
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