Hückeswagen: Voßhagens Gräber im Fokus

Hückeswagen : Voßhagens Gräber im Fokus

Die Bergische Zeitgeschichte hat ihre 2008 erschienene Publikation über die 44 in Voßhagen begrabenen Zwangsarbeiter überarbeitet. Diese Broschüre stellte die BZG-Gruppe jetzt in ihrer Geschäftsstelle vor.

Der Jüngste war 17 Jahre alt, der Älteste gerade 36: Neben der Friedenskapelle in Voßhagen reihen sich die 43 Grabstätten der dort bestatteten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter aus den ehemaligen Sowjetrepubliken aneinander. Auch die an akuter Leukämie gestorbene Jadokia Rasinjenko ist dort beigesetzt. Der im Volksmund "Russischer Friedhof" genannte Ort macht einen gepflegten Eindruck. Die Schicksale der "44 vom Voßhagen" ließen dem Verein Bergische Zeitgeschichte (BZG) keine Ruhe.

In Verbindung mit der Orts- und Firmenerkundung der alten Hückeswagener Ortsteile Hammerstein und Hammersteins-Öge war es vor allem die Tragödie um die zwischen dem 3. Dezember 1941 und dem 23. Dezember 1944 ums Leben gekommenen Menschen, die eine Arbeitsgemeinschaft der BZG zur authentischen Aufklärung der Schicksale bewegte.

Überarbeitete Neuauflage

Unter dem Titel "Wasser können sie trinken. . ., morgen sind sie tot!" war Ende Januar 2008 eine viel beachtete Broschüre zu diesem Thema in einer Auflage von 500 Exemplaren herausgegeben worden. Nicht nur die Öffnung der Archive als Folge des politischen Wandels in der früheren Sowjetunion mit der Auffindung der Personalkarten fast aller in Hammerstein zu Tode Gekommenen, sondern auch neue Forschungsergebnisse veranlassten die BZG-Gruppe um Wilfried Egerland, Norbert Bangert und Ralph Vesper dazu, nun eine vollkommen überarbeitete Neuauflage in gleicher Auflagenhöhe auf den Markt zu bringen.

Die Broschüre zeichnet sich durch präzise Lageskizzen, Schaubilder, aber vordringlich durch Tabellen zu den Daten der 44 Toten von Voßhagen aus. "Der Weg vom Datum der Gefangennahme durch die Deutsche Wehrmacht über Arbeitslager-Nachweise bis zum Lager Hammerstein und bis hin zu ihrer letzten Ruhestätte in Voßhagen ist belegt und dokumentiert", sagt Wilfried Egerland.

Für Norbert Bangert war es ein "bewegender Moment", als er in der Dokumentationsstätte Senne in Schloß Holte-Stukenbrock plötzlich die aufschlussreichen Personalkarten fast aller Toten von Voßhagen in Händen hielt. Geburtsdaten, Nationalität – nach "Russe" und "Ukrainer" getrennt –, Berufe, persönliche Daten sind dokumentiert. Diese in der Neuauflage aufgelisteten Daten ergänzen jetzt die Angaben der Totenscheine und Sterbeeinträge vom Hückeswagener Standesamt. Sie geben als Todesursachen Fleckfieber-Verdacht, Wassersucht, Selbstmord, "auf der Flucht erschossen" an.

Thema noch nicht abgeschlossen

Die Neuauflage zeichnet sich durch eine umfassende Auflistung von Fakten, sachbezogene tabellarische Übersichten und Bezugnahme auf persönliche Schicksale aus. Die Arbeitsgruppe des Vereins Bergische Zeitgeschichte ist sich einig: "Die nüchternen Daten um die tragischen und menschenverachtenden Vorfälle in Bezug auf die Toten vom Voßhagen geben jetzt lückenlos Aufschluss. Das Thema rund um das Lager Hammerstein in der NS-Zeit ist noch nicht abgeschlossen", hieß es am Mittwoch bei der Präsentation.

(RP)
Mehr von RP ONLINE