Hückeswagen: Vier Wochen lang „Kraft tanken“

Hückeswagen : Vier Wochen lang „Kraft tanken“

Sie leben etwa 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt in einem verstrahlten Gebiet. 16 Kinder aus Grebeni wurden nach Hückeswagen eingeladen, wo sie sich in gesunder Umgebung etwas erholen können.

Fröhlich und lachend stehen sie in Schwimmwesten am Ufer der Bevertalsperre, schauen übers in der Sonne blau glänzende Wasser, wo schon einige Segelboote ihre Runde drehen. Gleich werden sie auch in einem Boot sitzen und über die Bever rudern. Wer diese Kinder sieht, kann kaum glauben, was sie schon alles erlebt haben.

Die Katastrophe geschah mindestens acht, wenn nicht sogar 14 Jahre vor ihrer Geburt. Die Auswirkungen des Reaktorunfalls in Tschernobyl erleben diese Kinder trotzdem: Es sind 16 acht- bist 14-jährige Kinder aus Grebeni, die für vier Wochen auf Einladung des Tschernobylvereins Hückeswagen, gekommen sind. "Ihre Gegend ist eigentlich Sperrgebiet wegen der Verstrahlung. Sie atmen die Luft dort ein und essen Erzeugnisse aus dem eigenen Garten", erklärt Vereinsmitglied Timm Franzen. Für die Kinder ist der Deutschlandurlaub nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern eine echte Erholung. "Der Aufenthalt hier stärkt ihr Immunsystem für das ganze Jahr."

Viel unternehmen

Wer Kinder bei Laune halten will, muss viel mit ihnen unternehmen: Minigolf, Reiten oder der Besuch im Zoo sind einige der Aktivitäten, die der Verein für die Kids geplant hat. Viele Einrichtungen haben die Besucher aus Grebeni auch eingeladen: "Von der Pizzeria Mimmo wurden sie zum Pizzaessen eingeladen, und von der nahe liegenden Eisdiele zum Eisessen", berichtet Viktor Hubert. Er und seine Frau, gebürtig aus Kasachstan, helfen bei den Sprachproblemen aus. "Die Kinder lernen zwar in der Schule ein bisschen Deutsch, aber Probleme gibt es trotzdem in der Kommunikation", so Hubert. Auch wenn es mit der Sprache hier und da mal hapert, lachende und strahlende Kinderaugen versteht man in jedem Land: "Mir gefällt es sehr gut hier", meint die 13-jährige Maria. Sie ist zum vierten Mal dabei. Der zehnjährige Vitaly ist zum zweiten Mal in Hückeswagen. Er hat sich sehr gefreut, wiederkommen zu können. "Die Bootsfahrt gerade hat sehr viel Spaß gemacht", berichtet er, "und das Fliegen war auch super." Zum ersten Mal wurden sie auf den Flugplatz Neye gebracht, um mal über den Wolken zu fliegen. Nadieschda (9) hatte zuerst ein bisschen Angst, hinterher aber wollte sie gar nicht mehr aussteigen.

Kostenlose Untersuchungen

Neben dem Spaßfaktor wird sich auch um die ärztliche Versorgung gekümmert. "Einige Kinderärzte und Zahnärzte haben sich bereit erklärt, die Kinder kostenlos zu untersuchen", berichtet Viktor Hubert. Nach solch spannenden und erholsamen vier Wochen, wer würde da gerne wieder gehen? So ist es nicht verwunderlich dass der Abschied schwer fällt, aber die Freude ist umso größer im nächsten Jahr wieder zu kommen.

(RP)
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